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AtemschutzMaske mit verbessertem Tragekomfort

Atemschutz: Maske mit verbessertem Tragekomfort

Moldex hat jetzt mit der Air Plus ProValve sein Produktprogramm im Bereich des Atemschutzes erweitert. Die neue Schutzmaske verfügt über mehrere Besonderheiten, die den Tragekomfort erhöhen. Dazu gehört u.a. ein innovatives Ausatemventil. Die Maske ist zudem wiederverwendbar.

 

 

 

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ArbeitsschutzSicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen im Laborabzug

Was muss beachtet werden? – Teil 1
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Arbeitsschutz: Sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen im Laborabzug
Laborarbeiten, bei denen Gefahrstoffe in Form von Dämpfen, Gasen, Aerosolen oder Stäuben in gefährlicher Menge oder Konzentration auftreten können, sind grundsätzlich in einem Laborabzug durchzuführen [1]. Daher sind Laboratorien, in denen mit Gefahrstoffen gearbeitet wird, mindestens mit einem Abzug ausgestattet. Der Abzug gilt als zentrale Sicherheitseinrichtung im Labor und ist entsprechend sorgfältig zu bedienen und zu warten. Autoren aus dem DIN Normenausschuss „Laborgeräte und Laboreinrichtungen“ schildern in diesem zweiteiligen Artikel wichtige Details zur Anschaffung, Wartung und Bedienung von Laborabzügen und geben eine Vorschau auf die ACHEMA im Juni 2012.

Voraussetzungen für sicheres Arbeiten

Abzüge müssen so ausgelegt sein und betrieben werden, dass
• gefährliche luftgetragene Schadstoffe nicht vom Abzug in den Laborraum gelangen;
• Schadstoffe effizient entfernt werden, um die Gefahr der Ausbildung einer explosiven oder gefährlichen Atmosphäre im Abzugsinnenraum zu verringern;
• der Nutzer gegen Spritzer und Splitter durch einen Frontschieber geschützt ist.

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Damit der Abzug diese Schutzfunktionen wahrnehmen kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

• Der Abzug muss von seinem Hersteller entsprechend konstruiert sein und nach den Herstellervorgaben korrekt installiert werden;
• die Luftsituation im Laborraum darf die Wirksamkeit des Abzugs nicht beeinträchtigen;
• der Bediener muss den Abzug richtig handhaben;
• der Abzug muss regelmäßig gewartet und geprüft werden.

Bei der Luftsituation im Laborraum müssen sich Zuluft- und Abluftströme im Gleichgewicht befinden, die Zuluft muss zugfrei und gleichmäßig in den Laborraum eingebracht werden und in Abzugsnähe dürfen keine größeren Turbulenzen auftreten. Einzelheiten hierzu finden sich in DIN 1946-7 [2].

Abzüge nach europäischer Norm DIN EN 14175

Als Grundlage für die Konstruktion von Laborabzügen dient seit 2003 die sechsteilige Normenreihe DIN EN 14175 „Abzüge“:
• Teil 1: Begriffe.
• Teil 2: Anforderungen an Sicherheit und Leistungsvermögen.
• Teil 3: Baumusterprüfverfahren.
• Teil 4: Vor-Ort-Prüfverfahren.
• Teil 6: Abzüge mit variablem Lufstrom.
• Teil 7: Abrauchabzüge.

Hierbei ersetzen die Teile 1 bis 3 der neuen europäischen Norm die bis 2003 in Deutschland gültige Norm DIN 12924-1 „Laboreinrichtungen – Abzüge – Teil 1: Abzüge für den allgemeinen Gebrauch“. Der europäische Teil 7 von DIN EN 14175 gilt für Abrauchabzüge und ersetzt seit 2012 die frühere nationale Norm DIN 12924-2. Zusätzlich gibt es zwei nationale Normen für die Konstruktion von Spezialabzügen:

• DIN 12924-3 Durchreichabzüge (z.B. für Schulen).
• DIN 12924-4 Abzüge für Apotheken.

Wer Abzüge nach diesen Normen in seinem Labor verwendet, hat die erste Voraussetzung für sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen erfüllt.

Auf der ACHEMA im Juni 2012 stellen führende Hersteller neueste normgerechte und energiesparende Abzugskonstruktionen vor (www.achema.de).

Abzüge nach älteren Normen

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass vor 2003 installierte Abzüge nicht von den Produktanforderungen der neuen europäischen Normenreihe DIN EN 14175 betroffen sind. Für sie gilt nach wie vor die zum Installationszeitpunkt geltende Fassung der DIN 12924-1 bei Allgebrauchsabzügen oder von DIN 12924-2 bei Abrauchabzügen. Eine Nachrüstung von Abzügen kann nur erforderlich werden, wenn Anforderungen der TRGS 526 [3] anders nicht eingehalten werden können.

Warum wurde überhaupt eine neue DIN EN 14175 eingeführt? Im Zuge der Harmonisierung des europäischen Binnenmarktes bestand ein großes Interesse bei Abzugsherstellern und Abzugsbetreibern, die in den EU-Mitgliedsstaaten unterschiedlichen Prüfmethoden für Abzüge zu vereinheitlichen. Außerdem legt die neue EN-Norm mehr Wert auf die Robustheit des Rückhaltevermögens unter realen Betriebsbedingungen und ermöglicht energieeffizientere Abzugskonstruktionen als viele der älteren nationalen Normen.

Luftvolumenstrom versus Rückhaltevermögen

Für die Beurteilung, ob ein Abzug im Sinne der jeweils zutreffenden Fassung von DIN 12924 uneingeschränkt funktionsfähig ist, muss zunächst festgestellt werden, in welchem Jahr der Abzug gebaut bzw. im Labor installiert wurde.

Bei Abzügen nach DIN 12924-1 vom Januar 1978 muss der Abluftvolumenstrom am Lüftungsstutzen oberhalb des Abzugs den in der damaligen DIN genannten Werten entsprechen (z.B. 400 m3 Luft je laufendem Meter Frontbreite bei Tischabzügen). Die Einströmgeschwindigkeit der Luft bei 100 mm geöffnetem Frontschieber muss mindestens 0,7 m/s betragen.

Die ständige Kontrolle der lufttechnischen Funktion dieser Abzüge kann mittels Wollfaden oder Windrädchen erfolgen, das in der Nähe der Frontschieber- oder Absaugöffnung angebracht wird. Diese Art der Abluftkontrolle gewährleistet aber lediglich die Aussage „Abzug an oder aus“. Die lufttechnische Wirksamkeit von Abzügen, z.B. das Rückhaltevermögen, wurde damals noch nicht geprüft, so dass eine abschließende Beurteilung dieser Wirksamkeit so nicht möglich ist.

Bei Abzügen nach DIN 12924-1, Ausgabe August 1991, gilt als hauptsächliches Kriterium für das Rückhaltevermögen von Gefahrstoffen die in einem speziellen Prüflabor vor dem Abzug gemessene Konzentration eines im Abzug unter genau festgelegten Bedingungen freigesetzten Prüfgases (SF6). Das Rückhaltevermögen bei einem zu ermittelnden Luftvolumenstrom gilt als gewährleistet, wenn während der Messung die Konzentration des Prüfgases vor dem Abzug die in dieser DIN-Norm festgelegten Werte nicht überschreitet. Der so ermittelte Luftvolumenstrom ist dann als Mindestvolumenstrom beim Betrieb des Abzugs im Labor einzustellen.

Die lufttechnische Prüfung von Abzügen in der Norm von 1991 erstreckte sich aber nicht nur auf das Rückhaltevermögen, sondern auch auf den primären Explosionsschutz. Im Abzugsinnenraum darf in Totzonen – sowohl bei geschlossenem als auch bei geöffnetem Frontschieber – die Konzentration des Prüfgases einen sicherheitstechnisch begründeten und in der damaligen Norm festgelegten Wert nicht überschreiten. Bei allen Prüfungen handelt es sich um Baumusterprüfungen. Zur Überwachung und Anzeige der lufttechnischen Wirksamkeit im Betrieb muss an den Abzügen seit 1991 eine Überwachungseinrichtung angebracht sein (siehe nächste Seite, Bild 1), die sowohl einen optischen als auch einen akustischen Alarm auslöst, sobald der festgelegte Luftvolumenstrom nicht mehr gegeben ist.

Warum wurde DIN 12924 im Jahr 1991 geändert?

Seit 1978 gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse führten dazu, dass man von der Philosophie des pragmatischen Mindestvolumenstroms bezogen auf die Abzugsbreite und abhängig von der Abzugsform abkam und das tatsächliche Rückhaltevermögen von Schadstoffen im Abzugsinnenraum wie oben beschrieben als neue Zielgröße betrachtete. Weiterhin zeigten Versuche, dass durch strömungstechnische Maßnahmen – wie z.B. die Verwendung von Anströmprofilen im Lufteintrittsbereich von Abzügen – die abgesaugte Luftmenge zum Teil deutlich reduziert werden kann, ohne dabei das Rückhaltevermögen des Abzugs zu verschlechtern.

Wegen der nicht unerheblichen Kosten für die dem Abzug zugeführte Luft, insbesondere bei aufbereiteter Zuluft in Laboratorien, bestand der Wunsch nach Abzügen, die bei gleicher oder verbesserter Sicherheitsleistung mit weniger Raumluft auskommen. Außerdem war die Reduzierung der Luftmenge ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, lange bevor Energieeffizienz und „nachhaltige“ Laboratorien mehr als 10 Jahre später zum Trendthema wurden. Über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Energieeffizienz und Lufttechnik von Laboratorien wird der zuständige DIN Normenausschuss während der ACHEMA 2012 in mehreren Vortragsreihen berichten (siehe Tabelle 1).
Teil 2 dieses Artikels wird in der nächsten Ausgabe von LABO (Mai 2012) Details zur Wartung, Prüfung und Bedienung von Laborabzügen behandeln.

Literaturverzeichnis

  1. BGI/GUV-I 850-0, Sicheres Arbeiten in Laboratorien – Grundlagen und Handlungshilfen, Herausgeber: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).
  2. DIN 1946-7, Raumlufttechnik – Teil 7: Raumlufttechnische Anlagen in Laboratorien.
  3. TRGS 526, Technische Regel Gefahrstoffe – Laboratorien.

Dr. Burkhard Winter*) und Dipl.-Ing. Ludger Hohenberger**)

*) DIN Normenausschuss Laborgeräte und Laboreinrichtungen, Theodor-Heuss-Allee 25, 60486 Frankfurt am Main, Tel. 069/7564-255, E-Mail din@dechema.de.

**) Unfallkasse NRW, Regionaldirektion Westfalen-Lippe, Salzmannstr. 156, 48159 Münster.

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