Editorial

...1988 gab es d e n bzw. d i e letzten deutschen Chemie-Nobelpreisträger. Sie hießen zur Erinnerung Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel und bekamen ihn für die Bestimmung der dreidimensionalen Struktur eines photosynthetischen Reaktionszentrums. Unsere Physiker dagegen konnten seitdem noch 4 Mal punkten, nämlich 1989 (Wolfgang Paul), 1998 (Horst L. Störmer), 2001 (Wolfgang Ketterle) und jetzt. Denn ein Viertel des Nobelpreises für Physik 2005 ging an Prof. Theodor W. Hänsch. Er ist damit der 21. Deutsche, der diesen Preis seit seiner Vergabe erhielt.

Hänsch wurde am 30. Oktober 1941 in Heidelberg geboren, wo er 1961 auch promovierte. Danach ging er an die Stanford University in Kalifornien und wurde dort 1975 Professor. Gastprofessuren führten ihn unter anderem nach Frankreich, Japan und Italien. Seit 1986 ist er Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik und Laserspektroskopie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Außerdem leitet er das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching.

In seiner mehr als 40-jährigen Laufbahn erhielt er schon zahlreiche Preise: So wurde er 1973 der California Scientist of the Year, bekam 1988 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und 2000 die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Im Sommer wurde er noch mit dem Otto-Hahn-Preis 2005 für Chemie und Physik ausgezeichnet. Zudem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes. Mit dem Physik-Nobelpreis hat er die höchste wissenschaftliche Auszeichnung nun auch.

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Die eine Hälfte ging an Roy Glauber von der Harvard-Universität in Cambridge für seinen Beitrag zur Quantentheorie der optischen Kohärenz. Die andere Hälfte teilt sich Hänsch mit einem Freund, dem an der University of Colorado in Boulder lehrenden US-Forscher John Hall. Beide erhielten ihren Nobelpreisanteil für ihre Beiträge zur Entwicklung der laserbasierten Präzisionsspektroskopie.

Durch einen raffinierten technischen Trick gelang es Hänsch und Hall, die Frequenz von Laserlicht und die Lichtgeschwindigkeit sehr viel exakter als es vorher möglich war zu bestimmen. Außerdem schafften sie es, dass ein Laser nicht nur Licht einer bestimmten Frequenz aussendet, sondern gleich hunderttausende von „Farben“ gleichzeitig. Das alles ist aber keine rein wissenschaftliche Spielerei oder das pure Streben nach neuen Rekorden, sondern es eröffnet auch zahlreiche praktische Verbesserungen. Mit der von ihnen entwickelten Technik lassen sich nämlich wesentlich mehr Daten per Laserlicht übertragen und die GPS-Technik wird deutlich genauer. Doch nicht nur auf die Telekommunikation und Navigation haben ihre Forschungsergebnisse Einfluss, es lassen sich beispielsweise auch noch extrem genauere Atomuhren entwickeln, und, und, und...

Hänsch selbst hat das Potenzial seiner Grundlagenforschungen erkannt und versucht, mit der Start-up-Firma Menlo Systems seine Entwicklungen auch zu vermarkten. Da kann ich nur sagen: Weiter so und viel Glück Herr Hänsch!

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