Der Weg vom Labor zum Produkt
Biotechnologie: LMU und Life Science Factory kooperieren
Europas Forschung ist stark, die Umsetzung bleibt oft eine Herausforderung. Die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Life Science Factory wollen nun Innovationen schneller in die Anwendung bringen und kooperieren.
Europa gilt als exzellent in der biomedizinischen Forschung. Doch zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und marktfähigem Produkt klafft häufig eine Lücke. Genau darin sieht Dr. Sven Wagner, Head of Business Development bei Sartorius und Managing Director der Life Science Factory, eine der größten Herausforderungen für den Innovationsstandort:
„Wir haben in vielen Bereichen in Europa den Anschluss schon verloren. Wir sind führend in der Forschungsexzellenz, aber in dem Moment, wo es um die Translation in die Anwendung geht, fangen wir an, uns abhängen zu lassen.“
Wie sich diese Lücke schließen lässt, war Anfang Juli Thema eines Pressegesprächs im Rahmen der BayOConnect in München. Unter dem Titel „Cooperation Creates Impact – EU Biotech Act in Practice“ diskutierten Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft darüber, wie der geplante EU Biotech Act die Voraussetzungen für Translation, Skalierung und Wachstum im Biotechnologiesektor verbessern kann.
Strategische Partnerschaft als praktische Antwort
Ein konkretes Beispiel dafür lieferten die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Life Science Factory, die ihre neue strategische Partnerschaft vorstellten.
Mit der Zusammenarbeit wollen beide Institutionen Forschung, Gründung und unternehmerische Umsetzung enger miteinander verzahnen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in Gründungen, Produkte und wirtschaftliche Wertschöpfung zu überführen. Gleichzeitig soll die Kooperation die Sichtbarkeit des Biotech-Standorts München stärken.
Statt auf den Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens zu warten, wollen beide Partner bereits heute Strukturen schaffen, die Forschende, Gründungsteams und Unternehmen enger miteinander verbinden.
Vier Handlungsfelder für mehr Translation
Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen vier Handlungsfelder: Scouting, Validation, Networking und Visibility.
Wissenschaftlich getriebene Gründungspotenziale sollen frühzeitig identifiziert, gemeinsam bewertet und mit den passenden Netzwerken zusammengebracht werden. Ebenso geht es darum, die Sichtbarkeit vielversprechender Projekte zu erhöhen und Forschende, Start-ups sowie Partner aus dem Innovationsökosystem schneller miteinander in Kontakt zu bringen.
Die Kooperation versteht sich ausdrücklich nicht als starres Modell. Vielmehr soll sie kontinuierlich Impulse aus der Start-up-, Investoren- und Industriewelt aufnehmen und sich gemeinsam mit den Anforderungen des Biotech-Ökosystems weiterentwickeln.
Warum Sichtbarkeit mehr ist als Kommunikation
Dass Sichtbarkeit dabei weit mehr bedeutet als Kommunikation, machte Natascha Zeljko, Director Entrepreneurship Ecosystem der LMU München, deutlich:
„If you can see, you can be it. Viele Jungforschende beschäftigen sich gar nicht mit der Frage, ob ihre Idee ein Geschäftsmodell sein könnte. Wir müssen Sichtbarkeit schaffen und Berührungsängste zur Wirtschaft abbauen.“
Zwei Partner mit komplementären Stärken
Die LMU München zählt zu den forschungsstärksten Universitäten Europas und nimmt insbesondere in den Lebenswissenschaften eine Schlüsselrolle zwischen Grundlagenforschung und Anwendung ein.
Die Life Science Factory, eine Initiative des Life-Science-Konzerns Sartorius, unterstützt wissenschaftlich geprägte Gründungsteams mit Labor- und Coworking-Flächen, Mentoring sowie dem Zugang zu Industrie- und Investoren-Netzwerken.
Gemeinsam wollen beide Partner wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Innovationen überführen.
„Mit der Kooperation zwischen der LMU und der Life Science Factory schaffen wir eine Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und unternehmerischer Umsetzung, die für die Life Sciences entscheidend ist“, sagt Ellen Goel, Geschäftsführerin der Life Science Factory. „Wir wollen Forschende und Gründungsteams mit den Strukturen unterstützen, die sie benötigen, um ihre Ideen in die Praxis umzusetzen.“
Goel bringt internationale Erfahrung aus Singapur in die Zusammenarbeit ein und kennt die Anforderungen daran, wie Translation global gedacht und zugleich in einem regionalen Innovationsökosystem wirksam umgesetzt werden kann.
Aus Start-ups sollen Weltmarktführer werden
Auch Dr. Philipp Baaske, Vizepräsident für Entrepreneurship der LMU München und Mitgründer der NanoTemper Technologies GmbH, ordnet die Partnerschaft in einen größeren wirtschaftlichen Zusammenhang ein:
„Der Transfer von Wissenschaft in Wirtschaft gelingt nicht nebenbei. Er braucht verlässliche und schlanke Strukturen, gute Netzwerke und den engen Austausch zwischen Wissenschaft und Entrepreneurship. Gemeinsam mit der Life Science Factory schaffen wir genau das Ökosystem, das Gründungsteams brauchen, um ihre Ideen schneller in marktreife Lösungen zu übersetzen und die Unternehmen von morgen zu bauen."
Sein Anspruch reicht dabei über die Förderung von Ausgründungen hinaus:
„Wir gründen nicht Start-ups, um Start-ups zu gründen. Wir gründen Start-ups, um irgendwann Weltkonzerne zu haben und Hidden Champions, die in Deutschland Steuern zahlen, Arbeitsplätze schaffen und unser Leben finanzieren.“
EU Biotech Act als Rückenwind
Die Zusammenarbeit ist langfristig angelegt. Geplant sind gemeinsame Veranstaltungsformate, eine engere Vernetzung der Communities beider Partner sowie neue Zugänge für Forschende, Start-ups, Investoren und weitere Akteure des Biotech-Ökosystems. Ziel ist es, den Übergang von akademischer Forschung in unternehmerische Anwendung systematisch zu erleichtern.
Damit verstehen LMU und Life Science Factory ihre Partnerschaft zugleich als Beitrag zur Umsetzung des EU Biotech Acts. Der europäische Rechtsrahmen soll künftig bessere Bedingungen für klinische Studien, Innovation und Skalierung schaffen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Biotechnologiestandorts Europa stärken.
Oder, wie Sven Wagner den Nutzen letztlich zusammenfasst:
„Biotech ist eine Chance für Wohlstand – aber was man nicht vergessen darf: Es ist auch eine Chance dafür, dass mehr Patienten bessere Medikamente schneller bekommen.“
Quelle: Life Science Factory










