Editorial
Maul- oder Gaultaschen?
Oder lieber ein paar Aflatoxine? Das Jahr – liebe LABO-Leserinnen und -Leser – fängt gleich richtig unappetitlich an. Die Beimengung von Pferdefleisch in Tiefkühlkost ist zwar nicht gesundheitsgefährdend, aber für viele Menschen einfach eklig und Betrug erst recht. Denn das, was auf der Verpackung steht, muss auch drin sein. Das gilt für Fleischsorten genauso wie für synthetische Aroma- oder Farbstoffe.
Genauso betrügerisch ist es, wenn man Verbrauchern, die Eier von glücklichen, weil freilaufenden Hühnern vorziehen, Eier von Legebatteriehennen für teures Geld als Bio-Eier verkauft, was auch erst kürzlich aufflog. Richtig gefährlich aber wird es, wenn Aflatoxine in Futter- und Lebensmitteln auftauchen, womit wir beim dritten „Lebensmittelskandal“ in diesem Jahr (!) angelangt wären.
Aflatoxine zählen zu den Pilzgiften (Mykotoxine) und wurden erstmals im Schimmelpilz Aspergillus flavus nachgewiesen, woraus sich auch ihr Name ableitet. Sie kommen allerdings in anderen Arten der Gattung Aspergillus ebenfalls vor. Von den vielen natürlich vorkommenden Pilzgiften ist Aflatoxin B1 das für Tiere und Menschen gefährlichste. Schon bei Konzentrationen um 10 µg/kg Körpergewicht wirkt es akut lebertoxisch. Und noch beunruhigender: Es gilt außerdem als eine der stärksten karzinogenen Verbindungen überhaupt!
Wegen dieser Risiken werden Futter- und Lebensmittel ständig auf Aflatoxine hin analysiert – bei Milch auf Aflatoxin M1, ein Metabolit von B1. Und Milchproben waren es, über die die Kontrollbehörden hierzulande auf das giftige Tierfutter stießen. Dabei handelte es sich nicht nur um einen Silo voll verschimmeltem Mais, sondern um 45 000 Tonnen, von denen inzwischen 10 000 Tonnen an Hersteller von Rinder-, Schweine- und Geflügelfutter ausgeliefert waren. Der Mais stammt aus Serbien, wo schon Anfang Februar zigtausende Liter Aflatoxin-belasteter Milch entdeckt und entsorgt wurden. Da war der giftige Mais bereits in Niedersachsen eingetroffen, nur die Meldungen über die verseuchte Milch in Serbien anscheinend nicht.
Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Futtermittelbranche allein aus den letzten beiden Dioxinskandalen von 2006 und 2011 ihre Lehren gezogen haben müsste und ordentlicher kontrolliert. Da dem anscheinend nicht so ist, muss man kein Prophet sein, um zu sagen: Der letzte Skandal ist immer nur der vorletzte.
Eine interessante Lektüre der appetitlicheren Themen in dieser Ausgabe wünscht Ihnen Ihr
Hans-Jürgen Hundrieser, Chefredakteur LABO








