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ManagementOnline-Bewerbung: Einmal und nie wieder

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"Ach, da könnte ich mich auch mal bewerben. Das kostet mich ja nichts." Nach dieser Maxime agieren manche Stellensucher beim Sich-online-bewerben. Die Folge: Die Unternehmen werden oft von einer Flut von Online-Bewerbungen überrollt, der sie kaum noch Herr werden.

"Das mache ich nie wieder." Noch immer graust es Hubert Maier, wenn er daran denkt, wie er eine Stellenanzeige in der örtlichen Tageszeitung schaltete, in der er auch seine Mail-Adresse angab. Als der Inhaber eines Ingenieurbüros Samstagsmorgens um 9 Uhr in sein Büro kam, befanden sich in seinem Mail-Account schon ein Dutzend Bewerbungen - und dies, obwohl die Wochenendausgabe der Zeitung gerade mal drei, vier Stunden zuvor an die Haushalte verteilt worden war.

Entsprechend war die Qualität der Bewerbungen. "Alles Schrott", bringt es Maier auf den Punkt. "Man sah den Bewerbungen sofort an: Da wurde nur schnell die Adresse im Standardanschreiben ausgetauscht und dann die Bewerbung - kurz vor dem Wochenendeinkauf - versandt."

Ähnlich war es bei den meisten Bewerbungen, die in den nächsten Tagen "massenhaft" in Maiers Mail-Account landeten. Nicht nur, dass sich in ihnen fast alle Berufsgruppen - von der Fleischereifachverkäuferin bis zum Lagerarbeiter - um die inserierte Stelle einer "Bürofachkraft (m/w)" bewarben. Deutlich registrierte Maier bei den Online-Bewerbungen auch eine niedrigere Qualität als bei den schriftlichen Bewerbungen, die einige Tage später eintrafen.

Maxime: "Vielleicht habe ich ja Glück"

Maiers Eindruck: "Bei schriftlichen Bewerbungen überlegen es sich die Leute genauer, ob sie sich bewerben." Denn das Ausdrucken der Bewerbungsunterlagen und deren Versenden kostet Zeit - und Geld. Anders ist es bei Online-Bewerbungen. Da ändern viele Stellensucher mal eben die Adressaten in ihrer Standardbewerbung ab, drücken auf die "Versenden-Taste" des PC und weg ist die Bewerbung. Getreu der Maxime: Vielleicht habe ich ja Glück.

Diesen Eindruck bestätigen Firmenvertreter. So betont Bernadette Imkamp, Abteilungsleiterin Personalbetreuung und -marketing bei Schwäbisch Hall: Die Qualität von schriftlichen Bewerbungen ist "tendenziell besser - vor allem, weil sich die Bewerber dabei genauer überlegen: Soll ich mich bewerben? Habe ich eine realistische Chance?" Lautet die Antwort ja, wird auch mehr Sorgfalt auf das Anschreiben verwandt. Imkamps Eindruck: "Bei schriftlichen Bewerbungen gehen die Anschreiben stärker auf das adressierte Unternehmen und die in der Stellenanzeige formulierten Anforderungen ein."

Anschreiben enthalten so manche "Stilblüte"

In Online-Bewerbungen hingegen entdeckt man manche Stilblüte. Maier amüsierte sich zum Beispiel köstlich über folgende Formulierung im Anschreiben einer Hotelfachfrau: "Ich freue mich auf den regen Kontakt mit Ihren Gästen." Eine Formulierung, mit der sich die Hotelfachfrau sofort aus dem Rennen um die Stelle katapultierte. Denn so Maiers Kommentar: "Bei uns schaut vielleicht alle zwei Wochen mal ein Kunde vorbei. Und wenn, dann verschwinde ich mit ihm sogleich im Besprechungszimmer." Nach Lektüre des erwähnten Satzes war Maier klar: Die Frau hat nur eine Bewerbung, die sie für ein Hotel schrieb, mit einer neuen Anrede versehen.

Was Maier auch unterschätzte, als er seine Mail-Adresse in der Anzeige angab, war die Mehrarbeit, die er sich damit aufhalste. So trafen in den Tagen nach deren Erscheinen immer wieder Mails mit folgendem Tenor bei ihm ein: "Können Sie mir, bevor ich mich bewerbe, nähere Infos über die Stelle geben?" Bei den ersten zwei, drei Mails dachte Maier: Toll, da interessiert sich jemand ernsthaft für den Job. Entsprechend viel Zeit nahm er sich fürs Beantworten. Doch irgendwann hatte er die Nase voll - weil er noch anderes zu tun hatte.

Dateien-Salat produziert Mehrarbeit

Auch in anderer Hinsicht machten die Online-Bewerbungen Maier mehr Arbeit als die schriftlichen. So erwies sich das Ausdrucken der Bewerbungen, die nicht bereits auf den ersten Blick durchs Raster fielen, um sie mit seinem Geschäftsführer-Kollegen zu sichten, als recht zeitaufwändig. Auch aus folgendem Grund: Bei den meisten Bewerbungen waren das Anschreiben, der Lebenslauf und die (Arbeits-)Zeugnisse als einzelne Dokumente angehängt - oft in verschiedenen Dateiformaten. Nur ganz wenige Bewerber hatten die Unterlagen in eine pdf-Datei gepackt, so dass Maier nur eine Datei öffnen musste und eine sortierte Bewerbungsmappe vor sich hatte.

Irgendwann entschied Maier: Die Bewerbungen, in deren Anhang sich "exotische Dateien" befinden, schaue ich nicht mehr an. "Denn es ist nicht mein Job, den Kram erst mal zu konvertieren und danach die ausgedruckten Seiten zu sortieren."

Dass sich Bewerber beim Erstellen ihrer Online-Bewerbungen oft wenig Mühe geben, bestätigt Alexander Walz, Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat, Stuttgart. "Viele versenden ihre Bewerbungen im 'Streuversand', ohne sich vorab zu fragen: Habe ich bei der Stelle eine realistische Chance?" Viele Bewerber fragen sich auch zu wenig: Wie wirkt es auf den Empfänger, wenn an eine Bewerbung zahllose Dateien mit kryptischen Namen angehängt sind, bei denen man erst nach dem Öffnen sieht, was sich in ihnen verbirgt?

Auf Standard-Bewerbungen folgen Standard-Absagen

Deshalb hat Personalberater Walz ein gewisses Verständnis dafür, dass manche Unternehmen auf 08-15-Online-Bewerbungen, wenn überhaupt, nur noch mit Standard-Absagen reagieren. "Wer sich mit seiner Bewerbung keine Mühe gibt, sollte sich nicht beschweren, wenn der Empfänger sich ebenso verhält." Denn anders könnten gerade Klein- und Mittelunternehmen der Bewerberflut, die nach gewissen Stellenanzeigen auf sie einprasselt, gar nicht Herr werden.

Zu einer ähnlichen Einsicht ist Herr Maier gelangt. Für ihn steht fest: "Wenn bei uns mal wieder eine Bürokraft-Stelle vakant ist, akzeptiere ich nur noch schriftliche Bewerbungen." Anders ist dies, wenn er zum Beispiel einen Maschinenbauingenieur als Projektmanager sucht. Denn wenn Unternehmen per Stellenanzeige hochqualifizierte Spezialisten suchen, dann bewerben sich nicht "Hinz und Kunz".

Bernhard Kuntz

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