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Editorial, 01-02-2011

Anschluss verpasst?

Vor einem guten halben Jahr hatte ich ein Erlebnis, das ich Ihnen, liebe Leser, im Folgenden schildern möchte. Alles fing damit an, dass ich einen Bekannten im Krankenhaus besuchen wollte. Glücklicherweise hatte er die Operation gut überstanden und so fuhr ich einige Tage später nach Feierabend zu ihm. Der Besucherparkplatz war bereits ziemlich ausgelastet, als ich ankam, und so war ich froh, wenigstens ganz am Ende der riesigen Stellfläche noch ein Plätzchen für mein Auto zu finden. Als ich dann über den Parkplatz in Richtung Klinik gehe, höre ich plötzlich hinter mir ein eigenartiges Surren und blicke erschrocken über meine Schulter. Was ich sehe, ist wirklich kein Grund zu erschrecken: Ein weißer Mittelklassewagen fährt da in Schrittgeschwindigkeit, allerdings ist er mir doch ziemlich „auf die Pelle gerückt“, so dass ich schnell einen Schritt zur Seite mache. Seltsam: Wieso habe ich das Auto nicht schon früher bemerkt, frage ich mich. Als der Wagen dann an mir vorbei ist, erkenne ich die Ursache dafür: Es handelt sich um ein japanisches Hybridfahrzeug, das leise surrend im Elektromodus unterwegs ist.

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Vorfälle wie diesen dürfte es in nächster Zeit häufiger geben. Denn der langfristige Trend geht bei Kraftfahrzeugen eindeutig in Richtung elektrischer Antrieb. Mindestens eine Million Elektromobile sollen 2020 auf Deutschlands Straßen fahren, so sieht es jedenfalls der „Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität“ der Bundesregierung vor. Allerdings sei erwähnt, dass einige Fachleute diese Planung für unrealistisch oder zumindest für sehr ambitioniert halten. Zum Vergleich: 2010 waren hierzulande 42 Millionen Pkw angemeldet. Eine andere, viel wichtigere Frage stellt sich zudem in diesem Zusammenhang: Ist die deutsche Autoindustrie, die zweifellos zur Weltspitze gehört, überhaupt in der Lage, auf absehbare Zeit alltagstaugliche und dabei bezahlbare Elektromobile herzustellen? Oder muss sie sich der ausländischen Konkurrenz geschlagen geben? Während die Japaner bereits seit einigen Jahren Hybridfahrzeuge anbieten, haben deutsche Automobilhersteller gerade erst damit begonnen. Und bei Fahrzeugen, die ausschließlich per Elektromotor fahren, haben fernöstliche Autobauer ohnehin die Nase vorn. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass Japaner, Koreaner und auch Chinesen über leistungsfähigere Batterietechnologien verfügen als heimische Unternehmen.

Glücklicherweise hat man hierzulande dieses Manko erkannt und so wurden in den letzten Monaten in Deutschland zahlreiche Kooperationen zwischen Industriefirmen und Forschungseinrichtungen geschmiedet, um die Batterieentwicklung voranzutreiben. Für viele F & E-Vorhaben gibt es zudem staatliche Zuschüsse. Ein aktuelles Beispiel für solch eine Kooperation ist das Gemeinschaftslabor BELLA, das von der BASF und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) initiiert wurde. BELLA steht für „Batteries and Electrochemistry Laboratory“. Hier sollen innovative Batteriematerialien entwickelt werden, die höhere Speicherkapazitäten bei geringerem Gewicht und längere Haltbarkeit ermöglichen. Einen dreistelligen Millionenbetrag wolle die BASF in den nächsten fünf Jahren in das Thema Batterien investieren, verkündete Vorstandsmitglied Dr. Andreas Kreimeyer kürzlich in Ludwigshafen.

Doch ob die geplante Aufholjagd, die Deutschland zum „Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität“ machen soll – so die großspurige Absichtserklärung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) – wirklich gelingt? Kooperationen und Netzwerke forcieren schließlich auch die anderen Industrieländer, wobei insbesondere China, aber auch die USA, deutlich mehr Fördergelder in entsprechende Projekte investieren als Deutschland. Zudem steht diesen Ländern eine weitaus größere Zahl an Elektrochemikern und Ingenieuren zur Verfügung. Skepsis ist meiner Meinung nach deshalb angebracht. BASF-Vorstand Kreimeyer sieht die Sache so: „Sofern wir entschieden und schnell handeln, können wir den Abstand zur asiatischen Konkurrenz bei zukünftigen Batteriekonzepten aufholen.“ Hoffen wir, dass er Recht hat.

Jürgen Wagner

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