Treibhausgase in Ökosystemen

Emissionen des Treibhausgases N2O als Reaktion auf Umweltparameter

Forschenden ist es gelungen, die Emissionen des Treibhausgases Lachgas unter Einfluss von Umweltfaktoren sehr detailliert zu untersuchen. Die Studie kann damit auch ein Ausgangspunkt für das Erstellen von Modellen sein, welche künftige Trends der Emissionsdynamik von Treibhausgasen in Ökosystemen unter globalen Klimaveränderungen vorhersagen könnten.

Bild 1: Die 16 untersuchten Bodenblöcke, auch Grünlandmonolithe genannt, stammen von der Kaserstattalm im Tiroler Stubaital, einem Standort für Langzeit-Ökosystemforschung. © Eliza Harris

Distickstoffoxid (N2O), allgemein als Lachgas bekannt, ist ein starkes Treibhausgas, dessen atmosphärische Wachstumsrate sich in den letzten zehn Jahren beschleunigt hat. Der größte Anteil der anthropogenen N2O-Emissionen resultiert aus der Düngung der Böden mit Stickstoff, der über verschiedene abiotische und biologische Prozesse in N2O umgewandelt wird.

Bild 2: Versuchsanordnung im Botanischen Garten der Universität Innsbruck. Die Grünlandmonolithe wurden in einer Versuchsanordnung im Botanischen Garten der Universität Innsbruck zuerst extremer Trockenheit und einer anschließenden Wiederbefeuchtung ausgesetzt. © Eliza Harris

Ein Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen um Eliza Harris und Michael Bahn von der Forschungsgruppe Funktionelle Ökologie an der Universität Innsbruck konnten im Rahmen des vom FWF geförderten Projekts „NitroTrace“ diese N2O-Produktions- und Verbrauchswege, die innerhalb des Stickstoffkreislaufs ablaufen und letztlich zur Emission dieses Treibhausgases führen, im Detail nachvollziehen. In einer Versuchsanordnung im botanischen Garten der Universität Innsbruck wurden 16 intakte Grünlandmonolithe von der Kaserstattalm im Tiroler Stubaital, einem Standort für Langzeit-Ökosystemforschung (LTER), untersucht. Die Bodenblöcke wurden dabei extremer Trockenheit und einer anschließenden Wiederbefeuchtung ausgesetzt. Diese Wetterbedingungen spiegeln die klimatischen Veränderungen wider, denen viele Regionen der Erde, darunter auch die Alpen, zunehmend ausgesetzt sind. „Unser Ziel war es, den Nettoeffekt von Trockenheit und Wiederbefeuchtung auf den Entstehungsprozess von N2O und seine Emissionen zu quantifizieren, der derzeit weitgehend unerforscht ist“, sagt Eliza Harris.

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Denitrifikation bei Trockenheit

Entgegen den Erwartungen der Wissenschaftler hat auch in sehr trockenen Böden der Prozess der Denitrifikation, also der Abbau von Nitrat zu N2O und molekularem Stickstoff N2 durch spezielle Mikroorganismen, dominiert. Dieser Prozess findet nach bisherigen Annahmen vor allem in feuchten, sauerstoffarmen Böden statt und durch ihn wird vermehrt N2O an die Atmosphäre abgegeben. Erwartet hatten die Forschenden, dass in den trockenen Böden der Prozess der Nitrifikation überwiegt, bei dem das für Pflanzen wichtige Nitrat entsteht. „Wir sind davon ausgegangen, dass in trockenem Boden genug Sauerstoff für die Nitrifikation zur Verfügung steht. Nach genaueren Untersuchungen konnten wir an der Oberfläche unserer Bodenproben trockenheitsbedingte Anreicherungen von stickstoffhaltiger organischer Substanz feststellen und als Auslöser für die Denitrifikation im trockenen Boden identifizieren. Das deutet auf eine starke Rolle der bisher wenig erforschten Chemo- und Codenitrifikationswege hin, bei denen zusätzliche abiotische und biotische Prozesse zur Entstehung von N2O führen“, erklärt Eliza Harris das für die Forschenden überraschende Ergebnis. Insgesamt war die N2O-Emission bei der Wiederbefeuchtung nach extremer Trockenheit am größten.

Die Studie liefert einen besonderen Einblick in den Stickstoffkreislauf und die darin enthaltenen Prozesse zur Entstehung des Treibhausgases N2O als Reaktion auf Umweltparameter. Ein besseres Verständnis kann dazu beitragen, Lösungen zu finden, die seit Jahrzehnten ansteigenden Treibhausgas-Emissionen zu verringern.

Analytik zur Isotopenzusammensetzung

Entscheidend für den Forschungserfolg war der Einsatz der Laserisotopenspektroskopie, die durch das FFG-geförderte Projekt LTER-CWN ermöglicht wurde. „Durch dieses neuartige Analyseverfahren können wir die Isotopenzusammensetzung von N2O bestimmen. Somit erhalten wir eine Art Fingerabdruck für den Entstehungsprozess des emittierten N2O, was uns wiederum hilft, seinen mikrobiellen Entstehungsprozess zu verstehen“, betont Eliza Harris die Bedeutung dieses Verfahrens. Mit Hilfe von molekularökologischen Analysen konnten sie außerdem bestimmen, welche mikrobiellen Gene an der Stickstoff-Transformation beteiligt waren. Außerdem halfen räumliche Analysetechniken, die elementare Zusammensetzung und Verteilung im Boden zu bestimmen. „Wir erhoffen uns, dass wir durch die weitere Anwendung dieser Methoden mehr Erkenntnisse zu Rückkoppelungseffekten zwischen Klimaveränderungen und dem Stickstoffkreislauf erhalten“, sagt Eliza Harris. Langfristiges Ziel der Forschenden ist es, mit Modellen die Emissionsdynamik von Ökosystemen vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen voraussagen zu können.

Publikation: E. Harris, E. Diaz-Pines, E. Stoll, M. Schloter, S. Schulz, C. Duffner, K. Li, K. L. Moore, J. Ingrisch, D. Reinthaler, S. Zechmeister-Boltenstern, S. Glatzel, N. Brüggemann, M. Bahn: Denitrifying pathways dominate nitrous oxide emissions from managed grassland during drought and rewetting. Sci. Adv. 7, eabb7118 (2021). https://doi.org/10.1126/sciadv.abb7118

Quelle: Universität Innsbruck

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