Ehemaliges Domo-Werk

Annina Schopen,

Polyamid Leuna meldet erneut Insolvenz an

Die Polyamid GmbH, erst im April als Auffanggesellschaft für das insolvente Chemiewerk Domo Caproleuna gegründet, hat erneut Insolvenz angemeldet – ausgelöst durch massiv gestiegene Rohstoffpreise. Geschäftsführer Christof Günther und Energieminister Armin Willingmann zeigen sich dennoch zuversichtlich.

Produktion in Leuna © Domo

Nur gut zweieinhalb Monate nach der Übernahme des insolventen Chemiewerks Domo Caproleuna hat die neu gegründete Leuna-Polyamid GmbH beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Als Ursache nennt das Unternehmen drastisch gestiegene Rohstoffpreise infolge der geopolitischen Lage in der Golfregion – teils Preissteigerungen von 40 bis zu 100 Prozent –, die den Liquiditätsbedarf weit über die ursprünglichen Planungen hinaus gesteigert hätten. Da zentrale Rohstofflieferanten auf Vorkasse beständen, sei eine Fortführung des Betriebs außerhalb eines geordneten Insolvenzverfahrens nicht mehr möglich gewesen.

Hintergrund: Rettung unter Zeitdruck

Die Leuna-Polyamid GmbH war erst zum 1. April dieses Jahres gegründet worden, um den Standort des belgischen Chemiekonzerns Domo Chemicals vor der endgültigen Schließung zu bewahren. Gesellschafter sind die Chemieparkgesellschaft Infra Leuna GmbH und die Leuna-Harze GmbH.

Anzeige

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte Domo Caproleuna einen Produktionsstopp angekündigt; das Land Sachsen-Anhalt ordnete daraufhin aus Gründen der Gefahrenabwehr die Ersatzvornahme und Weiterproduktion an und sicherte den Notbetrieb mit rund 80 Millionen Euro. Die so gewonnene Zeit wurde genutzt, um eine tragfähige Nachfolgelösung zu entwickeln. Das Unternehmen hatte jedoch in der Kürze der Zeit noch keine Rücklagen aufbauen können, als die Rohstoffpreise sprangen.

Geordnetes Verfahren als Chance

Betrieb und Produktion laufen unterdessen weiter. Infra-Leuna-Geschäftsführer Christof Günther zeigte sich gegenüber dem MDR zuversichtlich: Die Anlage verzeichne eine gute Auslastung, die Produkte seien am Markt stark nachgefragt – beides mache den Standort für potenzielle Investoren attraktiv. Weitere staatliche Mittel seien nicht erforderlich. Auch Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass das Unternehmen die aktuellen Schwierigkeiten mit einem neuen Investor überwinden könne. Das Land werde den Prozess weiterhin begleiten und insbesondere die Anlagen- sowie Umweltsicherheit im Blick behalten.

Die Industriegewerkschaft IGBCE bewertet die aktuelle Entwicklung trotz des erneuten Insolvenzantrags differenziert. Bezirksleiter Norman Friske bezeichnete die Situation für die 439 Beschäftigten als "schweren Schlag", betonte jedoch, dass es sich diesmal um eine andere Ausgangslage als bei der Insolvenz der belgischen Voreigentümerin Domo Chemicals handele. Die Insolvenz in Eigenverwaltung verschaffe dem Unternehmen Zeit und Handlungsspielraum, um zusätzliche Investoren zu gewinnen und den Standort langfristig zu stabilisieren.

Dominoeffekt im Chemiepark muss verhindert werden

Besondere Brisanz erhält die Situation durch die enge Vernetzung im Chemiepark Leuna. Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der IGBCE Nordost, warnte vor den Folgen eines unkontrollierten Ausfalls: Falle ein Glied im energetischen und stoffwirtschaftlichen Verbund aus, hätte das verheerende Konsequenzen für die übrigen Unternehmen am Standort und könnte weitere Arbeitsplätze im gesamten mitteldeutschen Chemiecluster gefährden.

Ziel der Eigenverwaltung ist es daher, diese systemische Stabilität zu wahren, während parallel ein strategischer Investor gesucht wird, der das Unternehmen mit frischem Kapital langfristig am Markt etabliert.

Quellen: IGBCE, MDR

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Neuer Eigentümer

Domo-Chemiewerk in Leuna gerettet

Das Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna wird nicht stillgelegt. Eine von InfraLeuna und Leuna-Harze gegründete Auffanggesellschaft hat den Standort übernommen und damit 436 Arbeitsplätze gesichert. Zugleich hat das zuständige Gericht das...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren