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Wenn Zellen Fehler nicht mehr beheben können

Viele Krankheiten ließen sich heilen, wenn wir wüssten, warum das zelleigene Aufräumsystem versagt. Davon ist Prof. Raymond J. Deshaies vom Howard Hughes Medical Institute in Kalifornien überzeugt. In einem Vortrag an der Goethe Universität erklärt der renommierte amerikanische Forscher, warum.

Zellen haben ein ausgeklügeltes System, nicht mehr benötigte oder fehlerhafte Proteine zu entsorgen: Eine bestimmte Art der Markierung mit dem Signalmolekül Ubiquitin leitet den Abbau im Proteasom, dem molekularen Schredder der Zelle, ein. Wenn Mutationen im Ubiquitin-Proteasom-System auftreten, versagt diese Qualitätskontrolle. Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson sind die Folge.

Prof. Raymond J. Deshaies erforschte schon früh, wie das Ubiquitin-Proteasom-System den selektiven Abbau von Proteinen in der Zelle steuert. Auch bei der Regulation des Zellzyklus spielt das Ubiquitin-Proteasom-System eine entscheidende Rolle. Hier werden nicht fehlerhafte Proteine eliminiert, sondern periodisch im Rhythmus des Zellzyklus benötigte Steuerungsproteine, die nach ihrem Einsatz immer wieder abgebaut werden müssen. Ist dies nicht mehr gewährleistet, gerät der Zellzyklus sprichwörtlich außer Kontrolle - so kann Krebs entstehen.

Bemerkenswert ist, dass in der Mehrzahl bösartiger Tumorzellen eine abweichende Chromosomenanzahl vorliegt. Eine Ursache ist die falsche Verteilung während der Zellteilung (Mitose). Fehler bei der Teilung der Chromosomen (Genommutation) während des Zellzyklus lassen auch Erbkrankheiten wie Trisomie 21 entstehen.

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In seinem Vortrag erläutert Deshaies, wie das bessere Verständnis von einzelnen Komponenten des Ubiquitin-Proteasom-Prozesses die Entwicklung geeigneter Therapien gegen diese Krankheiten fördern kann. In der Diskussion stehen derzeit Proteasom-Inhibitoren und andere Medikamente, welche die Regulationsvorgänge der Zelle stören oder wiederherstellen können.

Der Vortrag in englischer Sprache findet statt im Rahmen der Vortragsreihe Perspectives in Molecular Medicine, gesponsert von Sanofi-Aventis.

Termin: Dienstag, den 20. September 2011 um 18.15 Uhr.

Ort: Klinikum der Goethe-Universität, Campus Niederrad Hörsaalgebäude 22-1.

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel. 069/6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de.

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