
LABO April 2010 48 gründet wurde.
Ihr Produktan- gebot reicht von Pipetten und Zentrifugen bis zu Biochips und Zellautomaten.
Der Umsatz des weltweit präsenten Hamburger Unternehmens lag 2008 bei 410 Mio.
Euro bei einem Gewinn von knapp unter 72 Mio.
Euro.
Forschungsverbünde als Regel Die früher nur ansatzweise vor- handenen Kooperationen von Privatunternehmen der Medizin- branche mit Kliniken sind hier in- zwischen Alltag: Biotech-Firmen kooperieren zumindest punktu- ell z.B.
mit dem Deutschen Elek- tronen-Synchrotron DESY für Materialuntersuchungen.
Nun wird hier das XFEL, eine Freie Elektronen-Röntgen-Laser-Anla- ge, für 1 Mrd.
Euro errichtet.
Zu- tritt erhalten, wie bei DESY, auch die skandinavischen Länder.
Die BioRegion Nord ist heu- te führend auf dem Gebiet der schonenden Eingriffe, in der Wirkstoffforschung, der mole- kularen Bildgebung, der Ent- zündungsforschung sowie der industriellen Biotechnologie.
Ein neues Teilgebiet darf der Life-Science-Verbund Nord ganz allein für sich beanspruchen: Die blaue Biotechnologie (Meeres- Biotechnologie).
Sie macht ge- genwärtig nur 1 % der Biotech- Aktivitäten aus, besitzt jedoch enormes Steigerungspotenzial.
Ein bedeutender Forschungs- verbund ist Neu2, bestehend aus dem UKE (Uniklinik Hamburg- Eppendorf), der Darmstädter Merck KG aA, Evotec sowie den KMUs Bionamics GmbH, Kiel, European Screening Port GmbH, Hamburg, Medigate GmbH (Clinical Trial Center North), Hamburg, sowie Cedrus Thera- peutics, New York.
Gemeinsam hat man sich unter dem Arbeits- titel Neu2 der Diagnose und Therapie der MS-Erkrankung (Multiple Sklerose) verschrie- ben.
Unter MS leiden doppelt so viele Frauen wie Männer, weltweit ca.
1,5 Mio.
Menschen.
Die Betroffenen berichten von schweren Behinderungen und Schmerzen infolge Störungen ihres ZNS (Zentralen Nervensys- tems).
Eine umfassende Thera- pie fehlt bisher.
Das Konsortium Neu2, Gewinner des BMBF-Bio- pharma-Wettbewerbs 2008 und von 34,5 Mio.
Euro, hat es sich zum Ziel gesetzt, neue Medika- mente und Therapien gegen die MS auf den Markt zu bringen.
Insgesamt sechs Projekte mit un- terschiedlich weit fortgeschrit- tener Reife auf der Basis von Small Molecules oder Antikör- pern werden verfolgt.
Einzelne Gene, Signalwege und Rezep- toren wurden identifi ziert und stellen die jeweilige Ausgangs- basis für neue Medikamente dar.
Jedes Unternehmen bringt seine spezielle Kompetenz ein: Biotechnologische Verfahren, Wirkstoff-Screening, Klinische Tests oder Erstellung medizi- nischer Studien.
Das US-Unter- nehmen Cedrus Therapeutics ist spezialisiert auf ipS (induzierte pluripotente Stammzellen).
Den aus privaten Quellen gespeisten Fond verwaltet als Projektma- nager das ebenfalls am Konsor- tium beteiligte Unternehmen Bionamics GmbH.
Im Zuge der Einwerbung weiterer fi nanziel- ler Mittel sollen weitere Partner aus universitärer Forschung oder private Medizinunternehmen eingebunden werden.
Die Pharma-Initiative startete das BMBF, damit wieder mehr Medikamente in Deutschland entwickelt werden, denn „viele Forschungsergebnisse stammen aus Deutschland, doch entste- hen die Medikamente vielfach in anderen Ländern.“ Zu einer direkten Kooperati- onsform fanden die japanische Nikon GmbH und das Hein- rich-Pette-Institut (Leibniz-Ge- meinschaft) in Hamburg auf dem Gebiet der Mikroskopie.
Gemeinsam eröffneten sie am 11.11.2009 das norddeutsche Imaging-Applikationszentrum Hamburg, in dessen Rahmen dem HPI modernste Mikroskope für Fluoreszenz, konfokales und Live Cell-Imaging zur Verfügung gestellt werden.
Einzelne Geräte verbinden die Licht-Mikroskopie mit modernster Kryo-Elektro- nen-Mikroskopie.
Das Heirnrich-Pette-Institut widmet sich seit sechs Jahr- zehnten der Erforschung von Viren, z.B.
HIV, Hepatitis-B- und -C-Viren, sowie von Herpes-, In- fl uenza- und Tumorviren.
Im Mit- telpunkt stehen die Pathogene- se viraler Infektionen sowie die Wechselbeziehungen zwischen Virus und Wirtszellen.
Ähnlich beschaffen ist die Kooperati- on der Qiagen GmbH mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tro- penkrankheiten, Hamburg: Das Biotech-Unternehmen nutzt für die Entwicklung maßgeschnei- derter Infektions-Analytik und -Diagnostik das Know-how der alteingesessenen Forschungs- Akademie für Tropenkrank- heiten, die 2003 das SARS-Coro- na-Virus identifi zierte.
Exzellenz- und Med-Tech-Cluster Über 60 Hersteller von medi- zinischen Geräten und Instru- menten für OP, Diagnose und Therapie haben sich im Netz- werk „Schonende Intervention“ zusammengefunden.
Führend sind Möller-Wedel, das medi- zinische Laser-Zentrum Lübeck sowie die beiden Unikliniken UKE und UK-SH (UK Schleswig- Holstein, zuvor UK Lübeck und UK Kiel).
Hier sind Expertisen der einzelnen Partner in der Chirurgie, den bildgebenden Verfahren sowie für unterstüt- zende Systeme gefordert.
Syner- getisch und interdisziplinär soll die „minimal-invasive Chirur- gie“ vorangebracht werden, um Operationsrisiken zu senken, die Qualität der Eingriffe zu verbes- sern und die Behandlungsdau- er zu verkürzen.
Weiter gibt es das spezielle Projekt FUSION, mit dem eine schonende, indi- viduelle Präzisionschirurgie der Leber vorangebracht werden soll.
FUSION-Partner sind Indus- trie- sowie wissenschaftliche Un- FACHBEITRAG Bild 3: Biologen des „Exzellenzcluster Entzündungsforschung“ entschlüsseln an diesem handlichen Modell die Strukturen von Entzündungserregern im Detail (Foto: EXC).