Land ordnet Weiterbetrieb an
Deutsche Domo-Standorte bleiben im Minimalbetrieb
Die deutschen Standorte von Domo Chemicals können ihren Betrieb vorerst in einem Minimalmodus fortsetzen. Das Land Sachsen-Anhalt hat den Weiterbetrieb der Produktionsanlagen in Leuna aus Gründen der Gefahrenabwehr angeordnet.
Eine kurzfristige Stilllegung der Produktion ist damit zunächst ausgeschlossen. Hintergrund für diese Entscheidung sind die aktuellen Wetterbedingungen, unter denen ein sicheres Herunterfahren der Anlagen in Leuna derzeit nicht gewährleistet werden könne. Um Risiken für Mensch und Umwelt zu vermeiden, müssen die Anlagen weiter betrieben werden. Diese Gefahrenabwehr kann aktuell ausschließlich durch die bestehenden Betreiber sichergestellt werden. Daher hat das Land eine sogenannte Ersatzvornahme angeordnet, um mögliche Gefahren durch eine unkontrollierte Betriebseinstellung zu verhindern. Die rechtlichen und betrieblichen Pflichten von Domo Caproleuna als Anlagenbetreiber bleiben davon unberührt.
Der gerichtlich eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing bewertet die Entscheidung positiv. Die Möglichkeit, die Produktion in reduziertem Umfang fortzuführen, verschaffe dem Verfahren wertvolle Zeit. Diese könne genutzt werden, um zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine nachhaltige Stabilisierung des Standorts möglich ist.
Wirtschaftsminister Schulze sieht Chancen für Domo-Rettung
Als eine Option gilt dabei die Übernahme des Unternehmens durch einen neuen Betreiber. In einem solchen Szenario könnte sich das Land aus der Ersatzvornahme zurückziehen, während sich für den Standort Leuna wieder eine langfristige wirtschaftliche Perspektive eröffnen würde.
In einem Interview mit dem Mitteldeutscher Rundfunk erklärte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU), man habe die Initiative ergriffen, um den Prozess aktiv zu steuern. Nach seinen Angaben gibt es Interessenten, die bei Domo einsteigen wollen. Das Unternehmen habe aus seiner Sicht grundsätzlich Marktpotenzial. Er zeigte sich zuversichtlich, dass in den kommenden Wochen eine tragfähige Lösung gefunden werden könne.
Die drei deutschen Tochtergesellschaften der Domo-Chemicals-Gruppe hatten am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt. In der darauffolgenden Woche spitzte sich die betriebliche Lage weiter zu. Für einen sicheren Betrieb der Produktionsanlagen ist eine kontinuierliche Versorgung mit Energie, bestimmten Gasen sowie Kühlmedien wie flüssigem Stickstoff zwingend erforderlich. Da den Unternehmen die finanziellen Mittel zur Begleichung offener Rechnungen fehlten, stand zeitweise ein Abbruch dieser Lieferketten im Raum.
Nachdem Verhandlungen mit Gläubigern und dem Gesellschafter über eine kurzfristig notwendige Zwischenfinanzierung am vergangenen Donnerstag ohne Ergebnis geblieben waren, hatte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze am darauffolgenden Montag erneut alle beteiligten Gläubiger und Finanzierer nach Leuna eingeladen. Ziel war es, eine gemeinsame Lösung zu erzielen. An dem Treffen nahmen zudem die Geschäftsführung, der Betriebsrat, Vertreter der IGBCE sowie von Infraleuna teil. Da auch diese Gespräche nicht rechtzeitig zu einem Einlenken der Gläubiger führten, leitete das Land schließlich die Ersatzvornahme ein.
Parallel dazu hat die Agentur für Arbeit der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für rund 585 Beschäftigte zugestimmt. Damit ist sichergestellt, dass Löhne und Gehälter weiterhin pünktlich ausgezahlt werden können. Die Vergütung über das Insolvenzgeld ist für die Dauer des vorläufigen Insolvenzverfahrens, voraussichtlich bis Ende März, abgesichert und gilt für alle drei insolventen Domo-Gesellschaften. Auch der Produktionsbetrieb am Standort Premnitz kann unter diesen Voraussetzungen fortgeführt werden. Betroffen sind die Domo Chemicals am Standort Leuna mit rund 35 Beschäftigten, die Domo Caproleuna ebenfalls in Leuna mit etwa 480 Mitarbeitenden sowie die Domo Engineering Plastics in Premnitz mit rund 70 Beschäftigten. Andere Gesellschaften der Gruppe sind von den Verfahren nicht betroffen.










