Das Porträt

Das Porträt

9 Fragen an Dr. Andreas Stroh, Varian

Was reizt Sie besonders an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Der Umgang mit unseren Kunden und das Führen eines Teams hochqualifizierter und kompetenter Kolleginnen und Kollegen. Wir haben die Belegschaft in Darmstadt in den letzten Jahren – entgegen dem Trend in anderen Unternehmen – kontinuierlich ausgebaut und in allen Bereichen Personal eingestellt. Man lässt uns weitgehend freie Hand, unser Geschäft so zu betreiben, wie wir es für die Dynamik der Märkte und lokalen Gegebenheiten benötigen, um erfolgreich zu sein. Mit der Ausrichtung unserer Teams auf die sich stetig veränderten Anforderungen der Märkte hatten wir innerhalb des Konzerns eine Vorreiterrolle. Da wir uns regelmäßig mit neuen Technologien (aus eigener F&E oder durch Akquisitionen) beschäftigen können, ist unser Business nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern in vielen Bereichen auch sehr spannend – man ist sozusagen immer am Puls der Zeit.

Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?

Die Zielvorgaben werden in einem 3-Jahresplan definiert und dann in die einzelnen Regionen runtergebrochen. Im Bereich Scientific Instruments soll bis zum Jahr 2007 die 1 Mrd. $ Grenze erreicht werden, wobei eine Umsatzrendite von 14 % erzielt werden soll. Ein Schwergewicht wie Deutschland kann hier natürlich einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum leisten. Wir haben klar definierte Strategien für die weitere Entwicklung des Geschäfts in den nächsten Jahren.

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1. Wachstum durch eigene Innovationen: Durch einen stetig steigenden Etat für F&E haben wir neue innovative Produkte, entsprechend den Markterfordernissen, entwickelt und in den Markt gebracht. Dies werden wir weiter fortführen.

2. Wachstum durch Akquisitionen: Unsere „Kriegskasse“ ist nach wie vor gefüllt und wir halten permanent Ausschau nach geeigneten Unternehmen, die unsere anspruchsvollen Kriterien erfüllen und eine geeignete Verstärkung oder Ausbau der bestehenden Produkte bieten. Jüngstes Beispiel ist die Übernahme von Polymer Labs. im November 2005, einer Firma mit Weltklasseprodukten für die Polymer-Analytik.

3. Steigerung des Umsatzes im after sales Business: Ein nicht zu unterschätzender Aspekt in der weiteren Ent­wicklung ist der Bereich Pro­benvorbereitung und Ver­brauchsmaterialien. Dieses Seg­ment wird durch eine eigene Vertriebsmannschaft gesteuert und der Anteil am Gesamtumsatz weiter gesteigert.

Wo liegen die besonderen

Herausforderungen für Sie?

Gemäß unseren Zielvorgaben, die Abläufe weiter zu optimieren und die Teams weiter auf- und ausbauen, damit wir gemeinsam unsere Ziele übertreffen können. No Growth is not an Option – wir wollen nicht nur erfolgreich, sondern unseren Markbegleitern immer einen Schritt voraus sein. Ich möchte nicht soweit wie Larry Ellison von Oracle gehen, der gesagt hat: „Es reicht mir nicht erfolgreich zu sein, ich möchte, dass andere Unternehmen scheitern.“ Aber wir streben ganz klar die Marktführerschaft in allen Bereichen, in denen wir tätig sind, an.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?

Ich denke, einer meiner Stärken liegt sicher darin, dass ich ursprünglich aus der Applikation bzw. dem Produktmanagement komme und damit auch bis heute nie den Bezug zur Basis verloren habe. Mit Basis meine ich hier den täglichen Ablauf im Labor und die stetig steigenden Anforderungen an die Anwender seitens der Unternehmen. Teamgeist und Motivation sind ausgeprägt, denn das wichtigste Kapital eines Unternehmens sind seine Angestellten. Da ich an mich selbst sehr hohe Ansprüche stelle, erwarte ich auch sehr viel von meinen Kollegen.

Wie beurteilen Sie die

derzeitige wirtschaftliche

Lage in Deutschland?

Es scheint eine deutsche „Untugend“ zu sein, immer alles schlecht zu reden oder zuerst das Negative zu suchen, warum etwas nicht gehen kann. So schlecht ist die Lage doch gar nicht, aber der mit den Neuwahlen im Herbst erwartete Aufschwung ist ins Stocken geraten, weil die notwendigen Reformen zerredet und verwässert oder nicht mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt werden.

Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?

Wenn es nach unseren Wirtschaftsweisen geht, dann ist für 2006 und 2007 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bzw. 1,1 % prognostiziert – man wird sehen, ob sich das auch positiv auf unsere Branche auswirkt. Im ersten QRT unseres Geschäftsjahres (Okt. 05 – Dez. 06) hatten wir ein gutes Wachstum und es gibt Zeichen, dass sich das weiter fortsetzt. Ich stehe der weiteren Entwicklung deshalb sehr positiv gegenüber.

Was sind die größten

Risiken/Risikofaktoren?

Deutschland ist Export-Weltmeister im Jahr 2005, also birgt der Euro/Dollar-Wechselkurs ein gewisses Risiko. Die mangelnde Bereitschaft zur Veränderung und die Kosten der Unternehmen im Vergleich zu Standorten in anderen Ländern sind sicher wesentliche Faktoren. Noch haben wir einen Vorteil in Kompetenz und Qualitätsbewusstsein unserer Arbeitnehmer – aber wir dürfen auch hier nicht schlafen.

Wo liegen die

Märkte der Zukunft?

Wenn wir das nach Anwendungsgebieten und nach regionalen Gegebenheiten betrachten, dann muss ich diese Frage mit 2 Sätzen beantworten. Einer der stärksten Wachstumsmärkte für uns ist der Bereich der Information Rich Detection – das sind im Wesentlichen die massenspektrometrischen Verfahren sowie die NMR und Imaging Technologien oder eine Kopplung dieser Systeme. Also alles, was dem Anwender ein zusätzliches Maß an wertvollen Informationen und damit einen Vorteil bietet. Die global am stärksten wachsenden Regionen sind sicherlich China und Indien, gefolgt von den Staaten, die im Rahmen der EU Osterweiterung zu unserem Wirtschaftsgebiet gekommen sind, und nicht zuletzt Lateinamerika.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?

Lassen Sie mich hier mit einen Spruch frei nach Dalai Lama antworten: In welcher Situation wir uns auch befinden, es ist immer möglich, etwas Positives zu finden.

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