Editorial
60 Jahre DNA-Aufklärung
Vor ziemlich genau 60 Jahren – liebe LABO-Leserinnen und Leser – wurde der „Code des Lebens“ geknackt, als nämlich zwei junge Wissenschaftler die Struktur der DNA entschlüsselten und damit nicht nur die Biologie revolutionieren sollten. Am 25. April 1953 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse im Magazin Nature und das in nur 900 (!) Worten – Worte, die ihr Leben und unsere Ansicht über das Leben verändern sollten!
Ich verrate Ihnen sicherlich nichts Neues: James Dewey Watson, damals gerade 24 Jahre alt, heißt der eine und Francis Crick, mit 36 schon etwas älter, der andere. Watson - Amerikaner und Biochemiker - war nach einem Stipendium in Amsterdam ans Cavendish Laboratory in Cambridge gegangen. Dort traf er den britischen Physiker Crick, der noch immer an seiner Doktorarbeit tüftelte. Beide waren keine Experimentatoren, vielmehr bastelten sie monatelang an Pappkartonmodellen herum, in denen sie die Ergebnisse anderer Forschergruppen wie Puzzlesteine zusammenfügten.
Denn dass die Gene aus DNA bestehen, hatte rund 10 Jahre vorher der Mediziner Oswald Avery entdeckt. Erwin Chargaff wiederum hatte inzwischen herausgefunden, dass in der DNA Adenin und Thymin sowie Guanin und Cytosin immer in gleichen Anteilen vorliegen (Chargaff-Regel). Desoxyribose und Phosphorsäure waren als 'Rückgrat' der DNA ebenfalls schon enttarnt. Und 1951 hatte Linus Pauling den molekularen Aufbau der Alpha-Helix in Proteinen aufgeklärt. Alles Leistungen, die man bei den damals zur Verfügung stehenden Analysentechniken gar nicht hoch genug einschätzen kann!
Das entscheidende Puzzlestück für das Forscherduo aber lieferte Rosalind Franklin am Londoner King's College. Zusammen mit ihrem Chef Maurice Wilkins nahm diese Kristallographiespezialistin die DNA mit Röntgenstrahlen "unter die Lupe". Dabei zeigte sich deren spiralförmige Struktur.
Inspiriert davon hatte Watson beim Herumhantieren mit seinen Kartonschablonen, die die vier Nukleobasen darstellten, am 28 Februar 1953 dann die Erleuchtung: Adenin und Thymin bzw. Guanin und Cytosin bildeten die Sprossen einer verdrehten Strickleiter, deren Seile aus Phosphorsäure und Desoxyribose bestanden. Die Doppelhelix war "geboren" und damit auch das Geheimnis der Vererbung gelüftet. Denn durch diese beiden komplementären Stränge lag der Kopiermechanismus für das Erbmaterial sozusagen gleich mit auf der Hand.
Watson und Crick waren sich deshalb sofort sicher, dass ihre Formel stimmte. Die Doppelhelix ist inzwischen zum Synonym fürs Leben geworden und beschäftigt uns heute noch mehr denn je!
Dr. Hans-Jürgen Hundrieser









