Metabolomics in der Krebsdiagnostik

Diagnostisches Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung weist Metabolite nach

Die Biocrates Life Sciences AG in Innsbruck hat im Sommer 2018 ein neues Verfahren zum Patent angemeldet, mit dem Brustkrebs anhand nur eines Tropfens Blut deutlich früher als bisher diagnostiziert werden kann. Die Anzahl der Fehldiagnosen liege, so das Unternehmen, dabei weit unter denen der Mammographie.

Brustkrebs anhand nur eines Tropfens Blut deutlich früher als bisher diagnostizieren: mit dem Metabolomic-Kit von Biocrates © Biocrates

Das neue Verfahren beruht auf den Metabolomik-Kits von Biocrates. Bereits im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler aus Italien mit diesen Kits eine Methode entwickelt, mit der die Erfolgsaussicht einer häufig verwendeten Chemotherapie bei Brustkrebs vorhergesagt werden kann.

188 Metabolite charakterisieren

Bei den Metabolomik-Kits von Biocrates können in einem Standard-Massenspektrometer aus einem einzigen Bluttropfen bis zu 188 Metabolite charakterisiert werden. Laut Unternehmensangaben kann mit keinem anderen Kit derzeit so breit gefächert getestet werden. Innerhalb kurzer Zeit ist es nun gelungen, mit diesen Kits zu neuen Erkenntnissen sowohl in der Früherkennung als auch in der Behandlung von Brustkrebs zu gelangen.

Bei dem neuen Verfahren werden mit den Kits tumorspezifische Veränderungen der Metabolit-Mengen im Blut gemessen. Die von Biocrates gewonnenen Daten belegen, dass Brustkrebs so nicht nur deutlich früher diagnostiziert werden kann, sondern auch die Anzahl der fälschlich als positiv diagnostizierten Patientinnen deutlich geringer ist als bei der derzeit üblichen und nicht unumstrittenen Mammographie. Das könnte die Brustkrebsvorsorge nach Einschätzung des Unternehmens revolutionieren.

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Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler am National Cancer Institute in Aviano, Italien, mit den Kits von Biocrates bereits eine Methode entwickelt, mit der der Erfolg einer Brustkrebstherapie bereits vor Beginn der Behandlung vorhergesagt werden kann. Die Methode findet bei einer der aggressivsten Brustkrebsformen mit besonders schnellem Tumorwachstum und schneller Tumorausbreitung Anwendung, die mit einem auffällig hohen Level des Proteins HER2 einhergeht.

Jährlich erkranken rund 500 000 Patientinnen weltweit an diesem gefährlichen HER2-positiven Brustkrebs. Sie werden in der Regel mit dem Antikörper Trastuzumab behandelt. Wenngleich Trastuzumab einen wesentlichen Fortschritt in der Therapie dieses aggressiven Tumors darstellt, bleibt die Behandlung bei mindestens der Hälfte aller Patientinnen ohne Erfolg. Sie durchleiden aber dennoch die typischen, schweren Nebenwirkungen und durch die mehrere Tausend Euro pro Monat teure Therapie entstehen immense Kosten ohne jeden Nutzen.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei Frauen, die positiv auf die Therapie ansprachen, ein signifikant geänderter Anteil der beiden Metabolite Spermidin und Tryptophan im Blut nachgewiesen werden konnte. Anhand dieser Ergebnisse könnten in Zukunft gezielt nur die Patientinnen mit Trastuzumab behandelt werden, bei denen von vornherein bekannt ist, ob die Therapie wirkt.

Derzeit wird an der Bestätigung der vielversprechenden Ergebnisse gearbeitet. Vor Anwendung in der diagnostischen Routine müssen noch weitere Studien durchgeführt werden, so das Unternehmen.

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