Editorial

Im Sog der Krise

Im vierten Quartal des letzten Jahres hat sich die Finanzkrise zu einer echten Wirtschaftsflaute entwickelt. Dass die Chemische Industrie als Rohstoff- und Materiallieferantin davon besonders betroffen sein würde war klar, jedoch nicht in welchem Ausmaß. Am 10. März, also vor wenigen Tagen, veröffentlichte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) seinen Quartalsbericht 4/2008. Die darin publizierten Kennzahlen verheißen nichts Gutes: Produktion, Erzeugerpreise und Umsätze waren in den letzten drei Monaten 2008 stark rückläufig, wobei die Geschäfte bis Oktober noch ganz gut liefen. Der VCI spricht in diesem Zusammenhang deshalb von einer „Vollbremsung“.

Besonders betroffen von der Krise war die Produktion chemischer Grundstoffe, also Anorganika, Petrochemikalien und Polymere. Hier betrug der Rückgang im letzten Quartal des Jahres 2008 gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr gut 19 % und gegenüber dem Vorjahreszeitraum (4/2007) ebenfalls 19 %. Deutlich besser schnitt die Sparte Fein-/Spezialchemikalien ab: Hier belief sich der Produktionsrückgang im vierten Quartal auf „nur“ 10 % (Umsatz: -7,7 %) und im Vergleich zu 4/2007 auf 12 % (Umsatz: -8,8 %). Die Produktion zurückfahren mussten im vierten Quartal auch die Hersteller von Wasch- und Körperpflegemitteln, und zwar um 5,4 % gegenüber dem dritten Quartal bzw. um 7,6 % im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise zeigte sich hingegen die Sparte Pharmazeutika. Hier ergibt die Gegenüberstellung von 3/2008 und 4/2008 sogar ein minimales Produktionsplus von 0,2 % (gegenüber 4/2007: +2,5 %). Medikamente werden eben stets nachgefragt – in Krisenzeiten wahrscheinlich sogar noch mehr als bei florierender Wirtschaft...

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Glücklicherweise blieb die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Chemischen Industrie bisher konstant, da die Unternehmen derzeit noch flexible Arbeitszeitmodelle und Kurzarbeit zur Bewältigung der schlechten Auftragslage einsetzen können. Ob dies so bleibt, ist abzuwarten. Denn auch im Januar war die Kapazitätsauslastung in der Produktion schlecht. „Den Rückgang der Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen auf den globalen Märkten und vor allem in der EU bekommen wir deutlich zu spüren. Wir müssen davon ausgehen, dass die Talsohle noch nicht durchschritten ist“, lautete der Kommentar von VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner zur derzeitigen Lage. Bleibt zu hoffen, dass die Konjunkturprogramme, die Deutschland und verschiedene andere Länder auf den Weg gebracht haben, schnell Wirkung zeigen.

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