Editorial
Volldampf voraus!
Schlechte Nachrichten - liebe LABO-Leser - sind bekanntlich die interessantesten, weil spektakulärsten. Aber auch gute sollten verbreitet werden und das erst recht, wenn sie unsere Branche betreffen. Die erfreuliche lautet: Die deutsche Chemieindustrie hat sich überraschend schnell vom Krisenjahr 2009 erholt. Sie steht wieder unter Dampf - fast unter Volldampf! So stieg nach Angaben des Verbandes der chemischen Industrie e.V. (VCI) die Produktion im ersten Halbjahr um 13 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Auslastung der Anlagen von 83 % ist fast wieder auf dem "Normalniveau" (84¿86 % sind typisch). Der Gesamtumsatz in Deutschlands viertgrößter Branche kletterte in den ersten sechs Monaten auf insgesamt 77,7 Mrd. Euro (+ 16 %). Das Auslandsgeschäft wuchs um 18 % auf stolze 45,9 Mrd. Euro, während der Inlandsumsatz um 13 % zulegte und ein Volumen von 31,8 Mrd. Euro erreichte. An den Mitarbeitern ging das Krisenjahr leider nicht spurlos vorbei. So waren von Januar bis Juni durchschnittlich 414000 beschäftigt - das sind 1,5 % weniger im Vergleich zum Vorjahr. Der Beschäftigungsabbau hat sich aber deutlich verlangsamt (Vorjahr -2,9 %). Erfreulicher ist die Entwicklung bei der Kurzarbeit: Weniger als 5000 Beschäftigte sind nach einer Schätzung des VCI davon betroffen. In der schlimmsten Phase der Krise waren es immerhin über 48000! Bedingt durch das Auslaufen von Konjunkturprogrammen und der Konsolidierung der Staatsfinanzen erwartet der VCI für die zweite Jahreshälfte eine leichte Abschwächung des Aufschwungs. Seine Prognose für das Gesamtjahr 2010: Steigerung der Chemieproduktion um 10 % und des Umsatzes um 8,5 %. Und was viele nicht wissen: Die deutsche Chemieindustrie ist Weltmeister bei Energieeffizienz und Klimaschutz. So verringerten sich ihre klimarelevanten Emissionen um 37 % und ihr Energieverbrauch von 1990 bis 2008 um stolze 18 %, obwohl die Produktion um 58 % stieg. "Damit sind wir für viele Länder Vorbild und Modell, wie sich in einem energieintensiven Industriezweig Energieverbrauch und Produktion entkoppeln lassen", erklärte VCI-Präsident Prof. Ulrich Lehner kürzlich vor der Presse in Frankfurt. Hoffentlich behält er mit seiner Einschätzung recht!










