Das Porträt

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8 Fragen an Dr. Roman Klinkner, Klinkner & Partner

Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Anders als in meiner Zeit als Laborleiter habe ich heute die Möglichkeit, sehr viele verschiedene Laboratorien kennen zu lernen. Dabei habe ich festgestellt, dass sich letztlich jedes Labor von allen anderen unterscheidet, was für das Qualitätsmanagement und die Standardisierung von Prozessen natürlich eine große Herausforderung darstellt. So sind wir immer wieder neu gefordert, für individuelle Fragestellungen passende Lösungen zu finden und diese in die Praxis umzusetzen.



Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?

Einerseits ist uns wichtig, dass unsere Unabhängigkeit erhalten bleibt. Wie in der Vergangenheit wird es daher auch in Zukunft keine Abhängigkeiten von Firmen oder Gesellschaftern geben, die unsere Neutralität einschränken könnten. Andererseits bauen wir unser Expertenteam ständig aus, um unseren Kunden aus F & E, Labor und Qualitätskontrolle möglichst umfassende Dienstleistungspakete aus einer Hand liefern zu können. Und schließlich setzen wir alles daran, unser neues Weiterbildungsstudium „Labor- und Qualitätsmanagement“ zusammen mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes erfolgreich am Markt zu etablieren.

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Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?

Die größte Herausforderung für unsere Weiterbildungsaktivitäten besteht darin, immer bessere und individuellere Qualifizierungsleistungen für immer spezifischere und damit kleinere Zielgruppen zu möglichst günstigen Preisen anbieten zu können. Dies setzt eine konsequente Markt- und Kundenorientierung voraus, einen gelebten ständigen Verbesserungsprozess und den effizienten Einsatz elektronischer Medien sowohl bei der Kundenansprache als auch bei der Inhaltevermittlung und letztlich auch die Verlagerung der Dienstleistung zum Kunden in Form von Inhouse-Trainings, für die wir eine permanent steigende Nachfrage sehen.



Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?

Eine meiner größten Schwächen in meiner Funktion als Geschäftsführer ist, mehr Naturwissenschaftler als Kaufmann zu sein. Gleichzeitig liegt aber auch eine meiner Stärken darin, Fragestellungen eher systematisch, analytisch und nachhaltig anzugehen als kaufmännisch. Kurzfristig kann dies ein Nachteil sein, langfristig sehe ich es eher als Vorteil.



Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?

Wie so oft in den letzten Jahren besser als die Stimmung. Spitzenprodukte zu einem fairen Preis sichern den Standort Deutschland auf dem Weltmarkt auch in Zukunft. Voraussetzungen dafür sind Innovation und hohe Qualität. Für beides sind auch immer Laboraktivitäten nötig, sei es in Forschung und Entwicklung, in der Rohstoffkontrolle bzw. Eingangsprüfung, der produktionsbegleitenden Analytik oder in der Qualitätskontrolle. Der Schlüssel zum Erfolg ist aber letzten Endes nach wie vor der Mensch.



Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?

Insgesamt positiv, das Glas ist halb voll – oder sagen wir besser dreiviertel voll. Gegen Globalisierung und weltwirtschaftliche Dynamik lohnen sich keine Windmühlenkämpfe, und eine systematisch pessimistische Einschätzung ist aus meiner Sicht nicht angebracht. Andererseits sehe ich die Gefahr, dass im aktuellen Aufschwung viele Strukturmaßnahmen nicht angepackt werden, die das Glas ganz füllen könnten. Das beinhaltet die Gefahr, dass es bald wieder nur halb voll sein könnte.


Wie wird sich der Weiterbildungsmarkt in Deutschland entwickeln?
Einerseits steigt die Nachfrage nach qualifizierten Fach- und Führungskräften, andererseits werden in immer kürzeren Ausbildungen immer mehr Inhalte immer oberflächlicher vermittelt, so dass Absolventen nicht über alle im Beruf geforderten Fähigkeiten und Erfahrungen verfügen. Somit müssen sich Arbeitnehmer wie Arbeitgeber damit abfinden, dass es notwendig wird, das jeweilig geforderte Zusatzwissen berufsbegleitend und zielgerichtet, d.h. individuell und maßgeschneidert zu erwerben. Da auch die technische Entwicklung galoppiert und die Aufenthaltszeit in einem Job immer kürzer wird, ist das lebenslange Lernen eine zwangsläufige Konsequenz. Es wird immer mehr Mischformen geben, neben Kurse und Seminare werden Inhouse-Trainings, Coachings und eLearning treten. Den Weiterbildungsaufwand (Zeit und Kosten) werden sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer angemessen teilen, denn beide profitieren davon. Die Inhalte werden sich immer stärker am betrieblichen Bedarf orientieren und die Vermittlung einer Befähigung und nicht nur der reine Wissenserwerb wird zum Erfolgskriterium werden.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren für Ihr Unternehmen?
Aktuell ist das größte Risiko vermutlich noch der plötzliche Ausfall wichtiger Know-how-Träger. Wir haben aber in den letzten Jahren darauf geachtet, dass Organisation und Prozesse robuster werden, so dass dieses Risiko schon bald als unkritisch betrachtet werden kann.

Risikominimierung hinsichtlich Kunden ist dadurch gegeben, dass wir sehr viele unterschiedliche Kunden haben und damit die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden vermeiden können. Als Hauptgesellschafter bin ich auch Hauptkapitalgeber, so dass wir das eher seltene Privileg genießen, uns nicht mit Bankern, Basel II und Kreditlinien beschäftigen zu müssen. Alles in allem halte ich die Risiken daher für gut beherrscht.

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