EditorialEvolutionär und Multitalent

Vor ziemlich genau 200 Jahren – liebe LABO-Leser –, nämlich am 12. Februar 1809, wurde Charles Robert Darwin als fünftes von sechs Kindern in Shrewsbury bei Birmingham geboren, einer der vielleicht bedeutendsten, bestimmt aber berühmtesten Naturwissenschaftler. Schon in seiner Schulzeit sammelte er Muscheln und Mineralien und führte mit seinem älteren Bruder Erasmus chemische Experimente durch. Wie Erasmus sollte auch Charles in die Fußstapfen seines Vaters treten und Arzt werden.

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Editorial: Evolutionär und Multitalent

Und so begann er 1825 an der Universität in Edinburgh mit dem Medizinstudium, wo auch sein älterer Bruder schon studierte. Doch irgendwie lag ihm das Fach nicht, nur die Chemie- und Biologievorlesungen, die er besuchte, interessierten ihn. Auf Anraten seines Vaters brach er das Studium ab und beherzigte 1828 dessen Vorschlag, in Cambridge Theologie zu studieren. Aber auch das begeisterte ihn nicht wirklich. Doch er zog es durch und bekam 1831 seinen ersten akademischen Grad (Baccalaureus Artium).

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Wie es der Zufall wollte, war zu dieser Zeit auch sein Großcousin William Darwin Fox in Cambridge, durch den Darwin zu einem begeisterten Insektensammler wurde und über ihn regelmäßig zu Studentenabenden im Haus von John Stevens Henslow eingeladen wurde. Darwin besuchte und schätzte die Vorlesungen dieses Botanikprofessors, mit dem er übrigens zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. Dieser riet ihm, sich mit Geologie zu beschäftigen, was Darwin dann ab 1831 tat. Nebenher lernte er Spanisch, da er – angeregt durch Alexander von Humboldts Reiseberichte – selbst vom Reisefieber erfasst wurde.
Henslow war es auch, der dem Kapitän Robert FitzRoy der HMS Beagle Darwin als naturwissenschaftlichen Begleiter empfahl und mit dem er dann Ende 1831 zu einer fünfjährigen Expedition rund um den Globus aufbrach (alle Stationen hier aufzulisten, würde mein Editorial sprengen). 1836 jedenfalls kam Darwin mit einer Unmenge an gesammelten Tieren, Pflanzen und Aufzeichnungen zurück, wo er sich nach einer Zwischenstation in Cambridge schließlich in London einquartierte. Dort hatte sich sein Name durch seinen Freund Henslow schon vor seiner Rückkehr in wissenschaftlichen Kreisen herumgesprochen. Zu dieser Zeit macht sich Darwin – inspiriert durch Finken, die er auf den verschiedenen Galapagos-Inseln entdeckte (die inzwischen berühmten Darwin-Finken) – auch erstmals Gedanken über den Artenwandel. So findet sich schon 1837 in einem seiner Notizbücher seine Idee vom Stammbaum des Lebens, deren ausgearbeitete Endfassung aber erst 1858/59 veröffentlicht wurde.

1839 hatte Darwin seine betuchte Cousine Emma Wedgwood geheiratet, wurde Privatier und Vater zweier Töchter (die Jüngere verstarb schon wenige Wochen nach ihrer Geburt) und zog 1842 nach Down, eine kleine Ortschaft südlich von London, wo ihm seine Frau sechs weitere Kinder schenkte. Dort wollte er auch eine Krankheit auskurieren, die er sich auf seiner Beagle-Reise wohl zuzog und die bis heute unbekannt blieb. Das hinderte ihn aber nicht daran, weitere wissenschaftliche Bücher zu schreiben.

Ein alter Freund aus Londoner Tagen, Charles Lyell, mit dem Darwin viel korrespondierte und der dessen „evolutionären“ Überlegungen kannte, warnte und drängte ihn 1856, doch endlich seine Thesen zu veröffentlichen, worauf Darwin begann, an seinem Buch „Natural Selection“ zu arbeiten. Denn wie Lyell ihm schrieb: Ein anderer Wissenschaftler, Alfred Russel Wallace, hatte ähnliche Überlegungen in einem Aufsatz vorgestellt und drohte, Darwin zuvorzukommen. Das Rennen endete schließlich Gentleman like unentschieden: Beide – Darwin und Wallace – konnten 1858 gemeinsam ihre ähnlichen Theorien in einer Sitzung der Linnean Society präsentieren.

Die Vorlesung und die spätere Veröffentlichung stießen übrigens auf wenig Interesse, doch das sollte sich noch ändern. Denn da Darwin mit seinem Buch „Natural Selection“ einfach nicht zu Potte kam, entschloss er sich, eine Zusammenfassung zu schreiben. Publiziert wurde das Werk 1859 unter dem Titel „On the Origin of Species“ – also „Die Entstehung der Arten“.

Welche geistige Revolution seine Evolutionstheorie danach auslöste, ist – denke ich – bekannt. Auch dass sie inzwischen mehr als hinlänglich bewiesen ist, denn wir alle haben im Biologieunterricht natür- und hoffentlich gut aufgepasst. Doch selbst heute, in unserer aufgeklärten Gesellschaft, gibt es immer noch Leute, die es einfach nicht glauben können oder wollen, dass wir Menschen nicht die Krone der Schöpfung, sondern nur ein vergänglicher Teil davon sind.

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