Die jährliche GMP-Schulung

„Bitte nicht schon wieder!“

Jedes Jahr aufs Neue heißt es: „Unsere GMP-Schulung steht wieder an“. Oft bricht hierbei bei den Kolleginnen und Kollegen nicht gerade ein Jubelsturm der Freude aus. Immer wieder wird die Sinnhaftigkeit dieser kontinuierlichen und wiederkehrenden Schulungen in Frage gestellt – viel häufiger übrigens als beispielsweise Arbeitssicherheitsschulungen.

Es geht noch nicht einmal darum, warum GMP wichtig ist. Die allermeisten Schulungsteilnehmer haben ein ausgezeichnetes Verständnis für die Sinnhaftigkeit der GMP-Regeln. Der Unmut bezieht sich meistens ausschließlich auf die Schulung an sich. Da nützt es in der Regel auch nur wenig, wenn der Trainer betont, dass der §4 Abs. 1 der AMWH ( = Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung) eine fortlaufende Schulung des im GMP-regulierten Bereich beschäftigten Personals vorschreibt.

Sobald dann die Agenda für den Tag aufgeblättert wird, folgt meistens das zweite Aufstöhnen; „Schon wieder „Dokumentation!“. Es ist richtig, dass die Themenvielfalt im Labor hinsichtlich GMP-Themen endlich ist und sich zwangsläufig Themen wiederholen müssen. Der Trainer wird an dieser Stelle besonders gefordert, die Inhalte entsprechend anschaulich und didaktisch werthaltig aufzubereiten.

Regelmäßig klagen Teilnehmer über eine schiere Folienschlacht, ausgefochten am Beamer in nahezu monotonem Frontalbetrieb; manche Trainer nutzen gar bis zu 200 Folien pro Tag – nur im Kino sieht man mehr Bilder pro Sekunde! Bemerkenswert ist das immense Wissenspaket, das der Teilnehmer bereits am Ende des Seminartages schon wieder vergessen hat. Am liebsten sollen alle GMP-Themen an nur einem Tag und in einer außerordentlichen Detailtiefe vermittelt werden. Merken kann sich das leider niemand. Zwar wird der Lernerfolg am Trainingsende gemonitored, immerhin ist auch dies eine essenzielle Forderung des bereits oben bemühten Paragraphen, doch der nachhaltige Lernerfolg wird allzu oft leider nicht beachtet.

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Präsenz-Veranstaltung oder E-Learning?
Immerhin wird häufig noch in Präsenz geschult. Hier haben die Teilnehmer die Chance, nicht verstandene oder unklare Inhalte beispielsweise aus SOPs mit dem Trainer zu klären. Manchmal sind die definierten Prozesse auch zu ungenau beschrieben, so dass ein Präsenztraining auch dazu genutzt werden kann, wertvollen Input für die Verantwortlichen (Leitung der Qualitätskontrolle, aber auch Vorgesetzte) zu generieren.

Leider glauben immer wieder einige, man könne sich die Präsenzveranstaltungen insgesamt sparen und die Inhalte ausschließlich mittels E-Learning vermitteln. Dieses Vorgehen ist zu bejahen, insofern ausschließlich die Erfüllung der Pflichten aus den Regelwerken gilt. Wer hingegen Wert auf nachhaltigen Lernerfolg einerseits legt und diese Schulungen „als Aufhänger“ andererseits nutzt, aus der Mannschaft Ideen und Vorschläge für Prozessverbesserungen und Effizienz zu gewinnen, wird dauerhaft besser mit einem Präsenzkonzept beraten sein. E-Learnings sind allerdings hervorragend geeignet, dem Thema Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen. So lassen sich spezifische Inhalte nach einer gewissen Zeit über E-Learning-Module bzw. elektronische Fragenpools in geeigneter Weise wiederholen und vertiefen.

Es heißt oft, weniger sei mehr. Die Akzeptanz von GMP-Schulungen wird erfahrungsgemäß signifikant erhöht, wenn in einer Schulung nur ein bis zwei Schwerpunktthemen bearbeitet werden, die in einem gesunden Methodenmix vermittelt werden. Am wichtigsten jedoch ist die Verknüpfung der eher theoretisch anmutenden Inhalte mit der Realität vor Ort. So kann viel über die Auslegung zur richtigen Durchführung eines Double-Checks diskutiert werden. Wenn die Realität vor Ort jedoch vollkommen anders aussieht, bleibt die Diskussion eher philosophisch und wenig praktisch.

Um Veränderungen zu bewirken, wie z.B. die innere Einstellung zu GMP-Schulungen, bedarf es oft des Muts des Trainers, auch einmal etwas Ungewöhnliches und Unerwartetes zu tun – und Auftraggeber-seitig auch tun zu dürfen. Die Teilnehmer erwarten oft schon eine Beamershow, aber was passiert wohl, wenn man andere Wege beschreitet?

Auch diesen Qualitätstipp möchte ich gerne mit einem Zitat schließen:
„Was man am wenigsten gern wechselt, sind, neben der Behausung, die Gedanken“
(André Gide, frz. Schriftsteller, *1869, †1951).

Michael Klosky, B.Sc.
Novia Chromatographie- und Messverfahren GmbH
Tel. 069 305-43843
Michael.Klosky@provadis-novia.de

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