Domo Chemicals insolvent

Annina Schopen,

Chemiewerke stellen Produktion an deutschen Standorten ein

Die drei deutschen Tochtergesellschaften des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals – Domo Chemicals, Domo Caproleuna und Domo Engineering Plastics – hatten Ende Dezember 2025 Insolvenzantrag gestellt. Ziel war zunächst, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und parallel mögliche Sanierungsoptionen wie Investorenlösungen oder Vereinbarungen mit Gläubigern zu prüfen. Das operative Geschäft lief zunächst ohne Einschränkungen weiter, die Löhne und Gehälter waren über das Insolvenzgeld gesichert. Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurden schwache Nachfrage in der europäischen Chemieindustrie, hohe Energiepreise sowie gestiegene Importe von Polyamid-Harzen aus Nicht-EU-Staaten genannt.

Nun wird die Produktion an den deutschen Standorten von Domo Chemicals doch heruntergefahren und in einen Notbetrieb überführt. Auslöser ist das Scheitern der Verhandlungen mit den Gläubigern über ein kurzfristiges Massedarlehen. Damit fehlen die finanziellen Mittel, um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

© SnowElf 1/stock.adobe.com (KI-generiert)

Ohne die finanziellen Mittel zur Finanzierung des Geschäftsbetriebs ist der vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther gezwungen, den Betrieb umgehend stillzulegen.Der Kontostand der insolventen Gesellschaften sei nahezu aufgebraucht, zudem habe sich die Hoffnung auf eine dringend benötigte Zwischenfinanzierung zerschlagen, erklärte Flöther. In den vergangenen Tagen sei gemeinsam mit der Geschäftsführung ein alternatives Szenario vorbereitet worden, das nun umgesetzt werde. Im Mittelpunkt stehe dabei die Gewährleistung der Anlagensicherheit. Nach dem Abbruch der Finanzierungsgespräche wurden die Beschäftigten sowie die zuständigen Behörden umgehend informiert.

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In den zurückliegenden Tagen hatte der vorläufige Insolvenzverwalter intensiv mit den beteiligten Gläubigern verhandelt. Ziel war es, die Freigabe gepfändeter Konten in Form eines Massedarlehens zu erreichen, um den Geschäftsbetrieb zumindest bis zum Monatsende fortführen zu können. Voraussetzung dafür wäre die einstimmige Zustimmung aller Sicherungsgläubiger gewesen. „Wir haben bis zuletzt dafür gekämpft, jedoch konnte diese Einstimmigkeit unter den Gläubigern leider nicht erreicht werden“, so Flöther.

Die Folgen für die Anlage und deren Verwertung lassen sich noch nicht abschätzen. „Wir unterstützen die Geschäftsführung dabei, die Anlagen sicher herunterzufahren. Ob sie sich dann ohne Schäden irgendwann wieder anfahren und weiter nutzen lassen, ist die große Frage“, so Flöther. „Für die Anlagen und den Chemiestandort, aber auch für die Gläubiger wäre das jedenfalls eine Katastrophe.“

Die drei deutschen Tochtergesellschaften der Domo-Gruppe hatten bereits am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt, nachdem auf Konzernebene Gespräche über eine weitere Finanzierung gescheitert waren. Betroffen sind die Domo Chemicals am Standort Leuna mit rund 35 Beschäftigten, die Domo Caproleuna ebenfalls in Leuna mit etwa 480 Mitarbeitenden sowie die Domo Engineering Plastics in Premnitz mit rund 70 Beschäftigten. Andere Gesellschaften der Gruppe sind von den Verfahren nicht betroffen.

Domo Caproleuna produziert organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol und Aceton sowie Polyamid 6 als Hauptprodukt, besser bekannt als Nylon 6. Dieser technische Kunststoff zeichnet sich durch hohe Festigkeit, gute Zähigkeit und eine sehr gute Verarbeitbarkeit aus und findet breite Anwendung, unter anderem in der Automobilindustrie, in der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern.

Am Standort Premnitz stellt Domo Engineering Plastics ebenfalls Polyamid 6 her, darüber hinaus aber auch Compounds. Dabei handelt es sich um technische Kunststoffe, bei denen Polyamid gezielt mit Zusatzstoffen kombiniert wird, um Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit, Steifigkeit oder Schlagzähigkeit an spezifische Anforderungen anzupassen. Diese Materialien werden vor allem in der Automobilindustrie, in der Elektrotechnik und bei Konsumgütern eingesetzt.

Die Domo Chemicals übernimmt innerhalb der deutschen Gesellschaften zentrale administrative Funktionen und bündelt damit die entsprechenden Aufgaben für die Standorte.

Quelle: Domo Chemicals

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