Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Nagellack mit Edelmetall-Nanopartikeln

GoldfingerNagellack mit Edelmetall-Nanopartikeln

Bienenwachs, Eiweiß, Gelatine und Farben aus Gemüse – 3000 v. Chr. waren das die bewährten Zutaten für Nagellack in China. Heutzutage darf die Zusammensetzung etwas raffinierter sein.

Nagellack mit Edelmetall-Nanopartikeln

Wissenschaftler des Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben Nagellack mit Gold-Nanopartikeln versehen. Das hat optische Qualitäten, verspricht jedoch auch neue Möglichkeiten in der Medizintechnik. Was der Lack übrigens nicht ist – golden.

Der teuerste Nagellack der Welt ist schwarz, enthält feinste schwarze Diamanten und kostet 205000 Euro. Günstiger sind Trendfarben namens „Moon Rock (Mondgestein)“ oder „Sold Out Forever (Für immer ausverkauft)“. Hinter den wohlklingenden Produktnamen verbergen sich in der Regel Titandioxid für die Deckkraft sowie färbende Pigmente. Doch transparenten Nagellack mit echten Edelmetallpartikeln, das hatten Dr. Marcus Lau und Friedrich Waag, Chemiker am Lehrstuhl von Prof. Dr.-Ing. Stephan Barcikowski, bisher noch nie gesehen.

Anzeige

Im Labor platzierten sie also ein Goldplättchen in einem Becherglas und bedeckten es mit transparentem Nagellack aus dem Drogeriemarkt. Anschließend kam ein Hochleistungslaser zum Einsatz: Dieser läuft gleichmäßig über das Edelmetall in der Flüssigkeit und sprengt in ultrakurzen Pulsen winzigste Partikel heraus. Diese Nanopartikel verteilen sich gleichmäßig und ohne weitere chemische Zusätze im Lack.

Weitere Beiträge zuNanopartikel

Auch das Auftragen funktioniert: „Es trocknet nur etwas langsamer“, so Lau. Wer danach metallisch goldschimmernde Nägel erwartet, wird allerdings enttäuscht: „Nanogold ist rot bis violett. Das liegt an veränderten optischen Eigenschaften von Partikeln, die kleiner sind als die Wellenlängen von sichtbarem Licht.“

Das gleiche Herstellungsprinzip funktioniert auch mit anderen Metallen, z. B. Silber oder Platin. Weitere Experimente haben zudem ergeben, dass Silberpartikel im Lack entsprechende Ionen freisetzen, die keimtötend wirken können und so möglicherweise für die Behandlung von Nagelinfektionen geeignet sind. Das Fachmagazin „Industrial & Engineering Chemistry Research“ berichtet darüber in seiner aktuellen Ausgabe.

Generell sind hochreine Nanopartikel ideal für Beschichtungen – besonders in der Medizin: Ihr Äußeres ist frei von Ablagerungen und Verunreinigungen. Aufgrund ihrer großen Oberfläche können sie zum Beispiel auf Implantaten über einen längeren Zeitraum hinweg medizinisch aktive Ionen freisetzen. Die möglichen Anwendungen sind daher breit gestreut: Vom Goldfinger bis zur Goldhüfte.

Originalpublikation:
M. Lau, F. Waag, and S. Barcikowski: „Direct Integration of Laser-Generated Nanoparticles into Transparent Nail Polish: The Plasmonic ‚Goldfinger’“. Ind. Eng. Chem. Res., 2017, 56 (12), pp 3291–3296. DOI: 10.1021/acs.iecr.7b00039.

Weitere Informationen:
Dr. Marcus Lau
Fakultät für Chemie
E-Mail: marcus.lau@uni-due.de

Anzeige

Weitere Beiträge zum Thema

Lipidbeschichtete, hydrophobe Gold-Nanopartikel durchqueren eine Doppellage, die als künstliche Zellmembran angesehen werden kann. (Grafik: Vladimir Baulin)

Nanopartikel-ForschungWie Nano-Goldpartikel durch Zellmembranen wandern

Nanopartikel sind in vielen Produkten unseres Alltags enthalten. Kosmetika, Nahrungsmittel, Kleidung, Elektronikartikel, Arzneimittel: Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Die OECD berichtete jüngst, dass Nanopartikel in mehr als 1300 kommerziellen Produkten enthalten sind, deren potenziell toxische Wirkung für Menschen, Tiere und Umwelt ausgeblendet wird.

…mehr
Bakterien

Bekämpfung von KrankenhausinfektionenMit Nanorauheit gegen Bakterien

Jedes Jahr erkranken in Deutschland bis zu 600000 Menschen an Krankenhausinfektionen, die durch den Aufenthalt in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen auftreten. Davon verlaufen 40000 tödlich.

…mehr
Implantierter Infektionsschutz: Knochenimplantate halten Keime auf Distanz

Implantierter InfektionsschutzKnochenimplantate halten Keime auf Distanz

Klinikkeime können tödlich sein, da sie resistent sind gegen Antibiotika. Alternative Methoden zur Bakterienabwehr sind gefragt. Einem deutsch-französischen Forscherteam ist es gelungen, Knochenimplantate zu entwickeln, die Keime auf Distanz halten.

…mehr
Nanopartikel in versprühten Flüssigkeiten

RisikoforschungWas passiert mit den Nanopartikeln?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) koordiniert ein internationales Forschungsprojekt zur Untersuchung luftgetragener Partikelgemische sowie ihrer möglichen Effekte auf die Gesundheit. 

…mehr
Risikobewertung von Nanomaterialien: Mikrochip-Plattform zur Vorhersage des Verhaltens im Körper

Risikobewertung von NanomaterialienMikrochip-Plattform zur Vorhersage des Verhaltens im Körper

Im April 2016 startete das internationale Forschungsprojekt „Hisents“, in dem elf Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft neue innovative Methoden entwickeln, um das Verhalten von Nanopartikeln im Körper detailliert zu erfassen.

…mehr

Mediadaten 2017

LABO Marktübersichten

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige
Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter