Tagungsbericht

Dr. Stephanie Konle,

Labor-Impuls-Forum 2019

Architekten, Raumplaner, Laborleiter und Anwender trafen sich zum Labor-Impuls-Forum 2019 in Darmstadt.

So klar und einfach wie dieses Labor wirkt, so klar und einfach ist die Planung moderner Labore nicht: Flexibilität, interdisziplinäre Mehrfachnutzung, arbeitsdienliche Laboreinrichtung und Automatisierung, gute Kommunikationsbedingungen sind nur einige Aspekte, die heute erfüllt werden sollten. © Fotolia/.shock

Eigentlich ist es ganz einfach: Mitarbeiter sollen kreativ sein, mehr miteinander reden, vom Silo-Denken wegkommen und stärker kooperieren. Und natürlich effizienter arbeiten. Ein nachvollziehbarer Wunsch der Arbeitgeber, die festgestellt haben, dass Kreativität und Kollaboration die Basis für neue Geschäftsmodelle sind. 

Aber wie die Menschen nun mal sind, stecken sie gerne in ihren Gewohnheiten fest und lassen sich nur mit sanftem Druck durch Veränderungen von außen aus ihren Denk- und Handlungsweisen loslösen. Was dabei helfen kann, sind moderne Arbeitsplätze, die sich dem jeweiligen Bedarf anpassen. Dazu gehören auch die Laborarbeitsplätze und unter dem Motto „Work smarter – not harder“ trafen sich am 8. April rund 160 Teilnehmer zum Labor-Impuls-Forum 2019 in Darmstadt. Unter den Teilnehmern: Architekten, Ingenieure, Laboreinrichter und Laborbetreiber. Sie nutzten das Forum zu Information, Weiterbildung und zum persönlichen Austausch. Veranstaltungspartner Merck bot zudem am zweiten Tag die Gelegenheit zu einer Führung über den Merck-Campus mit Besichtigung besonderer Labor- und Forschungsgebäude.

Klaus Söhngen Geschäftsführer von Eretec Laborplanung und Organisator des Forums stimmte die Teilnehmer auf die zweitägige Veranstaltung ein. Was in Zukunft im Labor gebraucht werde, seien mehr freie Flächen zum Arbeiten, die Zusammenführung von redundantem Equipment, die Adaption verfügbarer Technologien, die sinnvolle Unterstützung der Laborarbeit mittels intelligenter Systeme, eine (zeitsparende) papierlose Dokumentation und Materialversorgung nach Bedarf.

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Diese drei Trends prägen laut Söhngen das Arbeiten im Labor der Zukunft:

1. Flexibilität, Variabilität, Modularisierung und Sharing;
2. Integration und Funktionalisierung;
3. Digitalisierung, Automatisierung und Robotik.

Entsprechend müssten Laborgebäude künftig transparent und mit einladenden Laborverfügungsflächen ausgestattet sein, Laborkonzeption und -einrichtung entsprechend multifunktional und interdisziplinär, angepasst an die Bedarfe von Wissenschaft und Forschung, Anwendungstechnik und Routine, mit etabliertem Laborbetrieb, aber auch für Startups und zeitlich begrenzte Projekte.

Tobias Ell vom Beratungs- und Planungsunternehmen Carpus & Partner beschrieb die Herausforderung „Gebäude zu bauen, die Wissen vermehren“ und betonte, dass es nicht ausreiche, für ein Open Space einfach die Wände wegzulassen. Zentral sei die Frage, welche Probleme ein Raumkonzept lösen solle. Außerdem seien zunächst Prozessanforderungen, Equipment, Flächen- und Raumbedarf, Energieanforderungen, Personal- und Materialflüsse, Lagerung und Logistik sowie erforderliche Medien zu beschreiben. Was sich bei dieser „Programming-Phase“ im Gegensatz zu früher geändert habe, sei, dass heute Nutzer auf einer Ebene mit Management und Projekt-Team die Anforderungen erarbeiten. Nach dieser Grundlagenphase könne man sich dann vom Vorkonzept hin zur dritten Phase, dem Konzept bewegen. „Es gibt den Prototypen des Labors der Zukunft nicht. Denn ein Labor muss immer an die Bedürfnisse der Leute angepasst werden“, so Ell zum Thema Labor der Zukunft. Seiner Ansicht nach würde außerdem zu sehr auf Raum und Geräte geschaut werden anstelle auf technologische Entwicklungen, die die Arbeit sinnvoll unterstützen können.

Umfeld für Innovationskraft

Bei vielen entwicklungsstarken Unternehmen sind in den vergangenen Jahren sog. Innovationszentren hinzugekommen, also Orte, an denen Kreativität und Interdisziplinarität gefördert werden. Carsten Kern, Head of Innovation Centers, Henkel, beschrieb die räumliche Aufteilung des im Bau befindlichen Henkel Innovation Centers in Düsseldorf mit 24 chemischen Laboren, einer Open-Collaboration-Zone, zehn technischen Laboren sowie einem Customer-Experience-Bereich. Rund 350 Mitarbeitende werden nach der Fertigstellung in Q4/2020 auf 47 000 m2 Grundfläche auf sieben Etagen arbeiten können. „Labore werden sich nur langsam ändern“, so Kern. Zentraler Punkt sei die Kollaboration - und das laufe nicht nur über räumliche Veränderungen, sondern vor allem über Change-Management-Prozesse im Unternehmen.

Blick nach Asien

Waldner-Mitarbeiter Maximilian Englisch beeindruckte die Teilnehmer mit einem Vortrag über neue F&E-Gebäude und -Labore in Asien. Laboreinrichter Waldner ist bereits 1991 mit zwei Projekten in Asien gestartet. Heute ist das Unternehmen mit je einem Standort in Shanghai und in Singapore präsent. Englisch ließ vermutlich den ein oder anderen Zuhörer mit einer kleinen Frustration zurück: Denn bei den imposanten, architektonisch anspruchsvollen und attraktiven Gebäuden handelte es sich nicht nur um privatwirtschaftliche, sondern auch um öffentliche Gebäude, wie z. B. die National University of Singapore (NUS). Englisch berichtete außerdem von „Super-Labs“ in Australien, gemeint sind Großraumlabore in denen „zig Studenten“ nach Anweisungen eines Sprechers und mit mobilen Elementen und Bildschirmen ihre Versuche durchführen.

Arbeiten soll (auch) Spaß machen

Projektmanagerin Annika Schulz und Transformationsmanagerin Dr. Katerina Matheis, beide von Merck, stellten den ganzheitlichen Transformationsprozess bei Merck und das Forschungsgebäude „D50“ für den Geschäftsbereich Merck Biopharma vor. Das Gebäude bietet 240 Mitarbeitenden auf rund 16 000 m2 Bruttogrundfläche Platz. Die Labornutzfläche beläuft sich auf ca. 5 800 m2, darunter sind 3 600 m2 für analytische und biologische Arbeiten vorgesehen, 1 000 m2 für chemisch-präparatives Arbeiten und 800 m2 für automatisierte Roboterlabore. 300 m2 sind für den Umgang mit radioaktiven Isotopen reserviert. Transparenz, Flexibilität und Standardisierung sind die drei Prinzipen, nach denen die Laborbereiche konzipiert wurden, und angestrebt wird, dass Laborbereiche unterschiedlicher organisatorischer Zugehörigkeit nicht zwingend voneinander getrennt sind – wenn nicht unterschiedliche klimatische Bedingungen, Beleuchtung oder anderes eine Abtrennung erforderlich machen. 

Die neue Transparenz ist den Laboren anzusehen: Der Verzicht auf Oberschränke, aber auch die in der Raummitte angeordneten Einhausungen und Abzüge bewirken ein offenes Raumgefühl. Mobile Unterschränke gewährleisten zudem die gewünschte hohe Flexibilität. Offene Deckeninstallationen erleichtern die Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten und Nachinstallationen. Und für die Kurzdokumentation stehen überall ergonomische „Counterchairs“ zur Verfügung.

Die Kommunikation ist in D50 in den Mittelpunkt gerückt und in Form des offen-transparenten Bürobereichs und über „Multi-Space-Konzepte“ umgesetzt. So steht ein vielfältiges Arbeitsplatzangebot zur Verfügung, das auch Spaß aufs Arbeiten machen soll. Mit Projektraum, ThinkTank und PhoneBox+ stehen den Mitarbeitern außerdem kleine Raum-in-Raum-Einheiten zur Verfügung, die in der Großraumumgebung ein Arbeiten in kleiner Runde und in Stille ermöglichen. Für mehr Kommunikation, Kollaboration und Innovation. Eigentlich ganz einfach.

Dr. Stephanie Konle, LABO

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