Labortechnik

Effiziente Großraumlabore

Interdisziplinäre Planung als Erfolgsgeheimnis
Bild 1: Dank interdisziplinärer Planungsleistung konnte die ehemalige Halle in ein effizientes Großraumlabor umgeplant werden (alle Bilder: HWP, Fotograf: Peter Horn).
Bei Roche Diagnostics, Penzberg, wurde eine Großraumhalle zu einem Laborgebäude umgebaut. Mit dieser komplexen Aufgabenstellung beauftragte die M+W Process Industries als Generalplaner für das Projekt TP-Expand die HWP Planungsgesellschaft (HWP), Stuttgart, mit der Planung der Architektur, Labor- und Gebäudetechnik für das Teilprojekt Gebäude 363. Durch eine außergewöhnliche Planungslösung unter Verwendung von in den Bestand eingebauten Galerieebenen entstanden ca. 90 Laborarbeitsplätze.

Penzberg ist der oberbayerische Standort der Roche Diagnostics GmbH. Das Werk ist mit rund 350 000 m2 und 4800 Mitarbeitern eines der größten Biotech-Zentren in Europa. Innerhalb des Roche-Konzerns ist Penzberg das weltweit führende biotechnologische Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionszentrum, an dem beide Bereiche – Pharma und Diagnostics – aktiv sind. Im Rahmen des Projektes TP-Expand (TP = Therapeutic Proteins) investierte Roche von 2008 bis Juni 2011 am Standort Penzberg 158 Mio. Euro in den Ausbau der technischen Entwicklung von therapeutischen Proteinen. Innerhalb des Teilprojekts Gebäude 363 galt es, eine Großraumhalle in ein Laborgebäude umzubauen. Nach einer Realisierungsdauer von einem halben Jahr konnte mehr als „just-in-time“ - bereits eine Woche früher als geplant – das neue Laborgebäude an den Betreiber übergeben werden.

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Grundstein für das ungewöhnliche Planungsprojekt legte eine Machbarkeitsstudie. Hierin wurden die Umnutzungsmöglichkeiten der Halle erarbeitet. Im März 2009 entschied sich die Roche Diagnostics GmbH auf dieser Basis für die Umnutzungsvariante als Großraumlabor mit angeschlossenem Technikum für die technische Entwicklung therapeutischer Proteine. „Aus diesem Beschluss resultierten große architektonische Herausforderungen, verbunden mit einem enormen Bauleitungs- und Koordinierungsaufwand. Trotzdem konnte der Umbau nach nur 16 Monaten Bauzeit vorzeitig abgeschlossen werden“, freut sich Urs Erny, Gesamtprojektleiter TP-Expand. „Grundlage des Projekterfolges war die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Planungsteam und der große persönliche Einsatz aller Beteilig-ten gewesen“, ergänzt Dr. Josef Burg, Leiter Bioprozess Entwicklung & Wirkstoffbereitstellung für klinische Studien.


Von der Großraumhalle zum Laborgebäude

Ein Projektschwerpunkt bei der baulichen Veränderung bestand in der Veränderung der Geschosse. Mit einer Geschosshöhe von ca. 6,3 m und ohne Stützen geplant, wurden nun auf drei Etagen Großraumlabore geschaffen. Die umgesetzte Speziallösung für die Neugestaltung der Flächen ist ästhetisch elegant gelöst, berücksichtigt die spezifischen Nutzerbedürfnisse und ist zu einem Höchstmaß an den neuen Funktionen eines Labors für die Biotechnologie ausgerichtet: Um die hohen Räume flächeneffizient zu nutzen, wurden Zwischenebenen in Form von Galerien eingezogen. Diese schafften den notwendigen Platz innerhalb des bestehenden Gebäudes. Die auch optisch besonders ansprechenden Galerieebenen, von denen die Großraumlabore als Ganzes eingesehen werden können, überspannen nur etwa ein Drittel des Raumes und erzeugen so eine luftige, offene Atmosphäre. Unter und auf den Galerien sind Lager, Spülküchen, Geräteräume, Kühlräume und nicht ständige Laborarbeitsplätze entstanden.

Den Hauptteil der jeweiligen Geschosse nehmen die Großraumlabore ein. Labore in dieser Form und Größe wurden erstmals im Werk Penzberg als ganzheitlich erarbeitete Speziallösung realisiert. Auf 900 m2 Nutzfläche pro Geschoss gelang es, hochwertige und perfekt funktionierende Laborarbeitsplätze für jeweils rund 30 Labormitarbeiter zu schaffen, um im Labormaßstab die Verfahren zur Kultivierung von Zelllinien und deren Fermentation für die Produktion von Antikörpern und anderen hochmolekularen Wirkstoffen zu entwickeln. Daneben läuft hier die Entwicklung der Aufreinigungsverfahren, die später, genau wie die Fermentationsverfahren, an die kommerzielle Produktion transferiert werden.

Die Analytikeinheit ist im obersten Geschoss untergebracht. Sie entwickelt und validiert analytische Methoden, die bei der begleitenden Prozesskontrolle der Produktionsverfahren und bei der Freigabe von Wirkstoffchargen für klinische Studien angewandt werden.


Ansprechende Arbeitsplätze durch Arbeitssuiten

Die Bedenken der Nutzergruppen, in einem Großraumlabor unter erhöhtem Lärmpegel arbeiten zu müssen, nahm das Planungsteam von Anfang an ernst und beschäftigte sich intensiv mit der Lösung dieser Herausforderung. Zur Schaffung einer optimalen Akustik für eine konzentrierte, stressreduzierte Arbeitsweise wurden mithilfe von Glastrennwänden zwischen den Auswertungs- und Laborarbeitsplätzen sogenannte Arbeitssuiten geschaffen. Eine Arbeitssuite ist für etwa fünf bis sechs Mitarbeitende vorgesehen. In einem modularen Aufbau wurden in einem regelmäßigen Raster insgesamt sieben solcher Suiten verwirklicht.

Neben dieser raumstrukturierenden Innenarchitektur tragen hochwertige schallreduzierende Akustikdecken zu einer bestmöglichen Minimierung des Geräuschpegels bei. Akustik und Ästhetik ergänzen sich hier zu einer ganzheitlichen Lösung, die sich grundlegend an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientiert: Durch eine LED-Beleuchtung im Deckenbereich wird durch sanft wechselnde Farblichtspiele eine angenehme Atmosphäre erzeugt. An den Rauminnenwänden überzeugt ein in verschiedenen Blaunuancen gehaltenes Farbkonzept. Dieses harmoniert ideal mit den teilweise blauen Glaselementen der Arbeitssuiten und mit der mehrheitlich weißen Möblierung. Durch eine raumhohe Verglasung ist der Ausblick auf die blau gehaltenen Fassaden der angrenzenden Gebäude möglich, die bewusst in das innenarchitektonische Gestaltungskonzept einbezogen wurden.

Durch die Orientierung des Farbkonzeptes des Gebäudes 363 am gesamten Gebäudekomplex findet eine konsequente, farbliche Einbindung in den Gebäudebestand statt. Eine harmonische Einheit der in Phasen realisierten Gebäude entsteht.


Chance zur Standortbündelung

Die Umplanungs- und Umbaumaßnahme veranlasste auch zu organisatorischen Optimierungen. So wurde eine Standortbündelung der Penzberger und der ausgelagerten Münchner Entwicklungseinheiten am Standort Penzberg vorgenommen. Neben den 90 Laborarbeitsplätzen in den Großraumlaboren sind zusätzlich 45 Büroarbeitsplätze im sogenannten Kopfbau des Biologics IV bezogen worden. Durch die Zusammenführung der Mitarbeitenden, die auf verschiedene Gebäude verteilt waren, wurde eine optimale Grundlage für den schnellen kommunikativen Austausch und die arbeitsgruppenübergreifende, interdisziplinäre Teamarbeit in der technischen Entwicklung in Penzberg gelegt.

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