Photovoltaik-Boom
China importiert große Mengen Polysilicium
Scharf ansteigende Polysilicium-Einfuhren nach China deuten auf eine neue Installationsrallye im weltgrößten Photovoltaik-Markt hin.
„Der obere Teil der PV-Wertschöpfungskette ahnt offensichtlich einen Installationsrun voraus, der noch stärker sein könnte als das, was wir in China in der ersten Hälfte 2016 gesehen haben”, sagt Johannes Bernreuter, Chef der Polysilicium-Marktforschungsfirma Bernreuter Research und Autor des Polysilicon Market Outlook 2020.
Laut der chinesischen Zollstatistik erreichten Polysilicium-Importe im Dezember 2016 ein neues Monats-Rekordhoch von 14449 t. Der aktuelle Trend ähnelt der Entwicklung vor einem Jahr. Von einem Tief von 7504 t im Oktober 2015 schnellten die Polysilicium-Importe um 33,6 % auf 10028 t im November 2015 hoch und wuchsen weiter bis zu einem Höchstwert von 13866 t im März 2016. Der Anstieg zwischen Oktober und November 2016 war sogar noch stärker: Die Polysilicium-Importe schossen um 56,5 % von 8680 t auf 13.584 t in die Höhe.
Ein Teil des rapiden Anstiegs lässt sich als Reaktion auf die geringen inländischen Produktionsmengen im September und Oktober 2016 erklären, als viele chinesische Hersteller ihre Polysiliciumfabriken zur Wartung herunterfuhren angesichts des eingebrochenen Spotpreises. Die einheimische Produktion erholte sich jedoch rasch von 12600 t im Oktober auf ein neues Hoch von 18000 t im Dezember. Zudem ist der internationale Spotpreis von seinem historischen Tief von 12,65 US-$/kg Anfang Oktober stetig gestiegen auf jetzt mehr als 16 US-$/kg.
Hauptprofiteure der hohen Importmengen sind die drei südkoreanischen Hersteller OCI, Hankook Silicon und Hanwha Chemical. Innerhalb von vier Jahren hat sich der koreanische Anteil an den gesamten Polysilicium-Einfuhren nach China mehr als verdoppelt – von 24 % im Jahr 2012 auf 50 % im Jahr 2016. „OCI und Hankook haben von geringen Importzöllen von 2,4 % bzw. 2,8 % profitiert, während US-Hersteller durch untragbare Zollraten von 53,6 % bis 57 % praktisch vom chinesischen Markt ausgeschlossen sind”, so Bernreuter. Die hohen koreanischen Importmengen haben jedoch Widerstand bei chinesischen Herstellern geweckt. Sie bezichtigen die koreanischen Importeure einer Dumping-Marge von fast 34 % und haben beim chinesischen Handelsministerium eine Halbzeit-Überprüfung der Zollraten beantragt. Am 22. November 2016 gab das Ministerium bekannt, es habe die Überprüfung eingeleitet. „Chinesische Hersteller schüren nun Spekulationen über höhere Zollraten für koreanische Importe, um den Spotpreis nach oben zu treiben”, sagt Bernreuter. Er rechnet damit, dass der internationale Spotpreis in der ersten Hälfte 2017 Richtung 17 US-$/kg klettern wird, bevor dieser wieder sinkt.










