Röntgenphasenkontrast-Technik vereinfacht

Verbesserte Bildgebung durch spezielle Streuung

Mit der Röntgenphasenkontrast-Methode lassen sich hochqualitative Bilder von Objekten mit nur geringer Strahlendosis aufnehmen. Bis jetzt sind solche Aufnahmen aber nur schwer zu erzeugen, da, unter anderem, spezielle Strahlenquellen nötig sind, die nur in großen Teilchenbeschleuniger-Anlagen vorkommen.

Mit der dem neuen experimentellen Aufbau für die Röntgenphasenkontrast-Technik lassen sich gleichzeitig drei Bilder aufnehmen: ein Abschwächungsbild (links), ein Phasenkontrast-Bild (Mitte) und ein Dunkelfeld-Bild (rechts). Als Mikroskopieobjekt verwendeten die Wissenschaftler eine Spielzeugblume aus Plastik mit einer hölzernen Halterung. (Bild: I. Zanette / TUM)

Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM), des Royal Institute of Technology in Stockholm (KTH) und des University College London (UCL) haben jetzt gezeigt, dass verlässliche Phasenkontrastaufnahmen schon mit einem sehr einfachen Versuchsaufbau und einer Laborstrahlenquelle von extrem hoher Strahlkraft produziert werden können.

Die Röntgenphasenkontrast-Technik nutzt für die Erstellung von Bildern die Brechung der Röntgenstrahlen beim Durchtritt durch das Objekt, und nicht, wie beim herkömmlichen Röntgen, die Abschwächung (Absorption). Bilder, die mit dieser Methode erzeugt werden, sind deshalb oft von sehr viel höherer Qualität als die Absorptionsbilder. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Franz Pfeiffer arbeiten daran, grundlegend neue Ansätze für die biomedizinische Bildgebung und Therapie mit Röntgenstrahlen zu entwickeln - einschließlich der Röntgenphasenkontrast-Technik. Ein Hauptziel ist es, diese Methode in Zukunft auch für die Diagnose von Krebs oder Osteoporose in der Klinik einsetzbar zu machen.

Anzeige

In ihrer neuen Studie haben die Wissenschaftler jetzt einen extrem einfachen Aufbau für Röntgenphasenkontrast-Bilder entwickelt. Um die Bildinformationen zu erhalten, wählten sie einen ungewöhnlichen Weg: Sie streuten die Röntgenstrahlen auf eine spezielle Weise, so dass zufällige Strukturen entstanden. Diese "speckles", wie sie in Fachkreisen genannt werden, liefern eine Vielzahl von Informationen über das Objekt, das sie durchdringen. Die gestreuten Röntgenstrahlen werden mit einer hochauflösenden Röntgenstrahl-Kamera aufgefangen und die Informationen daraufhin durch Analysieren der Daten gewonnen.

Hohe Genauigkeit und neuartige Röntgenquelle
Die Forscher konnten zudem zeigen, wie effizient und vielfältig ihr Ansatz ist. "Aus einer einzigen Messung bekommen wir drei unterschiedliche Bilder des Objekts: ein Abschwächungsbild, ein Phasen-Bild und eine Dunkelfeld-Aufnahme", erklärt Dr. Irene Zanette, leitende Wissenschaftlerin der Studie. "Das Phasen-Bild kann genutzt werden, um die projizierte Dicke des Objekts sehr genau zu messen. Mit Hilfe des Dunkelfeld-Bildes lassen sich darüber hinaus kleinste Strukturen wie Fasern oder Risse sichtbar machen, die sonst nicht aufgelöst werden könnten", fügt sie hinzu.

Eine hohe Strahlkraft der Quelle ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, um Phasenkontrastaufnahmen erzeugen zu können. "In unserem neuen Versuchsaufbau verwenden wir einen Strahl aus flüssigem Metall zur Röntgenerzeugung in der Quelle und nicht - wie bei üblichen Laborquellen - festes Material", sagt Tunhe Zhou vom KTH Stockholm, Projektpartner der TUM. "Das erlaubt uns, hohe Intensitäten zu erzeugen, die wir für Phasenkontrastaufnahmen brauchen, ohne dabei die Strahlenquelle zu zerstören." Um die unterschiedlichen Bilder gleichzeitig zu erstellen, scannt ein spezieller Algorithmus die "speckles" und analysiert genau, wie sich ihre Form und Position verändern, wenn sich eine Probe im Strahl befindet.

Aber nicht alle Komponenten des neuen experimentellen Aufbaus sind High-Tech. Um die Röntgenstrahlen speziell zu streuen, fanden die Wissenschaftler eine billige und einfache Lösung: "Wir haben festgestellt, dass ein einfaches Sandpapier hierfür perfekt geeignet ist", erklärt Irene Zanette.

Die Wissenschaftler arbeiten bereits an den nächsten Schritten. "Die neue Technik braucht nur eine Aufnahme und wäre daher auch geeignet, sie in Richtung Phasenkontrast-Tomographie zu erweitern. Das würde uns 3D-Einblicke in die Mikrostruktur des untersuchten Objekts ermöglichen", beschreibt Zanette die Pläne der Wissenschaftler.

Originalpublikation:
I. Zanette, T. Zhou, A. Burvall, U. Lundström, D. H. Larsson, M. Zdora, P. Thibault, F. Pfeiffer, and H. M. Hertz. Speckle-based X-ray Phase-contrast and Dark-Field Imaging with a Laboratory Source. Phys. Rev. Lett., 2014. DOI: 10.1103/PhysRevLett.112.253903

Kontakt:
Lehrstuhl für Biomedizinische Physik & IMETUM
Technische Universität München
Prof. Dr. Franz Pfeiffer
Inhaber des Lehrstuhls für Biomedizinische Physik
franz.pfeiffer@tum.de

Dr. Irene Zanette
Postdoktorandin
irene.zanette@tum.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Nervenzellen sichtbar gemacht

Kartierung des Kleinhirns

Das menschliche Kleinhirn beherbergt auf 10 Prozent des Gehirnvolumens etwa 80 Prozent aller Nervenzellen – auf einen Kubikmillimeter können also über eine Million Nervenzellen entfallen. Ihre genauen Positionen und Nachbarschaftsbeziehungen sind...

mehr...
Anzeige

The Power of Multiomics

Erfahren Sie in unserem White Paper „Unlocking the Power of Multiomics“ wie die Verknüpfung von Lipidphenotyp und Genotyp geholfen hat Herzkreislauferkrankungen besser vorherzusagen.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Perfekte GCMS-Ergebnisse dank Shimadzu NX-Technologien
Shimadzu erweitert die Singlequad- und Triplequad-GCMS um den Gaschromatographen GC-2030. Damit werden Analysen präziser, Wartungsarbeiten vereinfacht und die Geräteauslastung maximiert.

Zum Highlight der Woche...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite