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10 Fragen an Alexandros Giannikos, AnalytiCON Instruments GmbH


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Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?


In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen bieten sich neben den Risiken auch interessante Chancen. Diese muss man erkennen und nutzen. Solche Herausforderungen sehe ich durchaus positiv und sie spornen mich an. Wir werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen, denn wir haben eine außergewöhnliche Firmenstruktur. Deshalb bringen unsere Mitarbeiter überdurchschnittliche Leistungen und sind äußerst motiviert. Die einzelnen Unternehmensbereiche arbeiten eigenständig und selbstverwaltend miteinander. Dadurch können wir sehr schnell und flexibel auf Kundenwünsche und Veränderungen reagieren. Es existiert quasi nur eine Ebene und, wie bei einer gut belegten Pizza, liegt alles nebeneinander oder überlappt leicht – durch den Käse miteinander verbunden. Jeder führt seinen Arbeitsplatz wie sein eigenes Unternehmen. Dieses etwas undeutsche Konzept erfordert allerdings auch außergewöhnlich gute, hoch qualifizierte, loyale und eigenständige Mitarbeiter. Auf diese Menschen sind wir sehr stolz, und der Erfolg hat sich dann auch ganz von selbst eingestellt. Mir gefällt die Vielfalt, denn manchmal bin ich der Pizzaboden und manchmal der Käse. Normalerweise bin ich aber auch selbst nur ein Teil des Belags, denn ich verbringe die meiste Zeit mit Beratung vor Ort bei unseren Kunden. Diese besondere Unternehmensstruktur ermöglicht mir eine Arbeitsweise, die einfach Spaß macht und unsere Kunden spüren diese Hingabe.

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Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?


AnalytiCON Instruments war schon immer führend im Aufspüren neuer Anwendungen für unsere Produkte. Auch das ist ein Vorteil unserer Pizzamatrix. So hat unser Applikationslabor schon wenige Tage nach dem Skandal mit giftigem Kinderspielzeug aus China einen neuen Analysemodus für unseren tragbaren Handanalysator entwickelt. Statt blind einzelne Spielzeuge auszuwählen und im Labor zu analysieren kann man nun mit unserem Toy Checker

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durch ein sekundenschnelles Screening direkt vor Ort auffällige Spielzeuge erkennen und aus dem Verkehr ziehen. Auch jetzt arbeiten wir eng mit der Industrie und unseren Lieferanten an Anwendungen, die uns neue Märkte erschließen sollen. Wir wollen aber auch mit neuen Produkten weiterwachsen, wenn diese zu den Bedürfnissen unserer Kunden passen. So werden wir etwa verstärkt prozessintegrierte, automatisierte und kundenspezifische Eigenentwicklungen anbieten. Ein weiterer Focus ist der Ausbau unserer internationalen Aktivitäten. Speziell unsere tragbaren NITON-Handanalysatoren haben schon viele internationale Innovationspreise gewonnen. Mit neuen Technologien und Patenten sichern wir uns den notwendigen Vorsprung, um auch in Zukunft Marktführer zu bleiben.


Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?


Unsere Produkte sind Investitionsgüter, die von Sparmaßnahmen unmittelbar betroffen sind, obwohl der Bedarf in den Betrieben unverändert groß ist. Wir haben deshalb neue Finanzierungskonzepte entwickelt, die es unseren Kunden ermöglichen sollen, auch ohne ein Budget nicht auf die notwendigen Analysen verzichten zu müssen. Mit intelligenten Finanzierungen, die sich an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren, überbrücken wir den temporären Ausfall der Banken, die als Schmiermittel der Wirtschaft zuletzt versagt haben.



Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?


Meine größte Stärke ist vielleicht auch meine größte Schwäche. Viele Entscheidungen treffe ich aus dem Bauch heraus. Natürlich prüfe ich dabei zuvor gründlich alle verfügbaren Daten und verlasse mich auch gerne auf die Meinung meiner Mitarbeiter, doch im Zweifel treffe ich die Entscheidungen nach dem Grundsatz Emotion vor Ratio. Ich bin kein Freund von rein wirtschaftlichen Überlegungen und gehe auch gerne Risiken ein, wenn ich an den Erfolg glaube.



Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?


Deutschland hat viele starke und gesunde Unternehmen. Die hausgemachte Bankenkrise war für Insider wohl vorhersehbar, traf die meisten Unternehmen aber völlig unvorbereitet. Ein Anlagenbauer leidet heute weniger an der Folge einer schlechten Produktausrichtung, sondern vielmehr an den fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten. Da dies auch auf seine Kunden zutrifft, bleiben letztlich auch bei dem Anlagenbauer die Aufträge aus. Durch die große Exportabhängigkeit sollte man aber bei allen Ansätzen zur Lösung der Krise eine globale Ausrichtung im Blick haben. Vielleicht sollten die Banken und wir Unternehmer sich ein Beispiel an den Verbrauchern nehmen. Die Verbraucher haben nämlich trotz unerträglichem Dauerpessimismus in Medien, Politik und Wirtschaft ihr Kaufverhalten praktisch gar nicht verändert. Das hat mich schon überrascht und beeindruckt.



Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?


2009 wird ein schwieriges Jahr. Vermutlich haben wir die Talsohle noch nicht erreicht und die Gegenmaßnahmen müssen erst noch ihre Wirkung entfalten. Zuerst hat es die Zeitarbeiter getroffen, Zeitverträge wurden nicht verlängert, Überstunden abgebaut. Diese Möglichkeiten sind nun erschöpft und jetzt droht ein deutlicher Anstieg bei der Arbeitslosigkeit. Mein Eindruck ist, dass die meisten deutschen Unternehmen versuchen, die Stammbelegschaft zu halten, solange es geht. Dafür spricht der rasante Anstieg bei den Anträgen auf Kurzarbeit. Aber ich bleibe optimistisch und glaube, die Erholung wird kommen, wenn auch langsamer, als wir alle es wünschen. Am Ende werden diejenigen verstärkt profitieren, die heute die richtigen Weichen stellen und gezielt investieren. Wer jetzt nur ans Sparen denkt, muss morgen vielleicht schon die Lichter ausmachen.



Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?


Für das größte Risiko halte ich, dass sich der lähmende Schleier in den Köpfen festsetzt und die Krise verstärkt. Eine Marktbereinigung ist an sich nichts Schlechtes, doch die Gefahr, dass auch gesunde Unternehmen dadurch in den Abwärtssog geraten, darf nicht außer Acht gelassen werden.



Aus welchen Technologiebereichen kommen die größten Wachstumsimpulse für die Wirtschaft?


AnalytiCON Instruments bewegt sich mit seinen erstklassigen Produkten in Nischenmärkten. Deshalb sind allgemeine Technologiebereiche für unser Wachstum nicht unbedingt ausschlaggebend. Stark wachsende Märkte bieten für uns nicht zwangsläufig neue Chancen. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir auch in schrumpfenden Märkten überdurchschnittlich stark zulegen können, weil dort der Druck auf die Unternehmen, effizienter zu arbeiten, größer geworden ist. Entscheidend ist, dass wir in der Lage sind, unseren Kunden einen klaren Vorteil zu bieten, indem wir für ein Problem die beste Lösung zu einem fairen Preis liefern. Gerade haben wir zum Beispiel für unseren neuen GOLDD-Air-Analysator aus der XL3-Serie einen Detektor herausgebracht, der dreimal niedrigere Nachweisgrenzen und kürzere Messzeiten ermöglicht. Elemente mit niedrigen Ordnungszahlen wie Mg, Al, Si, P, S und Cl lassen sich jetzt auch direkt messen, ohne den Einsatz von Helium oder eines Vakuums. Damit sind viele neue Anwendungen möglich, die zuvor nur im Labor oder mit aufwändigeren Messmethoden realisierbar waren. Unser GOLDD Air misst zum Beispiel Schwefel in Edelstahl oder Magnesium und Silicium in Aluminium-Legierungen mit unschlagbarer Genauigkeit. Die Bestimmung von Schwefel und Aschegehalt in Kohle ist damit genau so möglich wie die Alters- und Herkunftsbestimmung in der Archäometrie.



Wo liegen die Märkte der Zukunft?


Bei dieser Frage muss ich ausweichen, denn sie betrifft wichtige strategische Interessen unserer Firma. Durch die Arbeit in unserem Applikationslabor investieren wir sehr viel in die Entwicklung neuer Anwendungen und den Aufbau neuer Märkte und Produkte. Diesen Know-how-Vorsprung nutzen wir dann, um den Markt mit Lösungen zu bedienen, lange bevor Wettbewerber als Trittbrettfahrer nachziehen können.


Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?
Vertrauen in die eigenen Stärken. Nicht mutlos werden und keinesfalls vor den Aufgaben, die wir jetzt zu bewältigen haben, resignieren.

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