Ergebnisse einer Befragung unter Beschäftigten in der Schweiz

Barbara Schick,

Konstruktiver Umgang mit Fehlern fördert Innovation

Für eine Studie mit dem Fokus auf Arbeitsbedingungen, die innovatives Handeln von Beschäftigten fördern, wurde in der Schweiz eine Umfrage durchgeführt.

Die Ergebnisse des „HR-Barometers“ (HR = Human Resources), einer Befragung von mehr als 2 000 Arbeitnehmenden, zeigten, dass sowohl innovatives Handeln als auch Lernen aus Fehlern in der Schweiz weit verbreitet sind. 86 % der Beschäftigten sind der Meinung, dass Fehler hilfreich für die eigene Arbeit sein können und die Gelegenheit bieten, etwas aus ihnen zu lernen. Beschäftigte berichten auch, dass sie sich durch Vorgesetzte und Arbeitskolleginnen und -kollegen unterstützt fühlen und in vielen Unternehmen ein Klima der psychologischen Sicherheit herrscht. Es dominiert der proaktive Umgang mit Fehlern, so dass diese offen kommuniziert und reflektiert werden können.

Allerdings bestehen laut der Befragung auch Verbesserungsmöglichkeiten, insbesondere hinsichtlich der Bereitschaft, Teams mehr Zeit für die Entwicklung neuer Ideen zur Verfügung zu stellen. Ebenso zeigt die Studie, dass die Unterstützung von Ideen durch Vorgesetzte über Abteilungsgrenzen hinweg verbessert werden könne.

Innovations- und Fehlerkultur

Eine Unternehmenskultur, die innovatives Handeln und Lernen aus Fehlern bei den Beschäftigten fördert, ist nicht nur im Hinblick auf Innovation wünschenswert. Sie beeinflusst auch generelle Arbeitseinstellungen und das Erleben der Arbeitssituation positiv. Beschäftigte in Unternehmen mit einer solchen Kultur berichten von weniger Stress, mehr Arbeits- und Laufbahnzufriedenheit, mehr Commitment, also Bindung an die Organisation, und geringeren Kündigungsabsichten.

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Umgekehrt ist für innovatives Handeln und das Lernen aus Fehlern, neben kulturellen Faktoren, die Gestaltung der täglichen Arbeit zentral. Autonomie, Aufgabenvielfalt und Partizipation seien die wichtigsten Arbeitsmerkmale, um Innovation zu fördern. Während Autonomie und Aufgabenvielfalt relativ weit verbreitet sind, besteht bei der Partizipation, also der Beteiligung von Beschäftigten an Entscheidungen im Unternehmen, noch am ehesten Verbesserungsbedarf.

Erwartungen der Beschäftigten

Die im sog. psychologischen Vertrag (gegenseitige Erwartungen und Angebote von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden als Bestandteil der Arbeitsbeziehung) ausgedrückten Erwartungen der Beschäftigten sind etwas gestiegen, die Angebote der Unternehmen aber auch. Bemängelt wird aus Sicht der Beschäftigten angemessene Entlohnung und das Vorhandensein von Entwicklungsmöglichkeiten. Hinsichtlich letzterem ist insbesondere besorgniserregend, dass sich der in früheren Ausgaben des Schweizer HR- Barometers bereits aufgezeigte Trend zu weniger Weiterbildungstagen noch verstärkt hat. Ebenso werden weiterhin Leistungsbeurteilungen und Laufbahnplanung als Kernbestandteile der Personalentwicklung zu wenig durchgeführt beziehungsweise angeboten.

Information zum Schweizer HR-Barometer
Das Schweizer HR-Barometer erfasst, wie Angestellte in der Schweiz ihre Arbeitssituation erleben. Die Studie wird von Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich, und von Bruno Staffelbach, Leiter des Centers für Human Resource Management an der Universität Luzern, in Kooperation mit der Universität Zürich regelmäßig herausgegeben. Die Grundlage des HR-Barometers 2022 bildet eine Befragung von 2 088 Angestellten, basierend auf dem Stichprobenregister des Bundesamtes für Statistik. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Schwerpunktthema „Innovation und Scheitern“. Die Befragung fand 2022 in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz statt. Das HR-Barometer 2022 entstand mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds.

Literatur
Gudela Grote und Bruno Staffelbach (Hrsg.): Schweizer HR-Barometer 2022: Innovation und Scheitern. Universitäten Luzern, Zürich und ETH Zürich. ISBN 978-3-033-09471-0

Quelle: ETH Zürich

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