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9 Fragen an Helmut Becker, SCHOTT Instruments GmbH

Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?
SCHOTT Instruments hat sich durch jahrzehntelange erfolgreiche Erforschung und Produktion von Messsystemen einen sehr guten Ruf bei den Anwendern erworben. Wir sind dadurch überall als kompetenter, innovativer und zuverlässiger Gesprächspartner anerkannt und werden sehr gerne zur Lösung applikativer Fragestellungen einbezogen. Dabei ist es besonders hilfreich, dass wir in allen unseren Produktbereichen, d.h. der pH-Messung, Titration, Viskosimetrie und Spektralphotometrie, Systeme und somit komplette Lösungen anbieten. Durch die Vielfältigkeit unseres Produktprogramms sind wir in den unterschiedlichsten Branchen zu Hause. pH-Werte zum Beispiel werden überall gemessen, sei es in Forschung, Entwicklung oder Qualitätskontrolle, in Firmen, Universitäten und Instituten. Durch den Einblick, den wir dabei in die Tätigkeiten und Fragen unserer Kunden bekommen, können wir immer wieder neue Einsatzgebiete erschließen und unsere Messverfahren weiter verbessern. Dieses individuelle Eingehen auf die unterschiedlichsten Kundenbedürfnisse und Aufgaben macht für mich den Reiz meiner Tätigkeit aus.

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Zum anderen sind die Ansprüche an die Genauigkeit, Nachvollziehbarkeit und Dokumentation der Messwerte zum Beispiel immer höher geworden. Auch wenn die pH-Elektrode mittlerweile über 70 Jahre alt ist, gibt es nach wie vor kein anderes Analysensystem, das einen derart großen Konzentrationsbereich von 14 Dekaden abdecken kann. Dabei ist die eigentliche Messung auf den ersten Blick nicht aufwendiger als die Bestimmung der Temperatur. Meine Arbeit bleibt also auch vom Fachlichen her auf jeden Fall spannend.

Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?
Unser oberstes Ziel ist es, bestmögliche Lösungen für die Aufgabenstellungen unserer Kunden zu finden und zu beherrschen, d.h. permanent an der applikativen Unterstützung unserer Geräte und an der Weiterentwicklung unseres Know-hows zu arbeiten. Das geht nur, wenn wir unseren bisherigen Weg konsequent weiter fortsetzen, d.h. in Deutschland Spitzenprodukte zu entwickeln und herzustellen und diese weltweit zu vertreiben. Ein Konkurrieren mit regionalen Low-Cost-Anbietern, z.B. in Asien, wäre vom Gesichtspunkt der Stückzahlen her sehr verlockend, würde aber zwangsläufig zum Verlust der Praxisnähe führen, die unsere Kunden an uns besonders schätzen.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?
In der Schnelllebigkeit des heutigen Geschäftes ist es sicher eine ganz besondere Herausforderung, seine Ziele immer im Auge zu behalten, sich auf seine Stärken zu konzentrieren, diese auch nach außen zu tragen und immer das Ohr am Markt zu haben. Der Kontakt und Austausch mit unseren Kunden war schon immer sehr wichtig für uns, und wir sind uns sicher, dass dies in Zukunft noch sehr viel stärker über den Erfolg entscheiden wird. Denn nur, wer die Bedürfnisse seiner Kunden im Voraus kennt und durch seine Produkte Antworten auf deren brennende Fragen geben kann, wird zukünftig erfolgreich sein.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?
Mit dem Studium der Chemie, meiner Weiterbildung zum Marketingreferenten sowie zum Projektmanager verfüge ich sowohl über den technischen als auch über den betriebswirtschaftlichen Hintergrund. In meiner jetzigen Tätigkeit hilft mir aber ganz besonders meine Erfahrung im Vertrieb. Dazu gehört z.B. das Wissen, dass gerade Verlässlichkeit das Fundament für eine langfristige Geschäftsbeziehung ist. Deshalb ist mir auch der tägliche Kontakt mit unseren Kunden sehr wichtig. Denn nur so können wir die Wünsche unserer Kunden noch besser aufnehmen und somit die Impulse für weitere Entwicklungen erhalten.

Manchmal geht es mir dabei nicht schnell genug, was aber auch hilft, Dinge voranzutreiben.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland und wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?
Ich finde es immer wieder überraschend, wie sehr Analysten überrascht werden können. Der gerade ermittelte ifo-Geschäftsklima-Index ist „überraschend“ zum dritten Mal in Folge gestiegen. Sicher werden der starke Euro, die teuren Rohstoffe oder die Probleme der Finanzwirtschaft nicht ganz unbemerkt an uns vorbeigehen, aber es gibt nach wie vor sehr positive Signale. Ich sehe daher nur eine leichte Abschwächung des Wachstums, aber auf gar keinen Fall eine „Stagflation“ oder „Krise“, von der an mancher Stelle die Rede ist.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?
Seitdem es die pH-Messung oder Titration gibt, prophezeit man, dass sie bald durch viel modernere Technologien abgelöst werden. Fakt ist aber, dass diese Verfahren nach wie vor aktuell und aus keinem Labor wegzudenken sind. Die Gefahr ist viel eher, dass der Markt für diese Produkte nicht richtig eingeschätzt wird. Die Hersteller, die die Bedürfnisse der Kunden so schnell wie möglich in entsprechende Produkte umsetzen, werden auch weiterhin ihr Auskommen haben.
Aus welchen Technologiebereichen kommen die größten Wachstumsimpulse für die Wirtschaft?
Wir sind in den Wachstumsmärkten der Chemie, vor allem aber auch der Pharmazie, der Bio- und Lebensmitteltechnologie, schon seit jeher zu Hause. Diese Märkte wachsen aufgrund der weltweiten Verbesserung der Lebensbedingungen und – gerade die Pharmazie – aufgrund der Alterung der Gesellschaft. Die Pharmazie trägt nicht nur durch steigende Produktionszahlen zu unserem Wachstum bei, sondern sie ist gleichzeitig durch steigende Ansprüche, etwa im Bereich der Qualitätskontrolle, immer wieder Auslöser für weitere Entwicklungen. So ist zum Beispiel unsere neue Elektrodenserie IoLine mit der Iod/Iodid-Referenz die Antwort auf die Frage nach einem 100- %ig metallfreien System zur pH-Messung in Trispuffern.

Wo liegen die Märkte der Zukunft?
Geographisch betrachtet sicherlich in Asien und Osteuropa, da hier mit den Firmenverlagerungen auch höherer Wohlstand erzielt und somit die Kaufkraft der Bevölkerung gesteigert wird. Letztendlich führt der permanente Kostendruck bei der Produktion in allen Regionen und Branchen zu immer höheren Ansprüchen an die Kontrolle der Produktionsprozesse. Was in der Pharmazie schon seit langem üblich ist, wird auch in der Lebensmitteltechnologie bald Standard sein. Diese steigenden Qualitätsanforderungen werden weiteres Wachstum bewirken.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?
Wir erfragen das Feedback unserer Kunden aktiv durch die täglichen Kontakte mit unseren Mitarbeiter/innen in Vertrieb, Applikationsberatung, Service und Produktmanagement. Wir bieten zum Beispiel eine Menge Hintergrundwissen zu unseren Produkten und deren Applikationen auf unserer Homepage. Schauen Sie doch bitte einfach mal rein. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich auch sehr über jedes Feedback unserer Kunden.

Beim Kontakt mit unseren Kunden gewinnen wir meist auch einen Eindruck von deren Firmen. Dabei stellen wir sehr oft fest, dass die »Innenansicht« in den Firmen selbst schlechter ist als die »Außenansicht«. Besonders in Deutschland haben wir geradezu eine Perfektion im Ausblenden der positiven Signale erreicht. Zwar gibt es in manchen Bereichen für die Zukunft und die Sicherung unseres Wohlstandes noch viel zu tun, wie etwa im Ausbildungsbereich oder bei den Arbeitslosenzahlen.

Doch die Entwicklung in den letzten drei Jahren hat gezeigt, dass sich die Situation verbessern lässt. Reden wir daher nicht genau diese Gegenwart schlecht, auf die wir in ein paar Jahren mit Nostalgie zurückblicken werden! Wie sagte doch Ernest Hemingway: „Das Merkwürdigste an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute alte Zeit nennen wird“.

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