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Artikel und Hintergründe zum Thema

Epidemiologie von Long Covid

Melanie Steinbeck,

EPILOC-Studie zeigt Langzeitfolgen von Corona

Chronische Erschöpfung, geringe Belastbarkeit, kognitive Beeinträchtigungen sowie stark eingeschränkte Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität: Das zeigt eine umfassende Langzeitstudie zu den Folgen von Corona-Infektionen. Im Rahmen der EPILOC-Studie (Epidemiologie von Long Covid) untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm über 1.500 ehemalige Corona-Infizierte. Die Ergebnisse zeigen: Zwei Drittel der Betroffenen mit Post-Covid-Syndrom verzeichneten auch im zweiten Jahr ihrer Erkrankung kaum Fortschritte in der Genesung. Obwohl die funktionelle Leistungsfähigkeit der Patientinnen und Patienten deutlich eingeschränkt ist, liefern Laboruntersuchungen kaum auffällige Befunde.

Studienleiter Prof. Winfried Kern findet es erschreckend, wie viele ehemals Infizierte nach zwei Jahren noch Beschwerden und Einschränkungen haben. © Universitätsklinikum Freiburg

Langfristige Folgen von Covid-19: EPILOC-Studie liefert neue Erkenntnisse

Zwei Jahre nach einer SARS-CoV-2-Infektion leiden viele Betroffene noch immer unter anhaltenden Beschwerden. Zu den häufigsten Symptomen gehören chronische Müdigkeit (Fatigue), schnelle Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme sowie Atemnot und Brustschmerzen. Häufig treten auch innere Unruhe, Depressionen und Schlafstörungen auf. Dies belegen die Ergebnisse der baden-württembergischen EPILOC-Studie, die vom Universitätsklinikum Freiburg geleitet wurde. Im Rahmen der Untersuchung wurden in den Post-Covid-Ambulanzen der Universitätskliniken über 1.500 ehemalige Infizierte im Alter von 18 bis 65 Jahren nachuntersucht.

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Chronische Symptome auch zwei Jahre nach der Covid-Infektion

„Es ist erschreckend, wie viele ehemals Infizierte nach zwei Jahren noch Beschwerden und Einschränkungen haben“, kommentiert Studienleiter Prof. Dr. Winfried Kern von der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg. „Eine systematische längere Nachbeobachtung und medizinische Nachuntersuchung sind erforderlich, um Faktoren für Besserung beziehungsweise Nichterholung des Post Covid-Syndroms und relevanter pathophysiologischer Pfade genauer zu identifizieren. Nur so werden sich therapeutisch wirksame Interventionsansätze finden und entwickeln lassen“.

Die Studie zeigt, dass sich über zwei Drittel der Patientinnen und Patienten auch im zweiten Jahr nach der Corona-Erkrankung kaum erholt hatten und weiterhin in ihrer Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind. Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren funktionelle Parameter wie Handgreifkraft, maximaler Sauerstoffverbrauch unter Belastung, Atemeffizienz und die Ergebnisse neurokognitiver Tests deutlich verschlechtert.

Labor-Ergebnisse kaum verändert

Trotz messbarer Einschränkungen in der körperlichen Leistungsfähigkeit und bei  kognitiven Defiziten ergaben die Laboruntersuchungen der klinischen Routine kaum pathologische Befunde. Weder eine SARS-CoV-2-Persistenz oder Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus noch eine Nebenniereninsuffizienz oder Gerinnungsstörungen, wie in anderen Studien oft vermutet, wurden festgestellt.

Dank der großen Teilnehmerzahl und der Berücksichtigung potenzieller Störfaktoren wie Übergewicht oder Rauchen konnten solche Zusammenhänge klarer ausgeschlossen werden. Die Forschenden betonen, dass für eine präzise medizinische Bewertung Belastungstests für Herz-Lunge, Muskel- und Nervensystem notwendig sind.

Diskrepanz zwischen funktionellen Testergebnissen und subjektiven Leiden

„Die Diskrepanz zwischen den funktionellen Testergebnissen, dem subjektiven Leiden der Patienten und den vielen unauffälligen Routine-Laborparametern legen nahe, dass wir in einer anderen Richtung nach den pathophysiologischen Ursachen suchen müssen“, erklärt Erstautor Dr. Raphael Peter vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm. „Vor allem die neurometabolischen und neuroinflammatorischen Störungen, die Rolle des Skelettmuskelstoffwechsels und dysfunktionale Atmung sollten vermehrt in den Fokus zukünftiger Forschung kommen“, so Dr. Peter.

Aktuell analysieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere Daten und untersuchen die zahlreichen Bioproben der EPILOC-Studie mit erweiterten Methoden. Ziel ist es, dringend benötigte Erkenntnisse zu gewinnen, um Betroffene von Post-Covid besser unterstützen zu können.

Förderung der Studie zu denlangfristigen Folgen von Covid-19

Die aktuelle Phase der EPILOC-Studie wird mit 2,3 Millionen Euro vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt. Die rund 1.500 Teilnehmenden wurden aus einer Gruppe von über 11.000 Erwachsenen aus ganz Baden-Württemberg ausgewählt, die bereits in einer ersten Studie in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern sechs bis zwölf Monate nach ihrer Indexinfektion zu ihren Symptomen befragt wurden. Damals berichtete jeder Vierte von Beschwerden wie Fatigue, Gedächtnisproblemen, Konzentrationsstörungen sowie Atemnot und Brustschmerzen.

Originalpublikation:
Peter, R. S., Nieters, A., Göpel, S., Merle, U., Steinacker, J. M., Deibert, P., Friedmann-Bette, B., Nieß, A., Müller, B., Schilling, C., Erz, G., Giesen, R., Götz, V., Persistent symptoms and clinical findings in adults with post-acute sequelae of COVID-19/post-COVID-19 syndrome in the second year after acute infection: A population-based, nested case-control study. PLOS Medicine. DOI/10.1371/journal.pmed.1004511

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg

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