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Dioxin-Test in wenigen TagenKosteneffizienter und schneller als chemische Verfahren

Um Dioxin-Belastungen von Lebens- oder Futtermitteln feststellen zu können, war man in Deutschland bisher auf langwierige chemische Untersuchungsverfahren angewiesen, bei denen die Ergebnisse oft erst nach wochenlanger Wartezeit vorlagen. Dabei ist die Zeit für Hersteller und Händler der entscheidende Faktor, um einerseits eine schnelle Freigabe nicht kontaminierter Futtermittel zu gewährleisten und andererseits die notwendigen Verbraucherschutzmaßnahmen ergreifen und wirtschaftlichen Schaden von den Unternehmen abwenden zu können.

Anlässlich einer EU-Verordnung, die die Untersuchungspflichten für Futtermittel verschärft, bieten die Lebensmittellabore LADR und GfL einen neuen Dioxin-Schnelltest in Deutschland an. Das bioanalytische DR CALUX-Verfahren wird von der EU empfohlen und bereits in vielen europäischen Ländern standardmäßig eingesetzt, um Dioxin in Proben nachzuweisen. Die zellbasierte Analysemethode ist in ihrer Durchführung wesentlich einfacher und kostengünstiger als chemische Verfahren. Statt nach zwei bis vier Wochen liegt bei DR CALUX ein zuverlässiges und eindeutiges Ergebnis bereits nach wenigen Tagen vor.

Seit dem 16. September 2012 ist die neue EU-Verordnung 225/2012 in Kraft, die unter anderem verschärfte Untersuchungspflichten für Futterfette auf Dioxine und dioxinähnliche PCB vorsieht. Futtermittelunternehmer und Fettmischbetriebe müssen nun Fette, Öle und daraus hergestellte Erzeugnisse im Labor auf diese Substanzen untersuchen lassen. Damit soll das Risiko minimiert werden, dass belastete Produkte in die Lebensmittelkette gelangen und die Gesundheit der Verbraucher gefährden. Diese Bestimmungen sind auch Teil des "Aktionsplans Verbraucherschutz in der Futtermittelkette", den Verbraucherministerin Ilse Aigner als Reaktion auf den Dioxin-Skandal Anfang 2011 vorlegte. Damals hatte ein norddeutsches Unternehmen mit Dioxinen kontaminiertes Industriefett zur Herstellung von Futtermitteln verwendet.

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Schnelle Testergebnisse als Voraussetzung für zeitnahe Reaktion

Dioxin-Test in wenigen Tagen: Kosteneffizienter und schneller als chemische Verfahren

Auch wenn der Gesetzgeber nun häufigere Dioxin-Tests verlangt, hängt die Sicherheit der Verbraucher im Fall einer Belastung von der Reaktionsschnelligkeit der beteiligten Akteure ab:"Gerade zeitnahe Testergebnisse sind eine wesentliche Voraussetzung, damit Hersteller und Handel zügig die notwendigen Maßnahmen ergreifen können", erläutert Mikko Hofsommer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Lebensmittel-Forschung (GfL) in Berlin. "In Deutschland wurden aber bisher nur aufwändige chemische Analyseverfahren eingesetzt, mehrere Wochen Wartezeit auf die Ergebnisse sind hier keine Seltenheit." Je länger ein Test dauert, desto länger bleibt die Ungewissheit und desto höher ist natürlich auch der finanzielle Verlust für die betroffenen Unternehmen: So bezifferte der damalige Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Januar 2011 den durch den Dioxin-Skandal entstandenen Schaden für die Bauern auf 40 bis 60 Millionen Euro pro Woche. Damals waren die vom Futtermittelhersteller belieferten Betriebe vorsorglich gesperrt worden, bis in den Tests festgestellt werden konnte, ob ihre Tiere belastet waren.

Damit künftig die Wartezeit verkürzt werden kann, haben die Lebensmittellabore LADR GmbH und Gesellschaft für Lebensmittel-Forschung mbH (GfL) nun den Dioxin-Schnelltest DR CALUX in Deutschland eingeführt. "Dabei handelt es sich um eine zellbasierte Analysemethode, die in der EU schon seit 2002 zugelassen ist und deutlich schneller zu einem eindeutigen Ergebnis führt, als die bisher in Deutschland eingesetzten Verfahren", erklärt Dr. Burkhard Schütze, Leiter des Bereichs Lebensmittelanalytik bei der LADR GmbH in Geesthacht. Der Test, der vom niederländischen Unternehmen BioDetection Systems (BDS) entwickelt wurde, hat sich mittlerweile unter anderem in Belgien, Italien, Irland und den Niederlanden als Standard etabliert.

Testergebnisse stehen bei DR CALUX schneller zur Verfügung

Um eine Probe mittels DR CALUX auf das Vorhandensein von Dioxin überprüfen zu können, wird zunächst ein einfaches Extraktionsverfahren durchgeführt. Die aufgereinigte Probe kann anschließend auf Dioxine und dl-PCBs analysiert werden. "Im Testsystem werden Rattenleber-Tumorzellen eingesetzt, die genetisch modifiziert sind und spezielle Dioxin-Rezeptoren besitzen", erklärt Schütze. "Bindet Dioxin oder dl-PCB an diese Rezeptoren, kann letztlich über chemische Reaktionen der Nachweis erfolgen."

Mit dieser bioanalytischen Testmethode können Dioxine genauso zuverlässig gemessen werden wie mit klassischen chemischen Verfahren: "DR CALUX erkennt sicher negative oder positive Ergebnisse, ist gleichzeitig jedoch vergleichsweise einfach in der Handhabung", bestätigt Hofsommer. Im Gegensatz zur sehr aufwändigen chemischen Analyse ist der Bioassay aber wesentlich preiswerter.

Entscheidend ist jedoch die deutlich kürzere Testdauer: "Statt zwei bis vier Wochen wie bei der chemischen Analyse beträgt sie nur noch maximal zehn Tage, Eilproben können auch schneller bearbeitet werden", erklärt der GfL-Geschäfsführer. Da die Auswertung der Ergebnisse einfacher ist und mehrere Proben parallel untersucht werden können, ist mit dem DR CALUX-Verfahren ein deutlich höherer Probendurchsatz möglich. Außerdem erfasst der Test zudem auch dl-PCBs, was bei der chemischen Analytik einen Mehraufwand darstellt. So werden lange Wartezeiten vermieden, die Verbraucher können früher informiert werden und es sind künftig deutlich schnellere Reaktionen von Erzeugern und Handel möglich.

"Anschließend kann über das klassische Verfahren der hochauflösenden GC die Bestätigung erfolgen. Die Quelle der Kontamination könnte dann mittels Bioassay, beispielsweise über eine systematische Beprobung des Umfelds, verhältnismäßig preiswert ermittelt werden", so Hofsommer. Die Lebensmittellabore LADR und GfL werden das bioanalytische Verfahren, das seit vielen Jahren vom Europäischen Referenzlabor für Dioxinanalytik in Freiburg sowie von den Landeslaboren in Braunschweig und Kassel verwendet wird, kommerziell exklusiv in Deutschland anbieten. Die Analysemethode wurde bereits von den deutschen Behörden genehmigt und unterliegt den aktuellen Akkreditierungs-Richtlinien gemäß DIN EN ISO/IEC 17025.

Verpflichtende Dioxin-Untersuchungen auch bei Lebensmitteln sinnvoll

Zusammen mit diesem Schnelltest erhöhen die verschärften Untersuchungspflichten des Bundes zu Futterölen, -fetten und den daraus hergestellten Erzeugnissen zweifelsfrei die Sicherheit der Verbraucher. Bei Lebensmitteln, wo es noch keine derartigen rechtlichen Regelungen gibt, wären Dioxin-Untersuchungen im Rahmen der Eigenkontrollen sinnvoll. Einige Hersteller und Handelspartner haben bereits Qualitätsvereinbarungen wie KAT oder QS, bei denen Qualitätskontrollen und entsprechende Untersuchungen im Rahmen der eigenen Sorgfaltspflicht festgelegt sind. "Grundsätzlich sind Untersuchungen von tierischen Lebensmitteln sinnvoll, da sich Dioxine über die Nahrungskette anreichern", so Schütze. "Futtermittel und auch Böden können kontaminiert sein, von daher sind Kontrollen in regelmäßigen Zeitabständen empfehlenswert, um die Sicherheit der Lebensmittel zu erhöhen."

GfL

Die Gesellschaft für Lebensmittel-Forschung mbH (GfL) wurde im Jahr 1984 als privates Service- und Beratungsunternehmen gegründet, das selbstständig und unabhängig für die gesamte Lebensmittelwirtschaft tätig ist. Heute ist die GfL eines der weltweit führenden Laboratorien im Bereich Frucht- und Gemüsesaft und untersucht jährlich mehr als 15000 Proben. Das Unternehmen betreut Anbauer und Lieferanten aus allen bedeutenden fruchtexportierenden Ländern, von Brasilien und Argentinien über Florida, Europa, Nordafrika, den Nahen Osten bis nach China, Vietnam, Thailand und Australien. Zusätzlich ist die GfL seit 1990 mit besonderem Fokus im Bereich der Rückstandsanalytik tätig, wobei der Nachweis von Pflanzenschutzmittelrückständen und Mykotoxinen in Säuglingsnahrung und Bioprodukten im Vordergrund steht. Im neu errichteten Labortrakt für innovative Analyseverfahren ist zunächst das S1-Labor für Dioxinanalytik akkreditiert worden.

Kontakt:
Gesellschaft für Lebensmittel-Forschung mbH (GfL)
Landgrafenstraße 16, 10787 Berlin
Tel: 030/263920-0, Fax: 030/263920-25
E-Mail: info@gfl-berlin.de
Internet: www.gfl-berlin.de

LADR

Die Laborärztliche Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung (LADR) ist einer der größten und leistungsstärksten Zusammenschlüsse medizinischer Laboratorien Europas und für mehr als 20000 niedergelassene Ärzte und über 200 Kliniken labormedizinischer Partner. Der Firmensitz ist in Geesthacht (südöstlich von Hamburg), deutschlandweit gibt es 13 weitere Standorte.

Das Labor in Geesthacht wurde 1945 gegründet und ist das älteste inhabergeführte Privatlabor Deutschlands. Neben den labormedizinischen Schwerpunkten der heutigen LADR GmbH Medizinisches Versorgungszentrum Dr. Kramer und Kollegen wird außerhalb der Medizin von den Abteilungen Hygiene-, Wasser-, Umwelt- und Lebensmittelanalytik ein umfangreiches naturwissenschaftliches Spektrum angeboten.

Die Spezial-Abteilung der Lebensmittelanalytik arbeitet in der Regel im Auftrag von Lebensmittelunternehmen für die externe Qualitätskontrolle und nimmt somit Aufgaben für den gesundheitlichen Verbraucherschutz wahr. Mikrobiologische Lebensmitteluntersuchungen werden zurzeit für einen Stamm von über dreihundert Kunden durchgeführt. Zudem besteht die Möglichkeit, Keimidentifizierungen mittels modernster Methoden wie beispielsweise DNA-Sequenzierungen oder MALDI-TOF durchführen zu lassen. Das Lebensmittelanalytik-Labor hat die Zulassung nach § 44 Infektionsschutzgesetz zum Umgang mit pathogenen Keimen und ist nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005 sowie AKS-akkreditiert.

Kontakt:
LADR GmbH - MVZ Dr. Kramer und Kollegen
Dr. rer. nat. Burkhard Schütze (Laborleiter Lebensmittelanalytik)
Lauenburger Str. 67, 21502 Geesthacht
Tel: 04152/803-0, Fax: 04152/803-369
E-Mail: akademie@ladr.de
Internet: www.ladr.de

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