LABO September 2009 27 Fachbeitrag Auch im Krisen-Jahr 2008 wuchsen die Bi- otech-Firmen in Deutschland weiter, wie die Frühjahrs-Umfrage des BMBF (Bundes- ministerium für Bildung und Forschung) ergab.
Es werden kleinere Zuwachsraten bei Umsatz (plus 9 % auf ca.
2,2 Mrd.
Euro) und Beschäftigten (plus 90 auf 14450) ver- meldet.
Insgesamt lag die Zahl der Be- schäftigten in der Biobranche ( = Firmen mit weiteren Unternehmensbereichen wie Chemie, Pharmazie, etc.) Ende 2008 bei knapp unter 30000 (plus 2 %).
Nur rund 5 % der Biotech-Firmen sind der grünen oder Agro-Biotechnologie zuzurechnen, die in Niedersachsen eine starke Basis mit mehreren Forschungszentren besitzt.
Die Umfrage auf Basis von 270 der insgesamt 501 dezidierten Biotech-Unternehmen ergab weiter, dass 47 % der Firmen mit Forschungsinstitutionen und 24 % mit In- dustrieunternehmen eng kooperieren.
Im Jahr 2008 erhielten insgesamt sechs neue Medikamente von Unternehmen der „ro- ten Biotechnologie“ ihre Erstzulassung.
Aufgrund des Scheiterns seines Krebsme- dikaments Reniale (nicht-metastasierender Nierenzellkrebs) im „Tumorassay,“ d.h.
auf den letzten Metern der Zulassungsphase, musste allerdings das Unternehmen Lipo- Nova AG, Hannover, am 28.7.2008 Insol- venz anmelden.
Den schwerpunktmäßig in der „Grünen Gentechnik“ engagierten Unternehmen dürfte infolge des Verbots von Monsanto 810 durch Bundeslandwirtschaftsministe- rin Ilse Aigner Gegenwind ins Haus stehen.
In der BioRegion Niedersachsen sind nam- hafte Firmen wie die seit 150 Jahren in der Landwirtschaft aktive KWS Saat AG, Ein- beck, oder Planta GmbH, Einbeck, ansässig.
Mit dem von Bundeswissenschaftsministe- rin Anette Schavan angeregten „Runden Tisch“ von Politik und Wissenschaft kön- nen möglicherweise Missverständnisse ausgeräumt werden.
Biopatente auf Tiere, deren Verbot Aigner ebenfalls fordert, scheinen aus ethischer Sicht einen deutlich höheren Stellenwert zu besitzen.
Essen – , das wissen diejenigen, die in ihrem Leben längere Zeit hungern mussten (z.B.
in den ersten Nachkriegsjahren in Deutschland) – kann man vieles, auch ansonsten Unge- nießbares.
Doch ist Gras, selbst naturbelas- sen und nicht gentechnisch verändert, sicher kein geeignetes Nahrungsmittel für Menschen.
Es bleibt demnach zu hin- terfragen, welche politisch-wirtschaftliche Bedeutung der weltweiten Bekämpfung des Hungers durch „Grüne Gentechnik“ allgemein zugestanden wird.
Hochschul-Pools und Kompetenzzentren Weitgehend vernetzt ist Niedersachsen durch die Verwaltungseinheit Life Science Niedersachsen – BioRegioN, die Wirtschaft, Wissenschaft und Politik miteinander ver- bindet.
In dem Bundesland gibt es inzwi- schen 26 Universitäten und Fachhochschu- len, davon 18 im Bereich Life Science.
Die Vernetzung der Forschungsaktivi- täten der einzel- nen Hochschulen ist bereits auf gutem Weg.
Zu den bedeutends- ten außeruniver- sitären Einrich- tungen zählen sechs Max-Planck- Institute (MPIs), davon zwei in Göttingen.
So- wohl das 1947 hier gegründete MPI für biophy- sikalische Chemie als auch das MPI für experimentelle Medizin (Gründungsjahr 1971) befassen sich mit medizinischen Fragestellungen.
Sie gründeten vor über zehn Jahren in Niedersachsen die ersten biomedizinischen Unternehmen als spin- offs.
Nobelpreisträger Erwin Neher war eine der treibenden Kräfte.
Die Forscher der Leibniz-Uni Hannover (LUH), der MHH (Med.
Hochschule Hanno- ver), der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) sowie des Laser Zentrums Hannover (LZH) bündeln ihre Aktivitäten im Projekt-Ver- bund BiomeTi.
Hier sollen zielgerichtet Innovationen der Biomedizintechnik in Produkte, Verfahren und Dienstleistun- gen umgesetzt werden.
Das neue biome- dizinische Forschungszentrum TWINCORE wurde von der MHH und dem HZI (Helm- holtz-Zentrum für Infektionsforschung), Braunschweig, gegründet.
TWINCORE nahm am 24.8.2008 seine Arbeit im Medi- cal Park Hannover auf.
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Derzeit haben sich über 260 Life Science-Unternehmen zwischen Nordsee und Mittelgebirge angesiedelt, davon 170 ausschließlich mit Biotechnologie beschäftigte Firmen.
Richard E.
Schneider*) ? __________ *) Freier Wissenschaftsjournalist, Brunnenstr.
16, 72074 Tübingen.
Bild 1: Die Grafi k zeigt mit Hannover, Göt- tingen, Braunschweig und Bremen/Bremer- haven die regionalen Forschungs-Topoi in Niedersachsen (Grafi k: BioRegioN).
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