Tagungsbericht zur Jahrestagung des VUP

Neuer Schwung im Verband

Zur 24. Jahrestagung des VUP hat der Verband seinen Mitgliedern ein erfrischendes neues Corporate Design präsentiert, einen intensiven Fachaustausch gefördert und eine lebhafte Diskussion zur Rolle der DAkkS initiiert.

Dr. Stephan Finke, Dr. Tilman Burggraef, Dr. Florian Brill, Sven Deeg, Anton Blöth und Dr. Gerd Fricke beim Labor-Forum des VUP. (Bild: Weka Business Medien)

Am 22. und 23. Juni hatte der Deutsche Verband Unabhängiger Prüflaboratorien e.V. (VUP) seine Mitglieder zur 24. Jahrestagung nach Osnabrück eingeladen. Auf dem Programm stand zunächst die Mitgliederversammlung. Hier beschlossen die Anwesenden die Umsetzung des Zukunftsprogramms „VUP 2020“, das unter anderem das weitere Wachstum des Verbands zum Ziel hat. Attraktiver und schlagkräftiger will der VUP außerdem werden – in seiner Funktion als Interessenvertretung und mit seinem Service für die Laborunternehmen. VUP-Schatzmeister (vormals VUP-Präsident) Dr. Florian Brill präsentierte den Mitgliedern das neue Corporate Design und erläuterte den Hintergrund des zugehörigen Claims „Unser Ergebnis ist Ihr Erfolg“:

„Der Claim steht für den Anspruch des Verbandes, aber auch für unsere kompetenten Prüf- und Analysedienstleistungen als Laborunternehmen.“ Die Vielfalt und Breite der unterschiedlichen Markt- und Kompetenzbereiche soll künftig mit eigenen „Sublogos“ sichtbarer werden.

Zug um Zug wird nun das neue Erscheinungsbild des VUP in allen Verbandsbereichen und Kommunikationsinstrumenten umgesetzt.

Im Anschluss an die Regularien tauschten sich die Mitglieder in moderierten Fachforen aus und hatten Gelegenheit rechtliche und fachliche Themen, die ihre Prüflabore betreffen, zu diskutieren. Zur Auswahl standen: der neue Entwurf der Mantelverordnung für Bodenschutz; Aspekte des Lebensmittelbetrugs (food-fraud); KMU im Normungsvorhaben des DIN; Anforderungen an die Analytik und Qualitätskontrolle bei medizinischen Kombinationsprodukten (Arzneimittel – Medizinprodukt). 

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Labor-Forum – Wissen, was dran ist
Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer am zweiten Tag beim „Labor-Forum“ den Ausführungen von Dr. Stephan Finke, seit September letzten Jahres Geschäftsführer der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS). Finke sprach über den Wert der Akkreditierung sowie über Ansatzpunkte zur Steigerung von Effizienz, Effektivität und Transparenz der Akkreditierungspraxis. Finke betonte, dass die DAkkS ein Dienstleister sei, der seinen gesetzlichen Auftrag mit bestmöglicher Kundenorientierung verknüpfe. Ziel der Akkreditierungsstelle sei in erster Linie durch eine einheitliche Bewertung technische Handelshindernisse zu reduzieren. Bewertungen und objektive Kompetenznachweise durch die Akkreditierungsstelle stellten sicher, dass Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen hinsichtlich ihrer Qualität und Sicherheit verlässlich seien, so Finke. Er erwähnte in dem Zusammenhang, dass der Laborbereich nur einen kleinen Bereich im gesamten Aufgabengebiet der DAkkS darstelle. 

Akkreditierung erleichtert Marktzugang
Weiter erläuterte der DAkkS-Geschäftsführer, dass eine Akkreditierung Unternehmen generell den Marktzugang erleichtere und eine Orientierung bei der Auswahl eines vertrauenswürdigen Dienstleisters ermögliche. Für akkreditierte Stellen sei es entsprechend von Vorteil, wenn ein objektiver Beleg die Güte und Kompetenz der Tätigkeit einer Konformitätsbewertungsstelle nach internationalen Standards dokumentiere. Auch im Wettbewerb gegenüber nicht akkreditierten Marktteilnehmern sei eine akkreditierte Stelle im Vorteil, so Finke weiter.

Die anschließende Diskussion um „schneller, schlanker, preiswerter“ – eine Forderung des VUP an die DAkkS – machte schnell deutlich, dass das nicht das Ziel der DAkkS sein kann. „Wir machen keine Low-Budget-Dienstleistung“, erklärte Finke dazu. „Wir sind auch kein Beratungsunternehmen, sondern die höchste Stelle für Qualitätsversprechen“, ergänzte er. Er versprach gleichzeitig, dass die Themen Transparenz und Kostendeckung ganz oben auf seiner Liste stünden und die DAkkS ihre Dienstleistungsorientierung – innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen – weiter verbessern wolle.

Themen der anschließenden Diskussion waren u.a. das neue Überwachungskonzept im Zusammenhang mit der Revision der Norm ISO/IEC 17011, die angekündigte Entfristung einer Akkreditierung (die das neue Überwachungskonzept voraussetzt), der risikobasierte Ansatz, die Vergleichbarkeit von Begutachtungen sowie Übergangsszenarien für auslaufende Akkreditierungen. Einigkeit herrschte zwischen dem DAkkS-Geschäftsführer und den VUP-Vertretern, dass die neue DAkkS-Gebührenordung so schnell wie möglich durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) vorgelegt werden müsse, um die seit langem angekündigten Veränderungen im nationalen Akkreditierungswesen umsetzen zu können.

Food fraud – Wieviel Staat muss sein?
Interessiert verfolgten die Teilnehmer auch den Vortrag von Dr. Gerd Fricke, Abteilungsleiter Lebensmittelsicherheit im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit dem Titel: „Wieviel Staat muss sein? Zum Verhältnis von amtlicher und privater Kontrolle im Lebensmittelmarkt“. Als zentral sah Fricke die Frage, ob amtliche Kontrollen ersetzt oder ergänzt werden sollten – zum Beispiel durch Daten aus der Wirtschaft bzw. über Whistleblower. „Food Safety, Food Quality – das sind Dinge, da kennen wir uns aus“, erklärte Frick - „Food Crime ist eine andere Kategorie“. Da wo Food Crime vorkomme, wüssten die Leute in der Wirtschaft Bescheid, so Frickes Überzeugung – und: analytisch sei dieser Art von vorsätzlichem Betrug fast nicht nachzukommen. In dem Zusammenhang wies der BVL-Repräsentant auf das im Mai 2017 am Max-Rubner-Institut (MRI) neu eingerichtete Nationale Referenzzentrum für die Echtheit und Integrität in der Lebensmittelkette hin: Dort würden Analyseverfahren entwickelt und modernste Methoden eingesetzt werden, um die Echtheit von Lebensmitteln nachzuweisen. Die entwickelten Methoden würden den Überwachungsbehörden und örtlichen Untersuchungsämtern zur Verfügung gestellt werden, um sie für Routinekontrollen einzusetzen.

Fricke betonte, dass es in Europa leider noch keine einheitliche Vorgehensweise in der Prozess- und Produktkontrolle der Mitgliedstaaten gebe. Ein Austausch dazu sowie die Suche nach einer einheitlichen Zielsetzung sei derzeit im Gange. Fricke ging auf die Schwierigkeiten ein, die eine EU-Harmonisierung mit sich bringe. Er vertrat außerdem den Standpunkt, dass auf globaler Ebene internationale Standards, die von Industrieländern vorgegeben würden, Entwicklungs- und Schwellenländern die Chancen nähme am Weltmarkt teilzunehmen. In der anschließenden Fragerunde waren u.a. die Verantwortlichkeiten bei den Prozess- und Produktkontrollen in der Wirtschaft ein Thema; daneben interessierten sich die Teilnehmer für die Möglichkeiten und Handlungseinschränkungen des BVL sowie für die internationale Zusammenarbeit mit anderen Behörden.

Die beiden VUP-Geschäftsführer Anton Blöth und Sven Deeg dankten den Referenten und Teilnehmern, und der neu gewählte und künftige VUP-Präsident Dr. Tilman Burggraef schloss die Jahrestagung. sk


Der VUP
Der 1993 gegründete Deutscher Verband Unabhängiger Prüflaboratorien e. V. (VUP) ist die Interessenvertretung der in Deutschland niedergelassenen Dienstleistungslaboratorien. Rund 80 % der Unternehmen der Branche gehören laut VUP dem Unternehmerverband an. Die Mitglieder führen chemische, physikalische und biologische Untersuchungen und Kalibrierungen durch und bieten als Sachverständige Beratungen und gutachterliche Tätigkeiten an.
Im Rahmen der 24. Mitgliederversammlung hat die Funktionszuteilung im Präsidium des VUP turnusgemäß gewechselt. Bis zur kommenden Mitgliederversammlung 2018 werden die Aufgaben des Präsidenten von Dr. Tilman Burggraef (Wesseling bei Köln) und die des Schatzmeisters von Dr. Florian Brill (Hamburg) wahrgenommen. Als Vizepräsidenten verbleiben Jutta Fink (Heilbronn), Dr. Eckard Jantzen (Hamburg) und Dr. Andreas Hofmann (Neu-Ulm) in ihren Ämtern.


Die Geschäftsführung
Am 10. Juli hat das Präsidium auf Basis des Beschlusses der Mitgliederversammlung vom 22.06.2017 Anton Blöth zum Sprecher der Geschäftsführung des VUP berufen. Mit der neu geschaffenen Funktion ist insbesondere die Repräsentation des Verbandes nach außen sowie die Verantwortung für die Verbandsgeschäfte nach innen verbunden. Weiteres Mitglied der Geschäftsführung bleibt Sven Deeg, der insbesondere die Markt- und Facharbeit sowie den Mitgliederservice des Verbandes verantwortet. Das bei der VUP-Mitgliederversammlung in Osnabrück beschlossene Geschäftsstellenkonzept sieht eine sukzessive Verlagerung der Verbandsgeschäfte von Gießen nach Berlin vor, die spätestens 2022 mit dem vollständigen Umzug der VUP-Geschäftsstelle nach Berlin abgeschlossen sein soll. Bis dahin arbeitet die VUP-Geschäftsstelle mit ihren vier Mitarbeitern von den Standorten Gießen und Berlin aus.

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