Mikrobiologische Forschung ausgezeichnet

Barbara Schick,

VAAM-Forschungspreis 2026 für Johannes Hartl

Dr. Johannes Hartl. © privat

Für neue Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Genen, Umwelt und Stoffwechsel bei Mikroorganismen erhielt Dr. Johannes Hartl den VAAM-Forschungspreis 2026. Der Molekularbiologe vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung und der Charité – Universitätsmedizin Berlin gewann Einblicke in die molekularen Vorgänge in mikrobiellen Zellen und eröffnet so Perspektiven, Krankheitserreger effektiver zu bekämpfen. Den mit 10 000 Euro dotierten Preis für herausragende aktuelle Arbeiten in der Mikrobiologie verlieh die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) auf ihrer Jahrestagung in Berlin.

Mikroorganismen reagieren flexibel auf wechselnde Bedingungen – durch genetische Veränderungen oder schnelle Anpassung ihres Stoffwechsels und der Proteinzusammensetzung. Für das Verständnis solcher Prozesse erstellt Hartl eine Art "Fingerabdruck" der Proteine und Stoffwechselprodukte der Zellen mit Hilfe von Massenspektrometrie.

Systematische Untersuchungen

Bakterien und Hefepilze setzen ihre Stoffwechselprodukte abhängig von den Bedingungen um und balancieren sie aus. Verfolgt man die chemischen Umwandlungen in den Zellen systematisch, lassen sich sowohl limitierende als auch regulatorische Moleküle identifizieren. Weitere Ursachen für Stoffwechsel-"Engpässe" sind Regulationsprozesse auf Enzym- und Proteinebene oder genetische Defekte. Ein prägnantes Beispiel für dieses Zusammenspiel fand Johannes Hartl in petite-Hefen, denen das mitochondriale Genom fehlt. Zellen kompensieren die dadurch entstehenden Engpässe durch Genmutationen im Zellkern, aber auch durch Änderungen im Stoffwechsel.

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Zahlreiche Mutationen

Anpassungen der Hefepilze etwa an den menschlichen Körper verbergen sich meist hinter vielen kleinen Mutationen. Um die komplexen zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen, untersuchten Hartl und ein internationales Team tausende natürliche genetische Varianten aus zwei Hefestämmen. "Mit molekularen Karten identifizieren wir wichtige genetische Varianten und sagen deren Effekte vorher, noch bevor sie unter bestimmten Umweltbedingungen äußerlich sichtbar werden", erklärt der Molekularbiologe. "So konnten wir ohne weitere Experimente, nur anhand der Protein-Daten vorhersagen, welche Stämme anfälliger für ein Antipilzmittel sind." Hartls Ansätze legen Grundlagen für ein tieferes Verständnis der Rolle des Stoffwechsels in der mikrobiellen Anpassungsfähigkeit. Seine Arbeitsgruppe wendet sie nun auf Wirt-Pathogen-Wechselwirkungen an, um molekulare Mechanismen von Pilzinfektionen besser zu verstehen.

Das VAAM-Auswahlkomitee lobt Hartls "außergewöhnliches Talent, seine durchdachten und kreativen Forschungsansätzen und Visionen". Er verbinde auf einzigartige Weise Biochemie und Analytik mit Mikrobiologie und klinischen Ansätzen.

Quelle: VAAM

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