In Teil 1 dieses Artikels wurden die konstruktiven Anforderungen an Laborabzüge im Wandel der letzten 25 Jahre behandelt. Dieser Teil 2 des Artikels schildert die richtige Wartung und Bedienung von Laborabzügen." />

Was muss beachtet werden? - Teil 2

Sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen im Laborabzug

Laborarbeiten, bei denen Gefahrstoffe in Form von Dämpfen, Gasen, Aerosolen oder Stäuben in gefährlicher Menge oder Konzentration auftreten können, sind grundsätzlich in einem Laborabzug durchzuführen [1]. Daher sind Laboratorien, in denen mit Gefahrstoffen gearbeitet wird, mindestens mit einem Abzug ausgestattet. In Teil 1 dieses Artikels wurden die konstruktiven Anforderungen an Laborabzüge im Wandel der letzten 25 Jahre behandelt. Dieser Teil 2 des Artikels schildert die richtige Wartung und Bedienung von Laborabzügen.

Sicherheitstechnische Wiederholungsprüfungen

Abzüge müssen regelmäßig gewartet und ihre mechanische und lufttechnische Funktion geprüft und dokumentiert werden. Hierzu gibt es eine Handlungsanleitung des früheren Fachausschusses Chemie des HVGB [4]. Die Prüfung muss mindestens einmal jährlich durch einen Sachkundigen durchgeführt werden (Ausnahmen siehe unten). Die Veranlassung der Prüfung gehört zu dem Aufgabenbereich des Laborleiters, bei Schulen des Schulträgers. Die Kosten für die Prüfung eines Abzugs einschließlich der notwendigen Wartungsarbeiten und kleinerer Reparaturen betragen bei der Beauftragung einer Fachfirma ca. 80,- bis 100,- Euro (ohne Fahrtkosten).

Die sachkundige Prüfung kann aber durchaus auch von einem Mitarbeiter des Laborbetreibers durchgeführt werden. Um den sicheren Zustand von Abzügen beurteilen zu können, muss der Sachkundige die einschlägigen staatlichen Arbeitsschutzvorschriften, die geltenden Unfallverhütungsvorschriften und die allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. Normen und die unter [4] genannte Handlungsanleitung) kennen und über eine gewisse Erfahrung in der lufttechnischen Prüfung von Abzügen verfügen. Der Umfang der Prüfung ist abhängig von der Bauart des Abzugs und der Art der technischen Einrichtung zur Dauerüberwachung. Der zeitliche Aufwand kann mit etwa 15 bis 30 Minuten pro Abzug veranschlagt werden, soweit nicht größere Mängel zu beseitigen sind.

Anzeige

Die technischen Voraussetzungen für die Funktionsüberprüfung eines Abzugs sind gering. Man benötigt ein kalibriertes Strömungsmessgerät (z.B. Hitzdrahtanemometer oder Flügelradanemometer) und einen „Zollstock“. Mit dem Anemometer wird die Strömungsgeschwindigkeit (w) der Luft gemessen; mit Hilfe des „Zollstocks“ wird die Fläche (A) bestimmt, durch die Luft angesaugt wird (Fläche der Frontschieberöffnung). Bevorzugterweise wird hier eine Öffnungshöhe des Frontschiebers von ca. 10 cm eingestellt (siehe Bild 2). Das Produkt aus Fläche und Strömungsgeschwindigkeit ergibt den Luftdurchsatz (V), dessen Mindestwerte in der entsprechenden Norm oder in den Herstellerangaben zum Abzug (seit 2003) festgelegt sind.

V = w * A * 3600

Hierbei ist:

V der Luftdurchsatz in m3/h;

w die Strömungsgeschwindigkeit der Luft in m/s;

A die offene Querschnittsfläche des Abzuges in m2.

Prüfintervalle für Wiederholungsprüfungen

Das jährliche Prüfintervall für die lufttechnische Funktion des Abzugs darf dann auf 3 Jahre verlängert werden, wenn der Abzug über eine selbstüberwachende Funktionskontrolle verfügt. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Abzüge, die nach DIN 12924-1 vom August 1991 hergestellt wurden, nicht jährlich geprüft werden müssten. Im Regelfall ist die elektronische Funktionskontrolle dieser Abzüge nämlich nicht selbstüberwachend; das bedeutet, dass es bei Ausfall der Funktionskontrolle, zum Beispiel durch Verschmutzung, Korrosion, Alterung oder Fehler in der Elektronik, keine entsprechende Störmeldung gibt. Es ist noch zu diskutieren, unter welchen Randbedingungen das einjährliche Prüfintervall gemäß den Bestimmungen der Betriebssicherheitsverordnung verlängert werden kann.

Übersicht zu Abzugsprüfungen und Prüfintervallen

1) Abzüge nach DIN 12924 Ausgabe Januar 1978:

a) Allgemeine Sichtkontrolle des sicherheitstechnischen Zustands/jährlich,

b) Mechanische Prüfung (Kontrolle der Frontschiebermechanik)/jährlich,

c) Ermittlung der Einströmgeschwindigkeit an der Frontschieberöffnung/jährlich,

d) Ermittlung des Abluftvolumenstroms (lüftungstechnischer Anschlusswert)/jährlich.

2) Abzüge nach DIN 12924 Ausgabe August 1991 und Abzüge nach DIN EN 14175 mit technischer Einrichtung zur Dauerüberwachung (Abzugsfunktionskontrolle):

a) Allgemeine Sichtkontrolle des sicherheitstechnischen Zustands/jährlich,

b) Mechanische Prüfung (Kontrolle der Frontschiebermechanik)/jährlich,

c) Ermittlung des Abluftvolumenstroms (lüftungstechnischer Anschlusswert)/jährlich.

d) Prüfung der Abzugsfunktionskontrolle (üblicherweise durch Hersteller oder Fachfirma)/ Prüfintervall nach Herstellerangabe.

3) Abzüge nach DIN 12924 Ausgabe August 1991 und Abzüge nach DIN EN 14175 mit selbstüberwachender technischer Einrichtung zur Dauerüberwachung (Funktionskontrolle):

a) Allgemeine Sichtkontrolle des sicherheitstechnischen Zustands/jährlich,

b) Mechanische Prüfung (Kontrolle der Frontschiebermechanik)/jährlich,

c) Prüfung der selbstüberwachenden Abzugsfunktionskontrolle/Prüfintervall nach Herstellerangabe, spätestens alle 3 Jahre.

Eine genaue Beschreibung der Wiederholungsprüfungen an Abzügen gibt die Handlungsanleitung zur Abzugsprüfung [4]. Sie kann von der Homepage der BG RCI (www.bgchemie.de) heruntergeladen werden unter der Rubrik „Prävention“ -> „Laboratorien“ -> „Abzüge“ -> „Handlungsanleitung zur Abzugsprüfung“.

Sicheres Arbeiten im Abzug

Nur die bestimmungsgemäße Nutzung von Abzügen gewährleistet einen entsprechenden Schutz des Bedieners und Laborpersonals vor gesundheitsgefährlichen Gefahrstoffkonzentrationen in der Atemluft, den Schutz vor explosionsfähigen Gemischen im Abzugsinnern und am Arbeitsplatz sowie den Schutz vor herumfliegenden Glassplittern und verspritzenden Chemikalien infolge von Ex- oder Implosionen.

Ein Abzug wird zum Beispiel nicht bestimmungsgemäß genutzt, wenn er als Chemikalienbereitstellungs- oder Entsorgungslager missbraucht wird (siehe Bild). Außerdem ist es unwirtschaftlich, bei relativ hohen Betriebs- und Investitionskosten (pro Abzug ca. 13000,- Euro Investitionskosten und ca. 1500,- Euro/Jahr Betriebskosten) den Abzug als Abstellplatz für Laborapparaturen und Chemikalien (z.B. brennbare Flüssigkeiten) zu missbrauchen. Der Frontschieber des Abzugs ist grundsätzlich geschlossen zu halten. Er sollte nur zum Auf- und Abbau von Apparaturen geöffnet werden. Bei laufenden Versuchen sollte der Frontschieber nach Möglichkeit nur mittels der horizontal verschiebbaren Scheiben geöffnet werden, so dass der Körper des Bedieners vom Frontschieber geschützt wird. Am Frontschieber des Abzugs muss an gut sichtbarer Stelle ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Frontschieber geschlossen halten“ angebracht sein. Frontschieber müssen einen freien Blick auf den Versuchsaufbau gewährleisten. Sie müssen daher von Zeit zu Zeit gesäubert werden und dürfen nicht beklebt werden (mit Ausnahme des oben genannten Hinweisschildes).

Im Abzug dürfen nur die für die durchzuführenden Versuche nötigen Geräte und Apparaturen stehen, damit die optimale Luftströmung möglichst nicht gestört wird. Wärmequellen im Abzug können die geordnete Absaugleistung empfindlich stören. Daher sollte das Benutzen von Bunsenbrennern im Abzug soweit möglich eingeschränkt werden. Ein Versuchsaufbau sollte mindestens 5 cm oberhalb der Arbeitsplatte aufgebaut werden, damit eine Luftströmung unter der Versuchsapparatur ermöglicht wird. Siehe hierzu auch BGI 850-2 [5]. Zum Beispiel sollte die Schere eines „Laborboys“ zumindest etwas geöffnet sein, was ohnehin für das schnelle Absenken von Heizeinrichtungen notwendig ist. Abluftöffnungen des Abzugs dürfen nicht zugestellt oder durch Versuchsaufbauten verschlossen sein. Der Aufbau muss so erfolgen, dass bei Walzenabzügen die Ausbildung der Luftwalze im Abzugsinnenraum nicht verhindert wird.

In einem Abzug mit einer Einrichtung zur Dauerüberwachung darf nur dann gearbeitet werden, wenn diese Abzugsfunktionskontrolle die einwandfreie Funktion der Abluftanlage anzeigt. Sollte am Abzug eine Störung auftreten (z.B. defekter Frontschieber oder Ausfall der Abluft), muss ein laufender Versuch schnellstmöglich abgebrochen werden. Der Abzug muss anschließend durch eine deutliche Aufschrift, die den Namen und das Datum beinhaltet, für die weitere Benutzung gesperrt werden. Die Störung muss dem Verantwortlichen (z.B. Vorgesetzter oder Sicherheitsbeauftragter) gemeldet werden. Der Abzug muss vor der Reparatur freigeräumt und gesäubert werden. Die Wiederinbetriebnahme darf erst nach einer entsprechenden Bestätigung der erfolgreich durchgeführten Reparatur erfolgen.


Zusammenfassung

Der Abzug ist in fast allen Laboratorien eine zentrale Sicherheitseinrichtung und wird oftmals über Jahrzehnte genutzt. Um seinen Schutzzielen für das Laborpersonal gerecht zu werden, müssen technische und organisatorische Schutzmaßnahmen beachtet und eingehalten werden. Dazu zählen die bestimmungsgemäße Nutzung und Bedienung sowie die regelmäßige Wartung und Überprüfung. Nur dann ist ein sicheres Arbeiten im Labor möglich. Der DIN Normenausschuss „Laborgeräte und Laboreinrichtungen“ informiert auf der ACHEMA 2012 (www.achema.de) in 2 Vortragsreihen über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse bei der Handhabung von Gefahrstoffen im Labor (siehe Tabelle 2).

Literaturverzeichnis

  1. BGI/GUV-I 850-0, Sicheres Arbeiten in Laboratorien – Grundlagen und Handlungshilfen, Herausgeber: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).
  2. DIN 1946-7, Raumlufttechnik – Teil 7: Raumlufttechnische Anlagen in Laboratorien.
  3. TRGS 526, Technische Regel Gefahrstoffe – Laboratorien.
  4. Handlungsanleitung zur Abzugsprüfung, Autor: Arbeitskreis Laboratorien des Fachausschusses Chemie des HVGB; siehe: http://www.bgchemie.de/files/81/Handlungsanleitung_Abzugspruefung.pdf.
  5. T 032-1 (BGI 850-2a), Merkblätter der T-Reihe (Sichere Technik): Kleinbroschüre Laborabzüge (10/2008).

Dr. Burkhard Winter*) und Dipl.-Ing. Ludger Hohenberger**)

  1. DIN Normenausschuss Laborgeräte und Laboreinrichtungen, Theodor-Heuss-Allee 25, 60486 Frankfurt am Main, Telefon 069/7564-255, E-Mail din@dechema.de.
  1. Unfallkasse NRW, Regionaldirektion Westfalen-Lippe, Salzmannstraße 156, 48159 Münster.
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Schnellster Feuchtebestimmer am Markt für Feuchte-/Feststoffgehalt

Der Feuchtebestimmer SMART 6 analysiert den Feuchtegehalt jeder Probe in nur 2 min. Ob nass oder trocken, Feststoff, Pulver oder Suspension – egal! Alle Probenarten werden dank der Kombination Mikrowelle/Halogen schnell und präzise bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Dank der Temperaturkontrolle sind die Messwerte vergleichbar zu den Standardmethoden.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Schnelle automatisierte Lösemittel Extraktion

Das EDGE Extraktionssystem ist ein sequentielles System für die schnelle automatisierte Lösemittel-Extraktion. Damit werden unterschiedliche Proben schnell in nur 5 min. extrahiert. Die Extraktionen im EDGE werden unter Druck und bei erhöhten Temperaturen durchgeführt, was zu einer starken Beschleunigung der Reaktionskinetik führt.

Zum Highlight der Woche...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite