
„Chemie-Nobelpreis geht an drei Erb- gutforscher“ – unter dieser Schlagzei- le verbreitete die Nachrichtenagentur Reuters am 7.
Oktober die Meldung über die an diesem Vormittag ernann- ten Nobelpreisträger 2009 für Chemie.
Beim Lesen dieser Überschrift wur- de ich dann doch etwas nachdenklich – Chemie und Erbgutforschung – wie passt das zusammen? Sollte die Agen- tur hier Medizin- und Chemie-Nobel- preis durcheinander gebracht haben, fragte ich mich im ersten Moment.
Beim Weiterlesen zeigte sich dann aber schnell, dass dem nicht so war.
Den- noch verblüffend: Der Preis wird für die Aufklärung von Struktur und Funktion der Ribosomen, den Orten der Protein- synthese in lebenden Zellen, vergeben.
Und der Medizin-Nobelpreis, dessen Laureaten und deren Arbeiten tags zu- vor bekannt gegeben wurden? Auch hier steht ein zellbiologisches Thema im Fokus, nämlich die Rolle der Telo- meren, der Chromosomen-Endstücke, im Zusammenhang mit der Zellalte- rung.
Ich will an dieser Stelle gar nicht auf die Einzelheiten dieser Forschungs- arbeiten eingehen und sie schon gar nicht schlecht reden, liebe Leser.
Die ausgezeichneten Forscher haben mit Sicherheit Groß artiges geleistet.
Wo- rauf ich aber hinaus will, ist Folgendes: Der aktuelle Chemie-Nobelpreis hät- te meiner Meinung nach ebenso gut ein Medizin-Nobelpreis sein können, zumal wenn man bedenkt, dass die Kenntnisse um die Ribosomenstruktur bei der Entwicklung neuer Antibiotika von großem Nutzen sind.
Ich jedenfalls hätte mir einen „chemischeren“ Che- mie-Nobelpreis gewünscht! Medizin, Chemie, Biologie oder was? LABO Oktober 2009 1 EDITORIAL Editorial Jürgen Wagner Hoppenstedt Publishing GmbH Postfach 10 02 27, 64 202 Darmstadt, Havelstraße 9, 64 295 Darmstadt EMail: wagner@hoppenstedt.de Telefon: 0 61 51 / 3 80 3 26 Fax: 0 61 51 / 3 80 9 93 26