Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Stuttgart NanoDays beim Max-Planck-Institut in Stuttgart-Büsnau

NanoforschungDeutschland im Dornröschenschlaf

Von 0 auf 100 und wieder zurück - so lässt sich der Hype um die Nanotechnologie in Deutschland beschreiben. Während die neuen Materialien in asiatischen Ländern nach wie vor intensiv beforscht werden, lässt die Nano-Euphorie in Deutschland nach. Grund dafür sind fehlende Skalierungsverfahren, um den nanoskopischen Maßstab in die reale Welt zu überführen.

Ivica Kolaric, Abteilungsleiter „Funktionale Materialien“ beim Fraunhofer IPA: Stuttgart NanoDays 2014

Mit dem Ziel, die deutsche Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben, hat das Fraunhofer IPA 2006 die Fachtagung "Stuttgart NanoDays" ins Leben gerufen. Dieses Jahr hat sich das internationale Teilnehmerfeld vom 17. bis 19. September beim Max-Planck-Institut in Stuttgart-Büsnau getroffen.

Nanokohlenstoffe verfügen aufgrund ihrer elektrochemischen Effekte über außergewöhnliche Materialeigenschaften. Hierzu zählt unter anderem eine verlustfreie elektrische Leitfähigkeit, eine extrem hohe Festigkeit sowie chemische und thermische Beständigkeit. Jedoch sind diese Potenziale bisher nur auf nanoskopischer Ebene nutzbar.

Ivica Kolaric, Abteilungsleiter "Funktionale Materialien" beim Fraunhofer IPA, sieht deshalb dringenden Forschungsbedarf auf diesem Gebiet. "Das Verhältnis eines Nanometers zu einem Meter entspricht dem eines Tennisballs zur Erde. Um von den Werkstoffen zu profitieren, müssen wir sie erst in industriell verwertbare Größen transformieren", erklärt er.

Anzeige

Enger Austausch mit internationaler Forschung, Politik und Industrie

Während im asiatischen Raum kontinuierlich an Skalierungsmethoden gearbeitet wird, lässt die deutsche Forschung auf diesem Gebiet stark nach. "Wir fallen zunehmend in einen Dornröschenschlaf. Praxisnahe Ergebnisse erhalten wir aber nur, wenn wir am Ball bleiben", meint Kolaric.

Um in dem potenzialreichen Forschungsfeld weiterzukommen, hat die Abteilung "Funktionale Materialien" 2006 die "Stuttgart NanoDays" ins Leben gerufen. Ziel war es, einen pragmatischen Austausch von Forschung, Politik und Industrie zu ermöglichen. Internationale Koryphäen aus der Grundlagen- und der angewandten Forschung stellen alljährlich ihre neusten Forschungsergebnisse vor. "Neben dem Wissenstransfer geht es uns aber darum, zu beleuchten, welche Anwendungsfelder sich lohnen", meint Kolaric zur Fachtagung.

Bei den diesjährigen "6. Stuttgart NanoDays" sind rund 60 Teilnehmer zusammengekommen. Spitzenforscher, unter anderem aus Japan, China, Neuseeland, den USA, Frankreich, Österreich und Irland, beteiligten sich an den Diskussionen. Den Startschuss erteilte Ivica Kolaric mit seinem Eröffnungsvortrag am 17. September. Im Zentrum stand der Einfluss sozialer Medien auf die Nanoforschung. Insbesondere bei der Videoplattform YouTube werde beim Konsumenten eine Erwartungshaltung geweckt, die nicht realisiert werden kann.

"Soziale Medien verhelfen der Nanotechnologie zu einer höheren Bekanntheit, jedoch stellen sie die Verfahren meist zu einfach dar. Das führt zu Enttäuschungen bei den Anwendern und hemmt den Forschungsfortschritt", erklärte Kolaric in seinem Vortrag. Laut dem Experten sei es unerlässlich, auf die Herausforderungen hinzuweisen und darüber zu diskutieren. Ebenso interdisziplinär ausgerichtet waren die anschließenden Vorträge. Sivaram Arepalli von "NanoScience and Technology Consultants LLC" in Hampton, USA, referierte zum Beispiel über den Einsatz der Nanomaterialien in Hinblick auf die ressourceneffiziente Energiegewinnung.

Anzeige

Weitere Beiträge zum Thema

Ionengitter

Vibrierende NanoweltSchwingungsmuster von Ionenkristallen erstmals abgebildet

Licht ist elektromagnetische Strahlung mit einer Frequenz, die das menschliche Auge wahrnehmen kann. Wenn Ionen schwingen, tun sie das mit einer niedrigeren Frequenz im Infrarot-Bereich, jenseits des sichtbaren Spektrums.

…mehr
Filtermembran mit Gold-Elektroden

Analyse winzigster ProbenmengenWenn Moleküle Nanotrommeln verstimmen

Die Analyse kleinster Mengen von pharmazeutischen Proben ist für die Forschung und Synthese neuer Medikamente äußerst wichtig, stellt aber derzeit eine technische Herausforderung dar. Eine neue Infrarot-Messmethode könnte Abhilfe schaffen.

…mehr
Der molekulare Kontakt kann sowohl mechanisch als auch elektrostatisch an- und ausgeschaltet werden. (Foto: KIT)

Molekularer KippschalterHundertfach kleinere Schaltkreise möglich

Die Nanotechnologie macht immer neue Miniaturrekorde möglich. Doch der Verkleinerung elektronischer Bauteile sind physikalische Grenzen gesetzt, die bald erreicht sein werden. Neuartige Materialien und Bauelemente sind gefragt. 

…mehr
Künstlerische Sicht auf die thermische Leitwertquantisierung in einem atomar dünnen Goldkontakt. (Erstellt von Enrique Sahagun)

Durchbruch mit einer Kette aus GoldatomenBesseres Verständnis des Wärmetransportes

Die präzise Kontrolle des Elektronentransportes in der Mikroelektronik ermöglicht komplexe logische Schaltungen, wie sie täglich in Smartphones und Laptops genutzt werden. Von ähnlich fundamentaler Bedeutung ist der Wärmetransport, der bei sich immer weiter verkleinernden Chips beispielsweise für die Kühlung entscheidend ist.

…mehr
Nanoroboter

Nanoroboter-AntriebeSchub für winzige Boote

Nanoroboter und andere Minivehikel könnten in der Medizin eines Tages wichtige Dienste leisten – etwa ferngesteuerte Eingriffe vornehmen oder pharmazeutische Wirkstoffe an einen gewünschten Ort im Körper befördern.

…mehr

Mediadaten 2017

LABO Marktübersichten

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige
Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter