
FACHBEITRAG Neben Lorazepam wurden noch weitere Substanzen wie Amitriptylin- oxid, Amitriptylin, Nortriptylin und noch weitere Amitriptylin-Metabolite, sowie Venlafaxin, Norvenlafaxin und andere Venlafaxin-Metabolite, sowie das atypische Neuroleptikum Sulpirid im Urin gefunden.
Einige Metabolite konnten durch Vergleich der Absorpti- onsspektren mit ihrer jeweiligen Mut- tersubstanz identifi ziert werden.
Die Metabolite wurden dann in der metho- denspezifi schen Spektrenbibliothek mit der relativen Retentionszeit und dem Absorptionsspektrum gespeichert.
Als Beispiel sind in den Bild 5 und 6 die UV-Spektren von Lorazepam und Amitriptylin (schwarze Linie) mit den Vergleichsspektren aus der Bibliothek (rote Linie) dargestellt.
Amitriptylinoxid und Amitriptylin sind trizyklische Antidepressiva (TZA) und gehören in die Gruppe der dämp- fenden und angstlösenden Antidepres- siva.
TZA weisen eine erhebliche akute Toxizität auf – u.a.
aufgrund ihrer anti- cholinergen Wirkung.
Eine Vergiftung äußert sich u.a.
durch Beeinträchti- gung des zentralen Nervensystems (Verwirrung, Erregungszustände, Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Atemdepressionen bis Atemstillstand), sowie Herz-Kreislauf- Symptome (Blutdruckabfall, Herzrhyth- musstörungen).
Venlafaxin ist ein Arzneistoff, der in der Behandlung von Depressionen und Angstzuständen verwendet wird.
Chemisch gesehen handelt es sich um ein Phenylethylamin-Derivat, das als Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnah- mehemmer (SNRI) seine Wirkung im Zentralnervensystem entfaltet.
Symp- tome einer Intoxikation äußern sich durch einen beschleunigten Pulsschlag, Änderungen des Bewusstseinsgrades, Krämpfe und Erbrechen, aber auch Blutdruckabfall und Schwindel.
Sulpirid ist ein Benzamidderivat und gehört zu den sogenannten aty- pischen Antidepressiva.
Es besitzt neu- roleptische sowie antidepressive Eigen- schaften.
Bei der Beurteilung der Schwere und des Risikos einer Intoxikation sollte das Vorliegen einer Mehrfachintoxikation durch Einnahme mehrerer Arzneimittel bedacht werden.
Lorazepam, in Kom- bination mit Amitriptylin, Venlafaxin und Sulpirid eingenommen, führt zu einer merklichen Erhöhung der Toxizi- tät der Einzelsubstanzen [13].
Somit ist für die klinisch-toxikologische Beurtei- lung des vorliegenden Vergiftungsfalls das unspezifi sche immunologische Er- gebnis „Benzodiazepine-positiv“ allein nicht ausreichend.
Zusammenfassung Eine Frau wurde leblos und stark un- terkühlt vorgefunden.
Das immunolo- gische Screening der Urinprobe ergab einen positiven Befund auf Benzodia- zepine.
Die chromatographische Bestä- tigungsanalyse mittels TOX.I.S.
ergab den Nachweis von Lorazepam, ein Ben- zodiazepin und weiteren, toxikologisch relevanten Substanzen (Amitriptylin, Venlafaxin und Sulpirid).
Zur Substanz- identifi zierung wurde eine allgemeine Spektrenbibliothek mit über 3000 Ein- trägen sowie eine eigene, methoden- spezifi sche Bibliothek mit derzeit mehr als 300 Einträgen (Substanzname, RT, RRT und Substanzspektrum) verwen- det.
Anhand dieses authentischen Ver- giftungsfalls konnte die neue Me- thode zur Bestimmung von schwach basischen, sauren und neutralen Arz- neimitteln und Fremdstoffen aus Urin erfolgreich angewendet werden.
Die neue Methode lässt sich zusätzlich zur basischen Analyse einsetzen.
Die Um- schaltung zwischen den beiden Metho- den ist voll automatisiert, so dass Pro- ben nacheinander, z.B.
über Nacht, mit beiden Methoden untersucht werden können.
Das TOX.I.S.
ist somit ein pra- xiserprobtes System, welches für den routinemäßigen Einsatz im klinisch-to- xikologischen Labor geeignet ist.
180 980 930 880 830 780 730 680 630 580 530 480 430 380 330 280 230 0,15 0,12 0,09 0,06 0,03 Wellenlänge des Lichts [nm] Spektrale Leistungsverteilung im Fokus der Lampe durch eine Blende von 5 mm [W/mm] 0 Bild 4: Fall #0927151 (hydrolisiert) Kreatinin (Jaffé-Reaktion): 0,35 mg/ml 1 = Sulpirid, 2 = Venlafaxin-Metabolit, 3 = Amitriptylin-Meta- bolit, 4 = Amitriptylin-Metabolit, 5 = Venlafa- xin, 6 = Amitriptylin-Metabolite, 7 = Nortripty- lin, 8 = Amitriptylin, 9 = Amitriptylin-N-oxid, 10 = Lorazepam, IS = N-Ethyloxazepam.
Bild 5: UV-Spektren von Amitriptylin (Similari- tät = 0,999919).
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