LABOLABO QUALITÄTS-TIPP Ein Audit lässt die Mitarbeiter in einem GMP-Labor immer etwas nervös werden: Was möchte der Inspektor wissen? Sind wir gut genug vorberei- tet? Selbstverständlich ist man gut vorbereitet und doch kommen manchmal Fragen, mit denen man nicht gerech- net hat: „Haben Sie ein vali- diertes Reinigungsverfahren?“ könnte eine solche Frage sein.
Seit einigen Jahren wird die Forderung von Inspektoren nach validierten Reinigungs- verfahren immer lauter.
Die Reinigungsvalidierung gehört mittlerweile zum aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und ist somit eindeu- tig ein GMP-relevantes The- ma.
Im Produktionsbereich kennt man sie schon etwas länger.
Das Ziel einer jeden Reini- gungsvalidierung ist zu zei- gen, dass das angewandte Reinigungsverfahren zu sau- beren, rückstandsfreien Ge- räten/Anlagen entsprechend der festgelegten Akzeptanz- kriterien führt.
Immerhin kann man eine potenzielle Gefahr für den Patienten bei einem möglichen Substanzübertrag auf die Folgecharge nicht ausschließen.
Im analytischen Labor besteht die Gefahr, dass eine Charge durch falsch po- sitive oder falsch negative Er- gebnisse der Analytik fälsch- licherweise freigegeben wird.
Auch hier ist der Schaden für den Patienten nur schwer ab- zuschätzen.
Im Produktionsbereich kön- nen die Akzeptanzkriterien zum Teil berechnet werden, wie z.B.
das „Dosiskriterium“ (nicht mehr als 1/1000 der therapeutischen Einzeltages- dosis des Vorproduktes als Rückstand in der maximalen therapeutischen Dosis des Fol- geproduktes), das „10-ppm- Kriterium“ (nicht mehr als 10 ppm des Wirkstoffes des Vor- produktes im Folgeprodukt) oder etwa der „MACO“ für Detergenzienrückstände (ma- ximal acceptable carry over).
Ein Kriterium muss immer er- füllt sein: visually clean.
Auch sind drei Probenah- meverfahren bekannt: Die „Swab-Methode“ für gut zu- gängliche Stellen, die „Rin- se-Methode“ für schlecht zugängliche Stellen und die „Placebo-Methode“.
Aber inwieweit kann ich diese Informationen für die Verifi zierung des Reinigungs- erfolges meiner Laborspülma- schine brauchen? Denn auch hier muss ein Reinigungsver- fahren festgelegt werden, das selbstverständlich validiert werden muss.
Offi ziell gibt es keine Kri- terien, die man zwingend erfüllen müsste.
Da der La- bormaßstab mit dem der Produktion kaum vergleich- bar ist, müssen hier Kriterien selbst gewählt und mit dem gesunden Menschenver- stand begründet werden.
So kann man beispielsweise als Akzeptanzkriterium für die Wiederfi ndung einer Verun- reinigung die Prüfanweisung zu Rate ziehen: Wie hoch ist die maximale Konzentration, die eingesetzt wird? Wie viel Rückstand ver- bleibt in einem Glasgerät? Wie viel Rückstand muss die Laborspülmaschine maximal abreinigen? Dasselbe gilt na- türlich für die Detergenzien- rückstände.
Auch die Frage nach der Detektion poten- zieller Rückstände stellt eine gewisse Herausforderung dar.
Wählt man eine selek- tive Analysenmethode, wie z.B.
die HPLC oder eine we- niger selektive, wie z.B.
die Leitfähigkeit oder TOC? Für Detergenzienrückstände, wo die Zusammensetzung des Detergenz nicht bekannt ist, ist eine weniger selektive Analysenmethode sinnvoll, während man bei Wirkstof- fen oder Abbauprodukten, also Substanzen, deren Zu- sammensetzung bekannt sind, ein selektives Verfahren wählen sollte.
Die Analysen- methode muss auf jeden Fall selbst validiert werden.
Hier- bei sollte man darauf achten, dass sie für die jeweilige Pro- blem- bzw.
Aufgabenstellung geeignet ist.
Die HPLC-Me- thode beispielsweise muss über eine ausreichende Emp- fi ndlichkeit verfügen, um die Spuren an Verunreinigungen detektieren zu können.
Am einfachsten fällt bei der Reinigungsvalidierung noch die Auswahl der Leitsubstanz.
Sie stellt die unter worst-case- Betrachtung mit gängiger wässriger Spüllösung am schwierigsten abzureinigende Substanz dar, die das jeweilige Unternehmen verwendet.
Dies können Produktrückstände, wie z.B.
Penicilline oder Aller- gene sein, aber auch Schmier- stoffe oder im mikrobiolo- gischen Bereich Bakterien, Schimmelpilze oder Pyrogene.
Je weniger Reinigungsver- fahren verwendet werden und je eher sich Substanzen zu Substanzgruppen zusam- menfassen lassen, an denen sozusagen exemplarisch die Reinigungsvalidierung durch- geführt wird, desto geringer ist der Validierungsaufwand.
Egal, wie man die Reini- gungsvalidierung plant und durchführt Sie sollte im- mer unter worst-case-Bedin- gungen durchgeführt wer- den.
Mehr zum Thema können Sie im NOVIA-Seminar „Rei- nigungsvalidierung im analy- tischen Labor“ am 25.
Oktober 2010 in Bad Soden erfahren.
Lassen Sie mich zum Schluss den österreichischen Kompo- nisten und Musiktheoretiker Arnold Schönberg (* 13.
Sep- tember 1874 in Wien † 13.
Juli 1951 in Los Angeles) zitie- ren: „Es gibt keine absolute Reinheit in dieser Welt.“ Ihr Kontakt: Michael.Klosky@novia.de www.novia.de Der Qualitäts-Tipp im Juni Spült die Laborspülmaschine richtig? T TIPPPPI ? Von Michael Klosky, B.Sc., NOVIA GmbH ?? 19 ? Probenahmestellen am Beispiel Messpipetten-Injektiorwagen.
LABO Juni 2010 27 Qualitäts-Tipp