zurück zur Themenseite

Interview

Lipidomik: Vom Mauerblümchen zum Star

Die Lipidomik ist dabei, neben der Genomik und der Proteomik mehr und mehr ihren Platz in der akademischen und industriellen Forschung zu behaupten. Wir haben mit Herr Dr. Uecke, kaufmännischer Leiter von Lipotype, über die Entwicklung und die gegenwärtigen Problemstellungen der Lipidanalytik gesprochen.

Auf dem Vormarsch: Die Lipidomik.

LABO: Herr Uecke, die Zahl der Publikationen im Bereich der Lipidomik wächst rasant. Seit 2012 sind jedes Jahr mindestens 20% mehr wissenschaftliche Beiträge als im Vorjahr erschienen. Im gleichen Jahr wurde auch Lipotype gegründet. Wo sehen Sie die Ursachen für dieses Wachstum?

Dr. Oliver Uecke, Lipotype © Lipotype

Uecke: Mit dem Gründungsjahr von Lipotype nehmen Sie mir die Antwort fast vorweg... Nein, im Wesentlichen beruht dieser "Lipidomics Boom" auf einem technologischen Durchbruch. Vor der Jahrtausendwende wurden Lipide meist mithilfe unterschiedlicher Chromatographie-Verfahren analysiert. Das war zeit- und kostenaufwändig. Lipide wurden regelrecht vernachlässigt. Aber das hat sich geändert. In den letzten 20 Jahren sind Massenspektrometrie-Methoden in den Fokus gerückt. Die technologischen Fortschritte in diesem Bereich haben es ermöglicht die Vielfalt der Lipide schnell und präzise zu ermitteln. Das hat zu einem neuen Gespür und Verständnis für die Bedeutung der Lipide geführt. Lipide tauchen nun in vielen biologischen Prozessen auf. Rückblickend war dies der Anstoß für den Lipidomics Boom. Ich sage immer: "Auf der Erde gibt es kein Leben ohne Lipide. Warum gibt es so viel Forschung ohne Lipidanalytik?"

Anzeige

LABO: Lipotype bietet Lipidanalytik als Service an. Daneben haben sie sich jedoch auch das Streben nach Exzellenz in Lipidforschung und -Analytik auf die Fahnen geschrieben. Welche Maßnahmen ergreift Lipotype dafür?

Uecke: Einerseits setzen wir auf ganz klassische Maßnahmen wie Fachvorträge, die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Publikationen oder Teilnahme an multinationalen Forschungskonsortien. Wir sind zum Beispiel beteiligt am IMI2-Projekt RHAPSODY, um mit Hilfe von Lipid-Biomarkern eine genaue und frühzeitige Risikoanalyse für Diabetes Typ 2 zu gewährleisten. Auf der anderen Seite vereinfachen wir den Zugang zu Wissen. Erst dieses Jahr haben wir das Lipidomics Resource Center etabliert. Mit dessen Hilfe kann man auf Publikationen und Informationen aus dem akademischen und industriellen Umfeld zugreifen.

LABO: Und wo sehen Sie noch Baustellen?

Uecke: Ob Genomik, Proteomik oder Lipidomik, alle Omik-Wissenschaften teilen sich ein Leid: die ungenügende Standardisierung der Methodologie. Erst wenn wir auf internationaler Ebene einheitliche Standards für die Analyse durchsetzen, können wir Forschungsergebnisse miteinander vergleichen. In den kommenden Jahren muss deshalb die Standardisierung der Methoden priorisiert werden.

LABO: Zurück zum RHAPSODY-Projekt. Gerade in der Gesundheitsforschung sind Lipide eine bedeutende Informationsquelle. Warum?

Uecke: Der Lipidstoffwechsel kann oft Aufschluss über Krankheiten und deren Risiken geben. Herzkreislauferkrankungen, viele Stoffwechselstörungen und immer mehr neurodegenerative Krankheiten stehen entweder bereits nachweislich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Lipidstoffwechsel. Gefühlt kommen jeden Tag neue Krankheitsbilder hinzu.

LABO: Wo sehen Sie die Zukunft der Lipidomik?

Uecke: Ich sehe die Zukunft der Lipidomik in der Multiomik. Durch die Kombination mehrerer Omik-Wissenschaften werden Synergien kreiert und Defizite ausgeglichen. So entsteht am Ende ein umfassendes Abbild. Mit Lipotype haben wir zusammen mit Kooperationspartnern vor kurzem die Ergebnisse einer Genomik-Lipidomik-Studie zur Früherkennung von Herzkreislauf-erkrankungen veröffentlicht. Gerade in der klinischen Diagnostik werden wir wohl noch viele Überraschungen Dank der Lipidomik erwarten können.

LABO: Vielen Dank für Ihre Erläuterungen.

Zur Person:

Dr. Oliver Uecke ist Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Lipotype. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Leipzig und Jönköping International Business School, Schweden. Als Gründerberater an der Technischen Universität Dresden hat er Forscher aus dem Bereich Biotechnologie bezüglich Technologietransfer und Ausgründung begleitet. Im Anschluss leitete er ein EU-Projekt zum Thema Technologietransfer in der Biotechnologie. Oliver Uecke promovierte zum Thema: „How to Commercialise Research in Biotechnology? Effectiveness of the Innovation Process and of Technology Transfer in the Biotechnology Sector.“

Anzeige
zurück zur Themenseite

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Integriertes Datenmanagement

Ihre im Labor erzeugten Daten können Sie sicher und strukturiert in einem System sammeln. NEC und labfolder bieten ein Mittel für die effiziente Verwaltung großer wissenschaftlicher Datensätze an.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Integriertes Datenmanagement
Die Herausforderung bei der Digitalisierung des Laboralltags besteht im Wechsel von Papierlaborbüchern und Computerdateien zu einer Datenmanagementsoftware, die große Datensätze strukturiert innerhalb eines einzigen Systems sammelt.

Zum Highlight der Woche...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite