Auszeichnung

Ralf Erdmann wurde zum EMBO-Mitglied gewählt

Für seine wegweisenden Erkenntnisse über die Entstehung und vielfältigen Aufgaben bestimmter Zellorganellen, den Peroxisomen, wurde Prof. Dr. Ralf Erdmann zum Mitglied der European Molecular Biology Organization EMBO gewählt.

Prof. Dr. Ralf Erdmann forscht am Institut für Biochemie und Pathobiochemie der RUB. © Damian Gorczany

Die EMBO-Mitgliedschaft ehrt angesehene Wissenschaftler, die herausragende Beiträge zu den Biowissenschaften geleistet haben, darunter 90 Nobelpreisträger. Ralf Erdmann ist der erste Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB), dem diese Ehre zuteilwird. Ralf Erdmann, Inhaber der Professur für Systembiochemie an der Medizinischen Fakultät, gilt als Entdecker der Peroxine – der Proteine, die den Aufbau der Peroxisomen übernehmen. Seine Erkenntnisse legten auch den Grundstein für potenzielle Therapien gegen parasitäre Erkrankungen wie die afrikanische Schlafkrankheit oder die Leishmaniose.

Eine wichtige Rolle in Zellen spielen Zellorganellen als funktionelle Einheiten. Zu ihnen gehören die Peroxisomen, die eine Vielzahl von Stoffwechselreaktionen beherbergen. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Mentor Prof. Dr. Wolf-Hubert Kunau gilt Ralf Erdmann als Entdecker der Peroxine. Diese Proteine spielen eine Rolle bei der Entstehung der Peroxisomen. Ralf Erdmann etablierte die genetischen und proteomischen Ansätze, die zur Identifizierung von 30 der 37 heute bekannten Peroxine führten. „Die Entdeckung der Peroxine war ein Meilenstein in der Zellbiologie und wegweisend für das Verständnis der Peroxisomen-Biogenese und der Ursachen für Erkrankungen, die auf einer Störung dieser Prozesse beruhen. Heute sind die Peroxine auch leistungsfähige Werkzeuge in der Diagnostik dieser Erkrankungen“, erklärt Ralf Erdmann.

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Neben den Peroxinen entdeckten Erdmann und Kunau auch die AAA-Proteine, kurz für ATPases associated with diverse cellular Activities. Sie sind eine Familie von inzwischen über 160 ATPasen, die für die Entfaltung von Proteinen und den Abbau von Proteinkomplexen verantwortlich sind und bei einer Vielzahl zellulärer Prozesse eine Rolle spielen.

Proteintransport im Detail
In seiner langjährigen Arbeit widmete sich Ralf Erdmann unter anderem der Frage, wie Proteine in die Peroxisomen transportiert werden. „Das geschieht im Gegensatz zu anderen Organellen im gefalteten Zustand“, hebt er hervor. Erdmann und seine Kolleginnen und Kollegen konnten auch entsprechende Rezeptoren identifizieren, die die Proteine an ihren Zielort bringen und dann zurück in die Zellflüssigkeit wandern. Später gelang die Entdeckung des entsprechenden Dockingkomplexes für diesen Rezeptor. Details des Imports, wie die Existenz, Bildung und der gerichtete Abbau von Poren in der Membran, die dem Transport von Proteinen in Peroxisomen dienen, folgten.
Schließlich nutzte Ralf Erdmann sein Wissen, um in Kooperation mit Prof. Dr. Michael Sattler (München), Dr. Grzegorz Popowicz (München), Dr. Vishal Kalel und Prof. Dr. Wolfgang Schliebs (beide Bochum) Unterschiede in den Peroxisomen des Menschen und bestimmter Parasiten zu identifizieren. Diese Parasiten lösen zum Beispiel die afrikanische Schlafkrankheit, die Chagas-Krankheit und die Leishmaniose aus. Es ist ihm und seinem Team gelungen, die Erstehung der lebenswichtigen Peroxisomen in Parasiten gezielt auszuschalten und so eine neue Generation von potenziellen Medikamenten gegen die Erkrankungen zu entwickeln, an denen weltweit etwa 18 Millionen Menschen leiden.

Zur Person
Ralf Erdmann studierte Biologie an der RUB, wo er 1986 sein Diplom erwarb und drei Jahre später seine Dissertation abschloss. Bis 1991 arbeitete er weiter als Postdoc an seiner Heimatuniversität im Labor seines Doktorvaters Wolf-Hubert Kunau und wechselte dann für vier Jahre an die Rockefeller University in New York in das Labor des späteren Nobelpreisträgers Prof. Dr. Günter Blobel. Zwischen 1995 und 1997 war er als Juniorgruppenleiter am Institut für Biochemie und Pathobiochemie der RUB tätig. Nach seiner Habilitation wechselte er als Professor an die Freie Universität Berlin. 2002 kehrte er an die RUB zurück, wo er an der Medizinischen Fakultät den Lehrstuhl für Systembiochemie innehat.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum (RUB)

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