Management

Vorsorgetipp für Unternehmer: So machen Sie sich selbst überflüssig

Was sich zunächst unsinnig anhört, ist dennoch vernünftig: Hängt ein Unternehmen fast hundertprozentig von der Leistungsfähigkeit seines Chefs ab, kann bei dessen Abwesenheit - beispielsweise durch Krankheit oder Unfall - die Firma ins Schlingern geraten. Die Unternehmensberatung Becker von Buch gibt Tipps für den Fall der Fälle.

Was wäre, wenn - Sie plötzlich nicht mehr arbeiten könnten? Bedingt etwa durch eine Krankheit oder einen Unfall. Laut einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn stehen die Chancen dafür bei rund 1:4, das heißt, etwa ein Viertel der Unternehmensnachfolgen geschehen vollkommen unerwartet. Und nicht nur das: Schon ein 14-tägiger Ausfall des Chefs kann reichen, um die Firma in eine existenzielle Schieflage zu bringen, so eine Studie der Hamburger Industrie- und Handelskammer. "Wer auf solche Fälle nicht vorbereitet ist, riskiert unter Umständen sein Lebenswerk", sagt Dr. Sebastian Dominic von Buch von der Unternehmensberatung Becker von Buch in Hannover.

Denn besonders in Familienbetrieben herrsche oft der Glaube an die Unverwundbarkeit des Inhabers. "Wer seinem Betrieb über Jahrzehnte den größten Teil seiner Zeit gewidmet hat, kann oft nicht rechtzeitig loslassen", sagt er. "Da regiert dann der Patriarch oder die Patriarchin bis ins hohe Alter." Selbst relativ unwichtige Entscheidungen müssten vielfach "von oben" erst abgesegnet werden, der Kauf eines neuen Druckers oder PCs beispielsweise. Die Kommunikation mit Schlüsselkunden sei ebenso ausschließlich Chefsache wie die mit den wichtigsten Lieferanten. "Fällt dann die letztinstanzliche Entscheidungsebene plötzlich weg, ist die Firma wie paralysiert", sagt von Buch. Rechnungen würden beispielsweise nicht mehr fakturiert, Aufträge auf Eis gelegt. "Das kann bei längerer Abwesenheit des Inhabers eine Firma in die Insolvenz treiben", warnt der Unternehmensberater.

Qualifizierte Mitarbeiter an Entscheidungen beteiligen

Sein Rat: "Inhabergeführte Betriebe sollten generell einen Plan für die Nachfolgeregelung in der Schublade haben, vor allem dann, wenn der Chef sich dem Rentenalter nähert oder dieses bereits überschritten hat." Letztendlich ginge es ja darum, sich selbst überflüssig zu machen: "Wissen und Erfahrung lassen sich zwar nicht so ohne weiteres delegieren", sagt von Buch. "Dennoch sollten an grundlegenden Entscheidungen beizeiten qualifizierte Mitarbeiter beteiligt werden." Sei die Nachfolge noch nicht geregelt, empfiehlt der Unternehmensberater einen "Notfallkoffer", wie er von den Risikomanagern des TÜV-Süd entwickelt wurde. "Dieser Koffer - es kann auch ein Bankschließfach sein - darf nur dann geöffnet werden, wenn der Unternehmensinhaber komplett ausfällt. Er enthält beispielsweise Vollmachten für Geschäftskonten, das Testament, eine Liste der wichtigsten Lieferanten und Kunden sowie Anweisungen für die Fortführung von wichtigen Projekten. Außerdem sollten Passwörter für Computer und PINs fürs Online-Banking hinterlegt werden."

Dass eine klare Regelung für den Nachfolger des Inhabers auch die finanzielle Ausstattung des Unternehmens beeinflussen kann, beweisen laut von Buch die "Mindestanforderungen an das Betreiben von Kreditgeschäften", die seit 2004 gelten. Demnach sind Banken verpflichtet, alle Risikooptionen mit entsprechendem Eigenkapital zu hinterlegen. "Kreditinstitute gewichten bei der Beurteilung der Bonität das Management und die Nachfolge bereits mit 15 Prozent", sagt der Unternehmensberater. "Firmeninhaber über 60 Jahre ohne Nachfolgeregelung sind da ganz eindeutig ein erheblicher Risikofaktor."

Kontakt:

Becker von Buch Unternehmensberatung GmbH

Maschstraße 7

30169 Hannover

Telefon: 0049 (511) 988440

Fax: 0049 (511) 9884499

E-Mail: kontakt@beckervonbuch.de

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