LABO Oktober 2009 42 FACHBEITRAG Die ungerichtete und zeitkritische Such- analyse nach vergiftungsrelevanten Wirkstoffen in biologischen Proben ist eine der zentralen Aufgaben in kli- nisch toxikologischen und forensischen Laboratorien.
Neben der Identifi kation von basischen Arznei- und Mißbrauchs- substanzen, spielt die Analyse schwach saurer, neutraler und schwach basischer Substanzen, zu denen z.B.
die Gruppe der Benzodiazepine gehört, eine große Rolle.
Benzodiazepine sind häufi g ver- schriebene Arzneistoffe mit einem wei- ten Anwendungsspektrum [2].
Sie wer- den u.a.
aufgrund ihrer angstlösenden, muskelrelaxierenden, beruhigenden und krampfl ösenden Wirkung einge- setzt [3].
Neben dem medizinischen Einsatz der Benzodiazepine stellt der Missbrauch dieser Substanzen ein be- kanntes Problem dar [4].
Die Benzodia- zepine werden in drei Strukturgruppen unterteilt: die 1,4-Benzodiazepine (z.B.
Clonazepam, Diazepam, Flurazepam, Lorazepam), die Diazolbenzodiazepine (z.B.
Midazolam) und die Triazolben- zodiazepine (z.B.
Alprazolam, Triazo- lam).
Insgesamt existieren mehr als 30 verschiedene benzodiazepin-haltige Arzneimittel, wie z.B.
Diazepam (Vali- um®), Flunitrazepam (Rohypnol®) und Midazolam (Dormicum®).
Die therapeu- tischen Plasmakonzentrationen reichen von 0,005...0,015 mg/l für Flunitraze- pam oder wie beim Chlordiazepoxid von 0,4...4,0 mg/l [5].
Verschiedene Methoden, wie z.B.
GC- MS [6], HPLC [7], LC-MS-MS [8] oder LC- (TOF)-MS [9] zur Bestimmung von Benzo- diazepinen aus Urin sind in der Literatur beschrieben.
Nur wenige Verfahren, wie z.B.
das von Tatsuno et al.
[10], verwen- den eine automatische Festphasenex- traktion zur Probenvorbereitung.
Neben der automatischen Festpha- senextraktion bietet das TOX.I.S.
die Möglichkeit, eine Spektrenbibliothek mit mehr als 3000 Einträgen zu verwen- den [11].
Diese Bibliothek bietet die Möglichkeit, Substanzen und Metabo- lite anhand ihrer Spektren im Vergleich zur Muttersubstanz identifi zieren und mit einer eigenen Methode verifi zieren zu können.
Akute Mischintoxikation mit unterschiedlichen Medikamenten Nachweis mit dem Toxikologischen Identifi zierungssystem TOX.I.S.
Der Nachweis akuter Intoxikationen, eines Medikamentenmissbrauchs oder der Konsum illegaler Drogen im Rah- men des systematischen-toxikologischen Screenings erfordern den Nachweis eines möglichst breiten Spektrums an Substanzen.
Der Arbeitsaufwand bei der Probenaufarbeitung sollte gering sein, was im Wesentlichen durch einen hohen Grad an Automatisierung erreicht werden kann.
Das Institut für Toxikologie des Berliner Betriebes für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben (BBGes) setzt ein TOX.I.S.
(TOXikologisches Identifi zierungsSystem, Fa.
Shimadzu) im Rahmen der systematisch-toxikologischen Analyse von basischen Substanzen in Urin, wie z.B.
Morphin, Methadon etc.
bereits erfolgreich ein [1].
In diesem Artikel wird die Erweiterung des Systems durch eine neuartige Methode zur automatischen Extraktion von schwach sauren, neutralen und schwach basischen Substan- zen, wie z.B.
Benzodiazepinen, aus Urin vorgestellt.
Dr.
Thomas Grobosch*), Anne Katrin Pietrzyk*, **), Dr.
Torsten Binscheck*), Dr.
Lena Schönberg***) ? __________ *) Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben (BBGes), Klinische Toxikologie und Pharmakologie, Oranienburger Str.
285, 13437 Berlin.
**) Technische Universität Berlin, Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin.
***) Apotheke Oranienburger Tor, 10117 Berlin.
Bild 1: Toxikologischen Identifi zierungssys- tem (TOX.I.S.).
Bild 2: Check Mix: 1 = Olanzapin, 2 = 7-Amino- fl unitrazepam, 3 = Bromazepam, 4 = Demoxaze- pam, 5 = Oxazepam, 6 = Nordiazepam, 7 = Te- mazepam (jeweils 1 mg/l), IS = N-Ethyloxazep.
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