Nachhaltiger forschen

Teilen für mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeitsapekte mit Blick auf Lab-Sharing beschreibt die Laborleiterin bei der Life Science Factory.

Gesellschaftlich relevante Themen haben starke Einflüsse auf menschliches und auch unternehmerisches Handeln. Ein Thema ist dabei die Nachhaltigkeit. Doch wie lassen sich Sustainability-Ansätze auch im Labor realisieren? Wie lassen sich Ressourcen schonen und doch effiziente, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Translation finden? Nachhaltigkeit betrifft eine Vielzahl von Aspekten und findet sich auch wieder in der Idee des Teilens.

Die Forschenden teilen sich Funktionsbereiche wie den hier gezeigten zur Proteinaufreinigung. © Life Science Factory

Der Grundgedanke von Lab-Sharing ist einfach: Nicht jede Arbeitsgruppe braucht ein komplettes Labor mit vollständigem Equipment vorzuhalten. Die Anschaffung von Geräten und Systemen, die anfängliche Inbetriebnahme und die regelmäßige Wartung inklusive der einhergehenden Ausfallzeiten schlagen sich bei Laboren nicht nur im Budget nieder, sie kosten auch personelle Kapazitäten. Zudem werden Lagerung, Kühlung oder etwa bildgebende Geräte für Zellkulturen, ein "Bakterienlabor" oder bestimmte Methodenplattformen sowie hochspezialisierte und kostenintensive Gerätschaften nur oft einen Bruchteil der Laborzeit durchgehend genutzt.

Potenzial von "Sharing"

Vor diesem Hintergrund ist der Gedanke, vollwertig ausgestattete Labore zu teilen, schon einmal ein wichtiger Schritt gewesen. Verschiedene Arbeitsgruppen haben ihre eigenen Laborbänke und geteilten Zugriff auf die Funktionslabore. Diese werden so am besten genutzt. Insbesondere bei Biotech-Start-ups kommt hinzu, dass sie oft gar nicht die finanziellen Mittel haben, "State-of-the-Art"-Equipment wie Laborgeräte und dazugehörige Auswertungssoftware oder auch eine hochwertige Spülküche zu erwerben, diese in Betrieb zu nehmen und auch in Betrieb zu halten.

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Das verwendete Equipment kann unmittelbare Auswirkungen auf die Forschung selbst haben. So können Forschungsteams ihre Prozesse mit modernem Labor-Equipment auch effizienter gestalten und sogar mit wenigen, aber qualitativ hochwertigen Ressourcen mehr und aussagekräftigere Daten generieren. Zudem bieten Shared-Lab-Konzepte die Möglichkeit, nur punktuell notwendige Laborgeräte ressourcenschonend für eine limitierte Zeit zu mieten, beispielsweise für bestimmte Entwicklungszyklen oder die "Proof of concept"-Phase.

"Lab Sustainability"

Geräte für Zellkultivierung und mikrobiologische Untersuchungen können von verschiedenen Forschungsteams genutzt werden. © Life Science Factory

Auch im Labor veralten Geräte. Zwar sind es längere Standzeiten im Vergleich zu IT-Systemen, aber dennoch: Dass es eine Modernisierung geben wird, ist anzunehmen. In die Jahre gekommene, aber nur zu einem Bruchteil der Zeit genutzte Geräte und Maschinen in diesem Sinne zu ersetzen, ist eine große Ressourcenvergeudung. Die Rechnung ist denkbar einfach: Bis zu einem gewissen Grad teilen sich Forschungsteams Geräte und spezielle Funktionsbereiche wie Mikrobiologie- oder Zellkultur-Bereiche – die Auslastung ist höher, die endlichen Ressourcen unserer Erde bleiben zu einem Teil geschützt. Ein Shared Lab kann zudem Mietmodelle mit Herstellern nutzen – eine Möglichkeit, die Einzelunternehmen nicht immer gewährt ist – und kann so den "State of the Art"-Ansatz durchgängig fahren.

Personal sinnvoll einsetzen

Kosteneffizient zu arbeiten ist die eine Seite, das Personal effizient einzusetzen die andere. Gerade für Start-ups, die von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde kommen, ist die Personalstrategie von entscheidender Bedeutung: Wer auf ein Shared-Lab-Konzept setzt, hat im besten Fall eine halbe technische Assistenz- und rund eine Drittel-Wissenschaftler/-innen-Stelle für die Projekte einsetzbar und muss diese nicht für periphere Hilfsarbeiten aufwenden. Denn im modernen Shared Lab sind Gerätewartungen sowie eine Vielzahl manueller zeitaufwendiger Tätigkeiten wie Spülen von Laborglaswaren, Autoklavieren und Entsorgen von Abfall und Chemikalien inkludiert.

Fazit

Dienstleistung der Life Science Factory für alle Mieter: Reinigungsprozesse von Spülen bis Autoklavieren. © Life Science Factory

Sustainability mit all ihren Spielarten gehört die Zukunft – auch im Labor: Hier gewinnt Teilen an Bedeutung und führt zu neuen Arten der Kollaboration. Dieser Aspekt geht weit über monetäre oder ressourcenschonende Überlegungen hinaus: Im Shared Lab profitieren Forschungsteams unterschiedlicher Disziplinen auch vom Teilen von Know-how und How-to.

AUTORIN

Dr. Katrin Wallbrecht

Laborleitung

Life Science Factory gGmbH, Göttingen

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