Gefahrstoffverordnung

Biozidbelastung: Sicherer Umgang mit kontaminiertem Kulturgut

Viele Berufsgruppen der Museologie und der Kunst- und Naturwissenschaften kommen mit Objekten in Berührung, die mit Bioziden behandelt sind. Ein Online-Kurs will über den richtigen Umgang, die Auswirkungen und die Möglichkeiten einer Laboranalyse aufklären.

Holzskulptur mit Anobienbefall © HAWK

Kulturgüter aus Holz, Textilien und Leder sowie botanische und naturkundliche Objekte wurden seit jeher zum Schutz vor Schädlingen und mikrobiellem Befall mit Bioziden behandelt. Während die Anwendung der ersten künstlich hergestellten Substanzen auf Basis von Arsen und Quecksilber seit dem 15. Jahrhundert aufgrund ihrer Toxizität zwar problematisch, aber insgesamt überschaubar ist, führten industrielle Herstellung und flächendeckender Vertrieb von bioziden Wirkstoffen und Produkten vor allem in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu einem massenhaften Gebrauch, der uns ein gefährliches toxisches Erbe überlassen hat.

Dennoch muss auch kontaminiertes Kulturgut für die Gesellschaft bewahrt, erforscht und seine kulturhistorische Bedeutung einem breiten Publikum präsentiert werden. Dabei kommen viele Berufsgruppen, u. a. der Restaurierung, der Präparation, der Ethnologie, der Museologie und der Kunst- und Naturwissenschaften mit den Objekten in Berührung oder halten sich über längere Zeiträume in belasteten Räumen auf. Zahlreiche Kulturgüter, bisweilen sogar ganze Sammlungen und Gebäude, stellen eine ernst zu nehmende Gefährdung dar, der es aufgeklärt zu begegnen gilt.

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Gefährdungsbeurteilung ist notwendig

Eine zusätzliche Relevanz erhalten diese potenziellen Gefahren angesichts der seit 2016 geltenden gefahrenstoffrechtlichen Relevanz aller Tätigkeiten mit kontaminierten Objekten. Diese verpflichtet Verantwortliche von Sammlungen und historischen Bauten dazu, eine Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit potenziell kontaminiertem Sammlungsgut zu erstellen und notwendige Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Ein internetbasierter Fortbildungskurs soll Mitglieder der betroffenen Berufsgruppen nun darüber aufklären, wie sie mit potenziell toxisch kontaminiertem Kulturgut der o. g. Materialgruppen umgehen müssen. Der Kurs liefert das Hintergrundwissen für eine richtige Einschätzung der Gefährdung und zeigt mögliche Maßnahmen auf. Ausführliche Erläuterungen führen die Lernenden Schritt für Schritt durch die Kursinhalte und ermöglichen es so auch Lernenden mit geringen Vorkenntnissen, in die Thematik einzusteigen. 

Modulare Weiterbildung zu relevanten Bioziden

An der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen wird nun ein modularer E-Learning-Kurs zur Geschichte und Verbreitung von relevanten Bioziden angeboten. Ein Modul differenziert zwischen den bioziden Wirkstoffen der ersten Generation und der aus industrieller Herstellung und stellt die Besonderheiten ihres Einsatzes und ihrer Schadenspotenziale heraus. In einem weiteren Modul lernen die Teilnehmenden anhand von Beispielen die Vielfältigkeit der potenziell belasteten Objekte, die Kontaminationswege und die Auswirkungen der Biozide kennen. Sie werden so sensibilisiert, mögliche Kontaminationen besser einschätzen zu können.

Schließlich werden Grundlagen der Schadstofferkennung und strategische Ermittlungswege vorgestellt sowie praxisnahe und professionelle Analysemethoden von Fachlaboren.

Die Referentin Roksana Jachim M.A. ist freiberufliche Restauratorin und arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAWK. Sie hat an der HAWK Konservierung/Restaurierung von gefassten Skulpturen und Gemälden studiert.

Der Pilotkurs läuft mit verkürzter Laufzeit und reduziertem Teilnehmerkreis: 22. Oktober bis 2. Dezember 2018: Kursgebühr: 139,- € (für Studierende 20 Prozent Ermäßigung)

Weitere Infos und Anmeldung:

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