LABO September 2009 30 zichteten auf Patentrechte.
Da der bisher übliche rekombinante Hepatitis-B-Impf- stoff zu teuer und seine Herstellung durch Patente geschützt war, nutzten die Wis- senschaftler neu den gentechnisch verän- derten Hefepilz Pichia pastoris, mit dessen Hilfe Partikel der Virushülle in einer Kultur gewonnen werden können.
„Mit einem Liter Hefekultur können nun 300 000 Impfdosen für indische Kinder hergestellt werden“, erläuterte Projektleiterin Ursula Rinas die Bedeutung der Entdeckung.
Der Science Park Göttingen geht eben- falls auf eine Initiative der Stadtväter (GWG = Gesellschaft für Wirtschaftsför- derung und Stadtentwicklung Göttingen mbH) zurück und besitzt inzwischen eine zweite Adresse.
Neben 7000 m2 Labor- und Bürofl ächen verfügen die beiden Stand- orte Science Park I /II und Science Park III über insgesamt 120 000 m2 erschlossene Gewerbefl ächen.
Über 20 hochspezialisier- te Unternehmen der Biotech-Branche ha- ben sich hier niedergelassen.
Mit dem Bau des Instituts für Bioanalytik im Jahr 1993 wurde hier der Bedeutung der Biotechno- logie frühzeitig Rechnung getragen.
Eines der ersten deutschen Biotech-Unterneh- men ist das 1997 in Göttingen vom gegen- wärtigen Max-Planck-Präsidenten Prof.
Peter Gruss, dem Entwicklungsbiologen Prof.
Herbert Jäckle, dem Freiburger Prof.
Wolfgang Driever sowie dem Wirtschafts- experten Dr.
Herbert Stadler gegründete Unternehmen DeveloGen AG.
DeveloGen entwickelte einen neuen, oral verfügbaren Insulin-Sensitizer, der sich gegenwärtig in der praktischen Erprobung befi ndet.
Das Kompetenzzentrum „Measurement Val- ley“ wurde vor zehn Jahren gegründet und reichte am 25.4.2009 seine Bewer- bungsunterlagen ein für den Clusterwett- bewerb des BMBF in Berlin.
Fördermittel von 40 Mio.
Euro sind ausgeschrieben.
Mit Unterstützung des Gasriesen EON AG, Düsseldorf, entsteht gegenwärtig im Gewerbepark der Gemeinde Hevensen in Südniedersachsen eine neue Biogasanlage mit einer Kapazität von jährlich ca.
45 Mio.
KW/h.
Ende 2007 produzierten die rund 650 Biogas-Anlagen Niedersachsens rund 350 MW elektrische Energie.
Der seit 2008 im Bau befi ndliche und voraussichtlich 2012 fertiggestellte neue Tiefwasser-Hafen JadeweserPort in Wil- helmshaven sowie die geplante Küstenau- tobahn A22 mit Weserunterquerung nach Hamburg werden der strukturschwachen Randregion Niedersachsens neue Impul- se bringen.
Ebenso wird Wilhelmshavens neuer Biotechnologie-Park der maritimen Wirtschaft und Technologie neue Impulse verleihen, sagt Dr.
Monica Michaelsen von der Biophere AG, die das Biozentrum ver- waltet.
Rund zwei Dutzend Kooperations- partner aus Wirtschaft und Wissenschaft kann Biophere AG bereits vorweisen, dar- unter das Deutsche Institut für Lebensmit- teltechnik, das Deutsche Zentrum für ma- rine Biodiversitätsforschung (Ableger des Senkenberg-Museums Frankfurt/Main), das Niedersächsische Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft, die Carl-von-Os- sietzky-Universität Oldenburg, das einen Studiengang „Entrepreneurship“ geschaf- fen hat, sowie die Uni Bremen mit ihrem Zentrum für Umweltforschung und nach- haltige Technologien.
Das Biozentrum Wil- helmshaven hält Büro- und Laborräume bereit, hilft bei Initiierung und Manage- ment von Projekten und bietet Workshops sowie start-up-Beratungen an.
Mit neuen Markt-Ansätzen Für Life Science-Unternehmen in Nie- dersachsen zählt die BioRegioN insgesamt 195 Partner auf.
Dazu zählt auch der Bei- trag, den z.B.
die „Akademie Göttingen Private Berufsfachschulen“ leisten kann.
Wesentlich für den Erfolg am Markt sind fortschrittliche Technologien, die Biotech- Unternehmen mit gut ausgebildeten Mit- arbeitern entwickeln können.
Immer mehr kommen auch transnationale Kooperati- onen in Frage, da hier meist marktfertige Produkte oder Know how zur Dispositi- on stehen.
So diversifi zierte das Biotech- Unternehmen AMINO GmbH, Frellstedt b.
Helmstedt, das 1958 mit dem Ziel der Gewinnung von Aminosäuren aus nach- wachsenden Rohstoffen wie Zuckerrüben gegründet wurde, im Jahr 2003 mit dem südafrikanischen Partner SA Bioproducts, Durban.
Jetzt stellt es als bedeutender Aminosäuren-Produzent neue Produkte für konkrete Marktsegmente her: Für die Pharmaindustrie pyrogen-freie Aminosäu- ren, die für Infusionen und Injektionen benötigt werden, weiter Aminosäuren als Intermediates für pharmakologische Wirk- stoffe, als Nahrungsergänzungsmittel, zur Herstellung von Diätetika oder für neue Sporternährungsprodukte.
Die Regierung des Bundeslands Nie- dersachsen hat sich der internationalen Diversifi zierung seiner Biotech-Branche verschrieben.
Gegenwärtig wird die ein- heimische Biotechnologie durch verstärk- te Wirtschaftsbeziehungen mit Indien und dem Programm „Life Science Niedersach- sen goes India“ vorangetrieben.
Das hier involvierte, mit 17 Jahren bereits „alte“ Biotech-Unternehmen IBA GmbH, Göt- tingen, ein Spezialist für synthetische Nu- kleinsäuren und die Aufreinigung rekom- binanter Proteine, sucht Partner, um seine erprobte StarGate-Klone-Technologie an anderen biotechnologischen Produkten anzuwenden.
Doch auch die Kooperation mit einhei- mischen Partnern wird nicht vernachläs- sigt.
So erwarb am 11.5.2009 die an der Frankfurter Börse notierte Analytik Jena AG das 1985 gegründete Göttinger Bio- tech-Unternehmen Biometra GmbH zu 100 %.
Die Portfolios der beiden Unter- nehmen mit PCR-Verfahren und bioana- lytischen Systemen ergänzen sich hevorra- gend.
Am 13.
Mai 2009 verkündeten der Pharma-Hersteller Boehringer Ingelheim und DeveloGen AG, Göttingen, eine ver- tiefte Kooperation im Bereich Diabetes, Fettleibigkeit, Metabolisches Syndrom so- wie weiteren Insulinresistenz-bedingten Krankheiten.
DeveloGen AG erhält eine Sofortzahlung von 7 Mio.
Euro sowie nach Erreichung bestimmter Meilenstei- ne bis zu 237 Mio.
Euro.
Ebenso wird das Göttinger Biotech-Unternehmen von Bo- ehringer Ingelheim Zahlungen für die Ent- wicklung neuer Substanzen und weiteren Forschungszielen im Bereich Diabetes und damit assoziierter Erkrankungen erhalten.
Schließlich erhielt Pharma Hameln, der auf die Herstellung steriler Pharmaka spezi- alisierte pharmazeutische Lohnhersteller in der Rattenfängerstadt für seine neue Sterilfabrik den diesjährigen FOYA-Award (Facility of the Year).
Nach vier deutschen Pharmaunternehmen, die den FOYA- Award 2008 erhielten, wurde erneut ein deutscher Teilnehmer als Sieger nominiert.
Der BioRegioN Niedersachsen braucht vor der Zukunft nicht bange zu sein.
Geräte mit 20 % Jubiläumsrabatt Bild 3: Wenn Wissenschaft in direkte Hilfe für Menschen mündet: HZI-Forscher entwickelten in Braunschweig kürzlich ein Verfahren, mit dem kostengünstig aus 1 Liter Kultur 300 000 Impfseren gegen Hepatitis B hergestellt wer- den können (Foto: HZI).
Bild 4: Mit aussagekräftigen Grafi ken – wie hier vom menschlichen Gehirn – wird For- schung noch verständlicher und plausibler (Foto: fotolia).
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