Editorial
Chemie ohne Schwung
Am 1. November legte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) seinen Bericht über die wirtschaftlichen Kennzahlen des dritten Quartals 2012 vor. Erfreulich und angesichts der europäischen Schuldenkrise vielleicht auch etwas überraschend ist die Tatsache, dass die Chemieproduktion nach dem Rückgang im zweiten Quartal wieder leicht angezogen hat. Der Anstieg beträgt 1,5 % – im Vergleich mit dem dritten Quartal 2011 ist allerdings ein leichtes Minus von 0,5 % zu verzeichnen.
Wegen rückläufiger Preise kam es trotz der Produktionssteigerung allerdings nicht zu einer Umsatzveränderung, sondern der Wert entsprach mit 44,8 Mrd. Euro dem des zweiten Quartals 2012. Im Inland mussten leichte Umsatzeinbußen hingenommen werden (-1 % gegenüber Quartal 2), wohingegen der Export zulegen konnte, und zwar auf 27,5 Mrd. Euro (+1 %). Insbesondere stiegen die Ausfuhren in die USA, nach Südamerika sowie Asien. Der Export in die südeuropäischen Länder schwächelte dagegen.
VCI-Präsident Dr. Karl Ludwig Kley spricht angesichts der aktuellen Lage der chemischen Industrie von Stagnation: "Der leichte Anstieg der Produktion im dritten Quartal ist kein Zeichen einer Trendwende. Für einen Aufschwung innerhalb der EU sehen wir derzeit nur eine geringe Chance, sind aber in außereuropäischen Märkten weiter erfolgreich und können so die Umsatzdefizite in der EU schließen."
Für das Gesamtjahr 2012 prognostiziert der Chemieverband einen Produktionsrückgang von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz soll bei 184 Mrd. Euro liegen und damit dem von 2011 entsprechen. Laut VCI sind die Chemiefirmen mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht unzufrieden. Sie rechnen aber auch nicht mit einer Belebung des Geschäftes in den nächsten Monaten.
Fazit: Die Krise im Euroraum ist nicht spurlos an der deutschen Chemieindustrie vorbeigegangen. Allerdings profitieren die Firmen derzeit vom respektablen Export in außereuropäische Länder, so dass sich die Nachfragerückgänge im Inland und den europäischen Nachbarländern kompensieren lassen. Bleibt zu hoffen, dass dies weiterhin der Fall sein wird.
Jürgen Wagner
Redakteur LABO









