Interview

Neues in der Akkreditierung

Worauf müssen sich Unternehmen einstellen, die nach dem 1. Juli 2018 akkreditiert werden? Wirtschaftsingenieur Dr.-Ing. Stephan Finke ist Geschäftsführer der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS). Wir haben ihn zu den jüngsten Neuerungen befragt.

Dr.-Ing. Stephan Finke, Geschäftsführer der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) © DAkkS

LABO: Herr Dr. Finke, seit dem 1. Juli hat sich die Gebührenverordnung geändert. Warum war die Neuerung überhaupt notwendig?

Finke: Mit der neuen Gebührenverordnung hat das Bundeswirtschaftsministerium die Gebührenberechnung für die nationale Akkreditierungsstelle erstmals seit ihrem Start im Jahr 2010 rechtlich und kostenspezifisch angepasst und an die in vielen Behörden übliche Praxis angeglichen. Denn einmal davon abgesehen, dass die DAkkS bis zum 1. Juli ihre Gebühren über Pauschalen und Rahmengebühren berechnet hat: Zeitgebühr und Aufwandserfassung sind für den öffentlichen Bereich nichts Exotisches. Auch im privatwirtschaftlichen Bereich ist eine – teilweise minutengenaue – Aufwandserfassung gang und gäbe. Insofern macht die neue Gebührenverordnung Akkreditierung wirtschaftlicher.

LABO: Können Sie das näher ausführen?

Finke: Zum einen bemisst die neue Gebührenverordnung unsere eigene Leistung genau und sichert die zwingend erforderliche Kostendeckung der DAkkS. Das war bisher nicht so. Zum anderen bietet das neue Gebührensystem aber auch unseren Kunden die Möglichkeit, Einfluss auf die Akkreditierungskosten zu nehmen. Denn eine optimale Vorbereitung auf Kundenseite kann den Aufwand und die Bearbeitungszeit positiv beeinflussen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad ist der Aufwand also von den Laboren selbst steuerbar. Die Verordnung ermöglicht damit eine präzise und gerechte Abrechnung, da in den Akkreditierungsverfahren viertelstundengenau der Aufwand erfasst wird. Die Nachvollziehbarkeit der Gebühren wird grundsätzlich erhöht.

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LABO: Wie werden die Kosten einer Akkreditierung seit 1. Juli berechnet?

Finke: Das Gebührenrecht des Bundes betont, dass Leistungen der öffentlichen Verwaltung nach "individuellem Verbrauch" abgerechnet werden sollen – also über zeitlichen Aufwand. Deshalb werden die Leistungen der DAkkS zukünftig über eine Zeitgebühr aufwandsbezogen und damit noch präziser berechnet. Alle Gebührenbescheide der DAkkS werden dann den tatsächlichen Zeitaufwand pro Leistung enthalten. Außerdem wird der Einsatz von Begutachtern in Zukunft viertelstundengenau abgerechnet, nicht wie bisher nach Tagessätzen. Reisezeiten werden in Zukunft ebenfalls auf 15 Minuten genau nach Zeitaufwand abgerechnet. Das ersetzt die bisherige Regelung über Reisezeitpauschalen.

LABO: Wie ist das geregelt, wenn ein Unternehmen den Antrag zur Akkreditierung vor dem 1. Juli 2018 gestellt hat, der Audittermin aber nach dem 1. Juli 2018 liegt? Nach welcher Gebührenverordnung wird dann abgerechnet?

Finke: Entscheidend ist ausschließlich der Eingang des Antrags bei der DAkkS. Wurde der Antrag vor dem Inkrafttreten, sprich bis einschließlich 30. Juni 2018, bei der DAkkS gestellt, so gilt bei der Abrechnung der beantragten Leistung noch vollständig die alte Kostenverordnung aus dem Jahr 2009.

LABO: Sind für die Dauer bestimmter Begutachtungsschritte feste Zeiten vorgesehen?

Finke: Feste Zeiten widersprechen sowohl dem Gedanken des Aufwandsbezugs als auch der Risikoorientierung des Begutachtungsaufwands, wie ihn die neue Akkreditierungsnorm 17011 von uns fordert. Aber natürlich erhalten unsere Begutachter Vorgaben für die Dauer bestimmter Leistungen, von denen sie nur nach Rücksprache mit der zuständigen Abteilung abweichen dürfen.

LABO: Werden Akkreditierungen in Zukunft weiterhin befristet sein?

Finke: Erst einmal ja. Zwar hat die DAkkS die notwendigen Schritte eingeleitet, um die im Bundesanzeiger bekannt gemachte Regel 71 SD 0 001 vom 29.8.2012 (BAnz AT 14.05.2013 B1) zurückzuziehen, in der die Befristung von Akkreditierungen vorgesehen ist. Dieser Prozess zur Zurückziehung der Regel ist noch nicht abgeschlossen. Da die DAkkS allerdings die noch bestehende Regel gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 AkkStelleG anwenden muss, darf sie derzeit noch nicht auf die Befristung verzichten.

Um Nachteile durch diese Verzögerung zu vermeiden, empfiehlt die DAkkS allen Konformitätsbewertungsstellen, die ab dem 1. Juli 2018 eine Akkreditierung mit Befristung erhalten, mit einem einfachen Postschreiben Widerspruch – ausschließlich gegen die Befristung – einzulegen. Dies ermöglicht es der DAkkS, nach erfolgreicher Zurückziehung der Regel die Akkreditierung unbefristet zu erteilen. Dies ist nicht mit Mehrkosten für Konformitätsbewertungsstellen verbunden.

LABO: Gibt es weitere Änderungen?

Finke: Zeitgleich zum Start der neuen Gebührenverordnung haben wir ein neues Überwachungskonzept eingeführt. Das geht zurück auf die Ende November 2017 erschienene Revision der Norm ISO/IEC 17011, die einen risikobasierten Ansatz für die Überwachung vorschreibt. Die regelmäßige Begutachtung aller akkreditierten Stellen ist ein zentraler Bestandteil einer Akkreditierung. Die verfahrensspezifische Risikobewertung des neuen Überwachungskonzeptes wird zukünftig mehr Flexibilität bei Intervall und Umfang von Überwachungsbegutachtungen ermöglichen. Ist die akkreditierte Stelle nach objektiven Kriterien und bisherigen Erfahrungen als stabil einzustufen, reduziert dies den Begutachtungsaufwand zur Feststellung ihrer Kompetenz.

LABO: Vielen Dank für diese Informationen, Herr Dr. Finke.

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