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Streptomyces zur Mikrobe des Jaahres 2016 gekürt

Nobelpreisträger und Recycling-ProfiStreptomyces ist Mikrobe des Jahres

Die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) kürte letzten Monat Streptomyceten zur Mikrobe des Jahres 2016. Wodurch sich diese Bakterien auszeichnen und welchen Nutzen sie dem Menschen bringen, erfahren Sie im Folgenden.

Streptomyceten-Mycel

Unzählige Leben hat es schon gerettet. Kompost und Humus verdanken wir seiner Tätigkeit. Und der typische Duft frischen Waldbodens stammt von ihm: Streptomyces heißt dieses vielseitige Bakterium. Streptomyceten leben in nahezu allen Böden. Sie bilden ein Geflecht (Mycel) aus langen, sich verzweigenden Zellen (Hyphen). So wuchern sie zwischen Erdpartikeln, Pflanzenwurzeln und den ihnen ähnlichen Pilzhyphen. Bei Nährstoffmangel entwickelt Streptomyces Lufthyphen und schließlich daraus wie auf einer Perlenschnur angeordnet Sporen. In diesen Dauerformen bleibt das Erbgut der Bakterien auch bei widrigen Bedingungen erhalten. Bei Wärme, Feuchte und guten Nährstoffbedingungen keimen die Sporen aus und bilden neue Hyphen. Streptomyceten scheiden zahlreiche Enzyme aus und bauen damit viele komplexe Substanzen ab, beispielsweise schwer spaltbare Stoffe wie Cellulose aus Holz oder Chitin von Insektenpanzern und Pilzen. Die entstehenden Nährstoffe dienen den Streptomyceten als Nahrung. So sorgen diese Bakterien für das Recycling von Pflanzenfasern und Resten abgestorbener Organismen. Auch im Darm von Regenwürmern, Termiten und anderen Lebewesen bauen Streptomyceten schwer verdauliche Stoffe ab. Das trägt wesentlich zum ökologischen Stoffkreislauf bei sowie zur Bildung von Kompost und Humus. Zudem scheiden die Bakterien komplizierte, oft auffällig gefärbte Moleküle aus, die für unsere Gesundheit von unschätzbarer Bedeutung sein können.

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Streptomyces als Arzneimittelproduzent
Streptomyces wurde bereits zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrt: als Produzent des Antibiotikums Streptomycin (1952) und des gegen Wurminfektionen wirkenden Ivermectins (2015). Doch dies sind nicht die einzigen Arzneimittel aus Streptomyceten - mehrere Tausend sehr unterschiedliche organische Moleküle sind heute bekannt. Sie stimulieren das Wachstum von Pflanzen, unterdrücken andere Bakterien (Antibiotika), hemmen Pilze (Fungizide) oder wirken gegen Parasiten (Antiparasitikum). Einige beeinflussen auch unser Immunsystem oder verhindern das Wachstum von Tumoren (Zytostatika).

Bis heute ist mit rund 70 % Streptomyces der erfolgreichste Lieferant antibiotischer Wirkstoffe, die therapeutisch eingesetzt werden können. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass noch viele bislang unbekannte Schätze aus Streptomyceten in den nächsten Jahren gehoben werden können.

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