Fachbeitrag

Herausforderung QM

Wie lässt sich Qualitätsmanagement im medizinischen Laboratorium umsetzen?

Andrea Michelsen*)

  1. Fachrichtungsvorsitzende Laboratoriums- und Veterinärmedizin im Deutschen Verband Technischer Assistentinnen und Assistenten in der Medizin e.V. (dvta).


Ob man´s glaubt oder nicht: Das Gesundheitswesen ist bei der Einführung von Qualitätsmanagement-Standards im Vergleich zu vielen anderen Branchen noch immer zögerlich. Zumindest auf den ersten Blick verwundert das. Denn sensible Arbeitsfelder wie das medizinische Laboratorium, die Radiologie oder die Funktionsdiagnostik verlangen natürlich hohe Qualitätsstandards.


Nach dem Willen des Gesetzgebers gilt für Krankenhäuser und Arztpraxen seit dem 1. Januar 2004 die Verpflichtung „einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln“ (SGB V, § 135a, Abs. 2). Zahlreiche Krankenhäuser mit medizinischen Laboratorien sind dieser Bestimmung bereits nachgekommen oder führen zurzeit ein Qualitätsmanagement (QM) ein. Zögerlicher ist die Reaktion zurzeit noch bei den Arztpraxen.

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Bei dieser Feststellung sollte man jedoch nicht vergessen, dass das Gesundheitswesen ohnehin eine stark regulierte Branche ist, die zahlreichen Gesetzen, Verordnungen und Sonderbestimmungen unterworfen ist.

Verschiedene QM-Systeme

In diesem Spannungsfeld – Bürokratie versus zusätzlichen Qualitätsgewinn – bewegt sich die Frage um die Einführung von QM-Standards im Gesundheitswesen. Klinikleitungen, Ärzte, aber auch leitende Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) stellen sich die Frage: „Was bringt uns die Einführung eines QM-Systems?“

Um die Chancen eines guten Qualitätsmanagements in Kliniken zu betonen, hat der QM-Experte Professor Rolf Hildebrand ein anschauliches Leitbild formuliert:

„Schwierige Zeiten [...sind] mit Spitzenergebnissen erfolgreich zu meistern. Mit Patienten, die das Lob des Hauses weiter tragen. Daraus resultierend mit vorzüglichen ökonomischen Ergebnissen. Mit den besten Mitarbeitern, die sich keinen besseren Arbeitgeber vorstellen können. Mit dem Ruf eines – in jeder Hinsicht – vorbildlichen Unternehmens.“

Das Verfolgen dieser hohen, sicherlich berechtigten Ansprüche fällt im Berufsalltag nicht immer leicht. Denn schon der erste Schritt, die Entscheidung für ein bestimmtes QM-System, ist angesichts der vielen Auswahlmöglichkeiten nicht ganz einfach. Krankenhäuser wählen in der Regel zwischen drei Wegen:

  • QM-Systeme wie DIN EN ISO 9001, 15189, 17025 u.a.
  • Das Excellence-Modell EFQM.
  • Kriterienkataloge zur Selbst- und Fremdbewertung wie KTQ, ProCumCert oder JCIA.

Noch schwieriger ist die Auswahl oft für Ärzte. Denn hier hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ein eigenes QM-Programm aufgelegt (QEP), außerdem gibt es weitere zahlreiche regionale Ansätze.

Ausbildung zum Qualitätsbeauftragten

Im sensiblen Bereich des medizinischen Laboratoriums sind es häufig die Medizinisch-Technischen Assistentinnen und Assistenten, die sich in Sachen Qualitätsmanagement engagieren. Für unseren Verband besonders erfreulich ist es, dass sich bereits über 200 MTA zu Qualitätsbeauftragten haben ausbilden lassen, 35 von ihnen zu Qualitätsmanagern. Die Ausbildungsgänge werden von unserer Bildungsgesellschaft gemeinsam mit dem TÜV Nord angeboten.

Im Mittelpunkt des Qualitätsmanagements medizinischer Laboratorien stehen unter anderem folgende Punkte:

  • Geregelte Verfahren zur Sicherstellung der Qualität bei Präanalytik, Analytik und Postanalytik durch Validations- und Verifikationsabläufe.
  • Die Sicherung aller qualitätsrelevanter Prozesse und die kontinuierliche Verbesserung des QM-Systems (KVP = kontinuierlicher Verbesserungsprozess).
  • Aufbau und Betrieb eines Beschwerde- und Fehlermanagement, um bestehende Fehler zu erkennen und insbesondere Fehler künftig zu vermeiden.

Ein Beispiel aus der Praxis: Unter Leitung der Medizinisch-Technischen Assistentin Waltraud Malms-Fleschenberg wurde ein medizinisches Laboratorium mit mikrobiologischem Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen akkreditiert. Bereits seit drei Jahren führt das Labor Qualitätsmanagement in der mikrobiologischen Abteilung durch, seit dem Jahr 2005 im gesamten Laboratorium. Seitdem wurden mit den entsprechenden QM-Maßnahmen vor allem folgende Erfolge erzielt:

  • Anleitungen für Mitarbeiter werden schriftlich niedergelegt. Das erleichtert nicht nur die Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf diese Weise wird auch ein schneller Einstieg für Rückkehrerinnen nach dem Mutterschutz erleichtert. Eine entscheidende Frage für den sehr stark weiblich geprägten MTA-Beruf.
  • Zuständigkeiten und Kompetenzen wurden klar festgelegt. Dies führte im Labor auch zu einer klaren Schnittstellendefinition in der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, Kooperationspartnern oder Kunden. Doppelte Arbeitsgänge gehören seitdem der Vergangenheit an. Jeder Mitarbeiter kann sich jederzeit über einen aktuellen Projektstand informieren. Gewonnenes Know-how wird gesichert.
  • Im medizinisch-technischen Bereich besonders wichtig: Die regelmäßige Überprüfung der Laboratoriums-Technologie und ihrer Analysenergebnisse. So wird zum Beispiel sichergestellt, dass bei der Messung von Leberwerten alle Messwerte am Anfang, im Laufe und am Ende eines Analysenverfahrens absolut stimmig sind. Bei den langwierigen, mehrstündigen Messverfahren durchaus keine Selbstverständlichkeit!

Fazit

Diese Beispiele zeigen: Die Aufgaben im Qualitätsmanagement eines Laboratoriums bedürfen eines gut geschulten Personals und klar definierter Verantwortlichkeiten. Neben einer soliden Ausbildung zum QM-Beauftragten steht dabei auch der Gedanke der permanenten Fortbildung zur Weiterentwicklung des QM-Systems im Mittelpunkt.

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