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Artikel und Hintergründe zum Thema

Molekulare Marker

Melanie Steinbeck,

Bluttest zeigt Biomarker für aktives Altern

Kann ein einfacher Bluttest zeigen, wie gut jemand altert? Ein Forschungsteam um Wolfram Weckwerth von der Universität Wien und der Nankai-Universität hat fortschrittliche Metabolomik mit modernster künstlicher Intelligenz und einem neuartigen Netzwerkmodellierungs-Tool kombiniert, um die zentralen molekularen Prozesse des aktiven Alterns zu entschlüsseln.

© Doris Heinrichs/stock.adobe.com

Von Bewegung zu molekularen Mustern

Dass Bewegung Mobilität schützt und das Risiko chronischer Erkrankungen senkt, ist seit Langem bekannt. Doch die genauen molekularen Prozesse, die körperliche Aktivität in gesünderes Altern übersetzen, waren bislang kaum erforscht.

Die Forschenden stellten sich daher eine scheinbar einfache Frage: Lassen sich die Vorteile eines aktiven Lebensstils bei älteren Menschen direkt im Blut erkennen – und welche Moleküle spielen dabei die größte Rolle?

Body Activity Index und Metabolomics Index

Um Antworten zu finden, entwickelten die Wissenschaftler einen Body Activity Index (BAI). Hierfür kombinierten sie die Ergebnisse aus Gehstrecke, Aufsteh-Tests, Handkraftmessungen und Gleichgewichtstests mithilfe einer kanonischen Korrelationsanalyse. Der zusammengesetzte Leistungswert erfasst Ausdauer, Kraft und Koordination in einem robusten Maß.

Unabhängig davon berechneten sie einen Metabolomics Index aus den Blutkonzentrationen von 35 niedermolekularen Metaboliten. In 263 Blutproben älterer Erwachsener zeigten beide Indizes eine Pearson-Korrelation von 0,85 (p < 1×10⁻¹⁹) – ein Beleg dafür, dass die molekulare Signatur im Blut die körperliche Fitness widerspiegelt.

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KI erkennt aktive und weniger aktive Gruppen

Um komplexe, nichtlineare Muster zu erfassen, trainierte das Team fünf verschiedene KI-Modelle – von einfachen statistischen Verfahren bis hin zu fortgeschrittenen Methoden wie Gradient Boosting Machine (GBM), XGBoost und einem Deep-Learning-Autoencoder-Netzwerk.

Die Boosting-Modelle erzielten eine hohe Genauigkeit: Sie unterschieden „aktive“ von „weniger aktiven“ Teilnehmern in über 91 % der Fälle (AUC > 0,91). Acht Metaboliten traten in allen Algorithmen konsistent als Prädiktoren hervor, darunter Aspartat, Prolin, Fruktose, Apfelsäure, Pyruvat, Valin, Citrat und Ornithin.

Aspartat stach dabei mit einem Faktor von zwei bis drei besonders hervor und bestätigte seine zentrale Rolle als molekularer Marker des aktiven Alterns.

COVRECON: Blick in das metabolische Netzwerk

Korrelationen allein reichen jedoch nicht, um Mechanismen zu erklären. Deshalb nutzte das Team das datengetriebene Modellierungs-Tool COVRECON, das Variationen von Metaboliten in Netzwerken darstellt.

Dabei wurden die Enzyme Aspartat-Aminotransferase (AST) und Alanin-Aminotransferase (ALT) als zentrale Knotenpunkte identifiziert. Beide sind Standardmarker in klinischen Lebertests, zeigten hier jedoch, wie Aktivität den Stoffwechsel umgestaltet.

Bluttests bestätigten die Modellierung: Über sechs Monate schwankten AST und ALT bei aktiven Teilnehmern deutlich stärker als bei weniger aktiven – ein Hinweis auf größere metabolische Flexibilität im Leber- und Muskelstoffwechsel.

Verbindung zu Gehirngesundheit und Demenz

Aspartat ist nicht nur ein Stoffwechsel-Zwischenmetabolit, sondern auch Vorläufer von Neurotransmittern. Es aktiviert NMDA-Rezeptoren, die für Lernen und Gedächtnis entscheidend sind.

Mobilitäts- und Kognitionstraining © Bernhard Franzke/Universität Wien

Unabhängige Studien zeigen zudem, dass niedrige AST- und ALT-Werte im mittleren Lebensalter – oder ein erhöhter AST/ALT-Quotient – mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer und kognitiven Abbau verbunden sind.

Die aktuelle Studie legt nahe: Körperliche Aktivität verändert den Aspartat-Stoffwechsel und fördert die Plastizität der beteiligten Enzyme – eine mögliche Brücke zwischen Muskel-Leber-Gesundheit und neuronaler Widerstandsfähigkeit.

„Körperliche Aktivität verändert unseren Stoffwechsel“

Die Ergebnisse vermitteln eine klare Botschaft: Körperliche Aktivität trägt nicht nur zur Erhaltung von Kraft und Mobilität bei, sondern könnte auch das Gehirn vor Demenz schützen – durch messbare Veränderungen in aminosäurebasierten Signalwegen.

„Körperliche Aktivität bewirkt mehr als nur Muskelaufbau“, erklärt Wolfram Weckwerth: „Sie verändert unseren Stoffwechsel auf molekularer Ebene. Indem wir diese Veränderungen entschlüsseln, können wir verfolgen – und sogar steuern – wie gut jemand altert.“

Originalpublikation:
Li, J., Brenner, M., Pierides, I., Wessner, B., Franzke, B., Strasser, E.-M., Waldherr, S., Wagner, K.-H., & Weckwerth, W. (2025). Machine learning and data-driven inverse modeling of metabolomics unveil key processes of active aging. npj Systems Biology and Applications, 11, Artikel 58. DOI:10.1038/s41540-025-00580-4

Quelle: Universität Wien

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